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StartseiteHintergrundVon kleinen Bauern und großen Händlern13.03.2012

Von kleinen Bauern und großen Händlern

Die Zukunft des Fair-Trade-Modells

Ob Schokolade, Kaffee oder Baumwolle: Verschiedenste Produkte können das Fair-Trade-Siegel tragen. Der "faire Handel" soll gerechte Bedingungen für den internationalen Güteraustausch garantieren - vor allem für die Produzenten in Entwicklungsländern. Doch wie fair ist "fair" heute wirklich noch?

Von Caspar Dohmen

Einige Bauern sind mit ihrem Absatz über das Fair-Trade-System unzufrieden - zumal sie für die Zertifizierung Geld bezahlen müssen. (AP Archiv)
Einige Bauern sind mit ihrem Absatz über das Fair-Trade-System unzufrieden - zumal sie für die Zertifizierung Geld bezahlen müssen. (AP Archiv)
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Wirklich gerechter Lebensmittelkauf
Auf Erfolgskurs

Spätnachmittags in Jinotega, einer im Hochland von Nicaragua gelegenen Kleinstadt. Fátima Ismael, Geschäftsführerin bei Soppexxcca, einem Zusammenschluss von 15 Kaffeekooperativen, betritt das Café Flor, welches auf ihre Anregung hier in der Zentrale der Vereinigung eingerichtet worden ist. Hinter dem Tresen steht eine große Kaffeemaschine – wie in jedem beliebigen Café in Europa. Hier in Nicaragua ist sie eine Rarität, hier trinken die meisten löslichen Kaffee.

Dieser Lichtblick in der lokalen Kaffeekultur ist eine kleine Erfolgsgeschichte des fairen Handels, also des internationalen Güteraustauschs unter möglichst gerechten Bedingungen für die beteiligten Produzenten, ob selbstständige Kleinbauern oder Plantagenarbeiter. Ohne Konsumenten in den Industrieländern, die für die Tasse Kaffee gern ein paar Cent mehr ausgeben, hätten die meisten Bauern hier in der Kaffeeanbauregion Nicaraguas längst aufgegeben müssen. Darauf weist Fatima Ismael hin und nimmt an einem kleinen Tisch Platz. Unter dessen Glasplatte liegen Kaffeebohnen in Fächern.

"Zu den Zeiten, als die Kaffeepreise sehr niedrig waren, hatten wir es ausschließlich dem Fair Trade zu verdanken, dass wir unsere Böden erhalten und weiter bearbeiten konnten, sofern sie Kleinbauern gehörten."

Der Grundstein für diese Existenzsicherung wurde vor 20 Jahren gelegt. Damals saßen in Deutschland Vertreter von 17 Nichtregierungsorganisationen, kirchlichen Hilfswerken und politischen Stiftungen zusammen und diskutierten einen neuen Weg zur Steigerung des Absatzes fairer Waren. Angeregt waren sie von der Initiative Max Havelaer in den benachbarten Niederlanden. Verbraucher konnten hier neuerdings faire Waren nicht mehr nur wie bisher in kirchlichen Einrichtungen und Weltläden, sondern auch beim gewöhnlichen Einzelhändler kaufen. Damit kooperierte der faire Handel mit Konzernen, welche er bislang für die schlechte Entlohnung der Kleinbauern in Entwicklungsländern mitverantwortlich gemacht hatte.

Mancher hielt dies für einen Pakt mit dem Teufel. Trotzdem entschied sich auch in Deutschland eine Mehrheit der Bewegung für eine solche Strategie. Die Organisation Transfair entstand. Die Kirchen übernahmen die Anschubfinanzierung und schalteten eine Stellenanzeige, auf die sich Dieter Overath bewarb. Er baute den Verein in einem Kölner Hinterhof auf. Einige Monate später hieß es dann in der ersten Pressemitteilung von Transfair am 7. Oktober 1992:

"Auf dem Weltmarkt ist Kaffee so billig wie nie zuvor. Heute muss ein Verbraucher in Deutschland neunmal weniger arbeiten als vor 15 Jahren, um sich ein Pfund Röstkaffee leisten zu können. Im gleichen Zeitraum sind die ohnehin niedrigen Einnahmen der kleinen Kaffeebauern um das Vierfache gesunken. Je nach Qualität und Sorten bekommen die Produzenten in der "Dritten Welt" auf dem Weltmarkt für ein Pfund Kaffee derzeit zwischen 60 und 80 Pfennig. Für fair gehandelten Kaffee erhalten sie das Doppelte."

