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StartseiteDeutschland heuteDie erste deutsch-polnische Buslinie18.07.2018

Von Guben nach Gubin Die erste deutsch-polnische Buslinie

Guben und Gubin sind durch die Neiße getrennt. Der Fluss markiert seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Grenze zwischen Deutschland und Polen. Seit Kurzem gibt es eine grenzübergreifende Busverbindung - um die Menschen der beiden Städte zusammenzubringen.

Von Vanja Budde und Wioletta Weiß

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Blick auf den Grenzfluss Neisse zwischen Guben (Deutschland) und Gubin (Polen).  (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild - Andreas Franke)
Noch muss sich die grenzübergreifende Busverbindung rumsprechen, denn oft fährt der Bus noch leer (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild - Andreas Franke)
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Guben und Gubin Eine Stadt in zwei Ländern

Ein mobiler Ständer mit dem gelb-grünen Haltestellen-Symbol steht auf einer Brücke etwas abseits vom Gubener Bahnhof. Die Haltestelle nach Polen ist noch ein Provisorium, weil der Bahnhofsvorplatz gerade umgebaut wird. Doch auf dem Fahrplan der Linie 858 steht es schwarz auf weiß: Halt auch im polnischen Gubin, der Schwesterstadt auf der anderen Seite des Grenzflusses Neiße. Früher war in Guben Endstation, wer weiter auf die polnische Seite wollte, musste zu Fuß laufen oder ein Taxi nehmen.

Heute hat ganz hinten im Bus ein junges polnisches Ehepaar mit seiner Tochter Platz genommen.

"Wir sind angenehm überrascht, dass wir den Hinweis auf den Halt in Gubin im Bus sehen. Wir waren im Schock, dachten uns, da ist wohl die EU auch bei uns angekommen."

"Der Bus hält nach wie vor an allen Bushaltestellen. Das ist wirklich toll. Wir sind aus Forst, 30 Kilometer von hier und machen gerade einen kleinen Ausflug mit unserem Kind zu Freunden in Polen. Jetzt können bequem ein Bierchen trinken, müssen nicht Auto fahren."

Gubener Bürgermeister hat zwei Jahre für den Pendelverkehr gekämpft

Der Bus nach Polen fährt in der Nähe des Gubener Rathauses vorbei, früher Sitz einer traditionsreichen Hutfabrik. Bürgermeister Fred Mahro, CDU, im smarten grauen Anzug und Krawatte, hat zwei Jahre lang für den Pendelverkehr nach Polen gekämpft.

"Auf der einen Seite der Neiße ist von der Tradition her der Busbahnhof. Auf der anderen Seite der Neiße ist der noch einzig existierende Bahnhof mit einer großen Tradition. Und diese beiden Objekte werden durch diese Buslinie miteinander verbunden. Das heißt, die polnische Linie fährt nach Deutschland und die deutsche nach Polen. Und das ist der Weg."

200 Gubener und Gubiner wurden vorab zu der geplanten Buslinie befragt. 93 Prozent der Polen und 65 Prozent der Deutschen waren für den Pendelverkehr. Was waren die Bedenken seitens der Deutschen? Gab es eine politische Diskussion? Der deutsche Betreiber DB Regio Bus Ost hat sich schnell dafür entschieden, das polnische Busunternehmen PKS aus Zielona Gora, früher Grünberg, musste erst überzeugt werden. Deswegen hat sich Bürgermeister Fred Mahro mit seinem Amtskollegen aus Gubin beraten, Bartlomiej Bartczak.

"Und da hat Kollege Bartczak zu mir gesagt, Fred, wir brauchen nicht mit wirtschaftlichen Komponenten oder so was zu kommen, sondern wir müssen an die Ehre, an den polnischen Stolz appellieren und sagen, wenn es der deutschen Seite gelungen ist, diese Linie so unproblematisch aufzubauen , dann muss es auch im Interesse der polnischen Seite sein, das gleichermaßen zu tun‘. Und das hat dann gleich dazu geführt, dass man gesagt hat, ‚jawohl, das wird so durchgeführt‘."

Noch muss sich die grenzübergreifende Busverbindung rumsprechen

Rund sechs Minuten dauert die Fahrt vom Gubener Bahnhof über die Grenze zum Busbahnhof in Gubin. Das junge polnische Ehepaar steigt hier aus. Gubin ist ein Umsteigeknoten in viele andere polnische Städte.

Direkt gegenüber des Busbahnhofes liegt ein großer Polenmarkt. Ein Mann Mitte 50 im blau-weiß-karierten Hemd verkauft Zigaretten und Kirschen aus dem eigenen Garten. Die Bushaltestelle nach Deutschland kann er von seinem Stand gut sehen.

"Der Bus fährt oft leer. Das muss sich wohl noch nicht herumgesprochen. Doch besonders ältere Menschen könnten es mit ihren schweren Einkaufstaschen leichter haben: Sie steigen in den Bus und sind schnell zu Hause."

Siegrid Kuster aus Guben steht am Ausgang des Marktes und wartet auf ihren Mann. An einem Stand mit Gartenpflanzen hat sie ihn aus den Augen verloren. Sie findet die neue Buslinie gut und macht sich Sorgen, dass die wieder eingestellt werden könnte. Weil sie bisher noch nicht so recht angenommen wird.

"Ich persönlich halte viel davon, speziell für die ganz alten Menschen, die schlechte Möglichkeit haben, hierher zu kommen. Aber wir fahren noch mit unserem eigenen PKW."

Gubens Bürgermeister Fred Mahro setzt auf die Zukunft und ist zuversichtlich.

"Ab September wird es dann eine zweite Überlandlinie geben, die die Wohnkomplexe 2 und 4 der Stadt Guben mit Gubin verbindet. Und in dem Komplex wohnen die meisten Gubener. Deshalb wird man erst mit einem Fazit nach der Inbetriebname der neuen Linien im September das richtige Bild sehen können."

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