Zunächst wird Overath von den mächtigen Einkäufern der Handelskonzerne belächelt. Als erster Supermarkt stellte 1992 der Mindener Edekamarkt ein von Transfair gesiegeltes Produkt in sein Regal. Ein Jahr später bot dann die Rewe-Handelsgruppe fair gehandelten Kaffee bereits in allen 5000 Filialen an. Mit der Zeit haben immer mehr Läden für fair gehandelte Waren Platz frei geräumt – auch aus Selbstschutz-Gründen.

Wer Produkte verkauft, die von ausgebeuteten Mitarbeitern hergestellt werden, der muss heute schneller einen Imageschaden fürchten. Die Welt ist kleiner geworden, und Nachrichten etwa über Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in Afrika oder bei der Herstellung von Smartphones in Asien verbreiten sich via Internet heute rasant schnell. Diesen Wandel hat Dieter Overath mitverfolgt. Bis heute leitet er als Geschäftsführer Transfair Deutschland.

"Es sind alles Entwicklungen, wo ich glaube, dass heutzutage ein Schlecker oder ein Aldi oder ein Lidl es schwieriger hätten, ihre Hütten oder ihre Systeme aufzubauen, so wie sie das in den 50ern oder 60ern in dem Hunger nach billigem Konsum hatten. Und das ist eigentlich die gute Message, dass diejenigen, die noch drin sind, sich ein Stück verändern müssen."

Heute gibt es in Deutschland rund 1000 von Transfair lizensierte Produkte. Man erkennt sie an dem schwarz-gelb-blauen Logo mit dem Schriftzug "Fairtrade". Kaffee ist mit einem Marktanteil von knapp zwei Prozent in Deutschland das stärkste Fair-Trade-Produkt, gefolgt von Schnittblumen, Fruchtsaft und Bananen. Schon bei vergleichsweise kleinen Marktanteilen fairer Produkte werden die gewöhnlichen Handelsketten mittlerweile nervös.

"Die Schwellen, wo sich dann Handlungsdruck ausübt, werden immer niedriger. Ich wusste von früher, es gab Kaffeefirmen, die sagten: Mensch, wenn Fair Trade zwei oder drei Prozent kriegt, müssen wir handeln, zur Not einen Lizenzvertrag abschließen, weil, wenn Fair Trade drei Prozent bei Kaffee hat und wir sind Marktführer, heißt das ja, dass wir im Verhältnis so und so viel Konsum verlieren. Es wird ja nicht mehr Kaffee getrunken, sondern nur anders. Und diese Schwellen und das weiß ich von Bananen, Süßwaren und Co. werden immer niedriger. Wenn sie schon nicht aus innerer Überzeugung dazu kommen, dann so doch, um ihre Umsätze zu halten."

Zunächst kam der Verkauf von Waren mit Transfair-Siegel in Deutschland jedoch kaum vom Fleck. Nach zehn Jahren betrug der Umsatz gerade einmal 50 Millionen Euro. 2011 lag er bei etwa 400 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Einzelhandelsumsatz lag zuletzt bei knapp 550 Milliarden Euro.

War einem Deutschen die faire Bezahlung von Kleinbauern im Jahr 2002 durchschnittlich nicht mal einen Euro wert, liegt dieser Wert mittlerweile bei knapp fünf Euro. Eine Steigerung immerhin, aber international nach wie vor abgeschlagen. Overath hat eine Erklärung dafür, warum Engländer, Schweizer und Niederländer viel mehr fair einkaufen als die Deutschen:

"Wir sind das Discountland Nr.1 in der Welt, wir haben die billigsten Lebensmittel im Verhältnis gesehen, in der Welt, aber wir entwickeln die höchsten Ansprüche und das Gap zwischen Wollen und Tun ist nicht kleiner, sondern größer geworden."

Verbraucher in Deutschland zücken wesentlich öfter die Brieftasche, wenn es um den Kauf von Bioprodukten geht. Dafür geben sie durchschnittlich 70 Euro jährlich mehr aus. Die Psychologin Nicole Hanisch beschäftigt sich bei dem Kölner Marktforschungsunternehmen Rheingold mit den Motiven von Verbrauchern. Ihr Fazit:

"Fair Trade, muss ich etwas tun aus Respekt für die anderen, das ist sehr altruistisch, ich merke aber erst mal noch nicht direkt, dass mir das besser schmeckt. Insofern ist das für Bio sehr viel einfacher für den Verbraucher da rein zu kommen als für Fair Trade."

Der Politikwissenschaftler Oliver Geden von der Stiftung für Wissenschaft und Politik erklärt das Verbraucherverhalten auch schlicht mit dessen Bequemlichkeit:

"Die Mehrheit der Verbraucher wählt eher den einfachen Weg. Und das ist das, was man erst mal erwarten sollte, dass Verbraucher sich nicht den ganzen Tag darüber Gedanken machen wollen, 'was konsumieren wir da?', und die Informationen sammeln und bewerten wollen, sondern sagen, 'ich muss heute auch noch einkaufen gehen und dann eben entscheiden, ich habe nicht viel Zeit, ich möchte nicht soviel Geld ausgeben und das nehme ich jetzt eben mit.'"

Transfair Deutschland ist heute ein Verein mit 34 Mitarbeitern. Er handelt nicht selbst mit Produkten, sondern vergibt ein Siegel, mit dem Industrie und Handel dann ihre Produkte vermarkten können. Mittlerweile kennen 70 Prozent der Deutschen dieses Siegel. Wer das Handelszeichen auf seine Waren drucken darf, zahlt dafür eine Abgabe. Für ein Pfund Kaffee sind es beispielsweise elf Cent. Damit finanziert sich der Verein und führt Gelder an die internationalen Dachorganisationen ab.

Für das Siegel gelten strenge Kriterien: So müssen die Lizenznehmer die Waren direkt beim Produzenten zu einem fest gelegten Mindestpreis kaufen und eine langfristige Lieferbeziehung eingehen. Das ist das Gegenteil eines anonymen Rohstoffhandels.

Heute ist Transfair Deutschland Bestandteil eines weltweiten Netzes des fairen Handels, bei dem es eine klare Arbeitsteilung gibt. Einerseits gibt es mit Fair Trade International den Dachverband der nationalen Siegelinitiativen wie Transfair. Die Nichtregierungsorganisation ist für die Entwicklung der Standards und die Betreuung der Produzenten zuständig.

Daneben gibt es mit der Fairtrade Labelling Organization, kurz FLO, eine unabhängige Organisation für die Zertifizierung der Produkte. Sie hat ihren Hauptsitz in Bonn und unterhält Regionalbüros in Mittelamerika, Afrika und Asien.

Ein Selbstläufer ist der faire Handel nicht. Immer wieder gibt es Rückschläge: Zuletzt beispielsweise ein deutliches Minus beim Bananenverkauf in Deutschland und beim Absatz von Baumwolle in Großbritannien. So etwas spüren dann bisweilen die Produzenten. So wie die Baumwollbauern rund um die südindische Stadt Jolarpet.

Acht Baumwollbäuerinnen sitzen auf dem Boden in einem Haus. Ihre Ehemänner arbeiten fast alle in Städten als Bauarbeiter. Die Frauen stehen um vier Uhr morgens auf, kochen, erledigen die Feldarbeit und wenn sie abends die Kinder ins Bett gebracht haben, dann rollen sie im Auftrag einer lokalen Fabrik noch drei bis vier Stunden lang Zigaretten, etwa 1000 täglich. Vom Verkauf fair gehandelter Baumwolle hatten sie sich einiges versprochen.

Die Bäuerinnen liefern ihre Ware an Agrocel. Absetzen konnte der indische Mittelständler ihre fair angebaute Baumwolle zuletzt allerdings nicht. Die Käufer fehlen. Unternehmen verwenden konventionelle Baumwolle oder entscheiden sich für billigere Baumwolle von geringerer Qualität. Angesichts des gnadenlosen Preisdrucks bei Textilien und gleichzeitigen Gewinnerwartungen der Aktionäre ist jeder Cent Marge wichtig.

Trotzdem will Agrocel im Fair-Trade-System bleiben. Das Unternehmen setzt auf mehr Nachfrage nach solcher natürlichen, unter fairen Bedingungen hergestellten Baumwolle, insbesondere in Europa. Um die Bauern bei der Stange zu halten, hat das Unternehmen ihnen aus eigener Tasche bei den vergangenen drei Ernten die Fair-Trade-Prämie gezahlt. Agrocel-Manager Krishnan Sainathan hält dies für eine sinnvolle Zukunftsinvestition.

"Es ist noch ein kleines Geschäft. Wir beginnen aber zu wachsen. Wir wollen Profit machen. Die Bauern wollen Gewinn machen. So ist es eine Win-Win-Situation."

Ganapathy Raju kennt die Sorgen und Nöte der Produzenten. Der Agraringenieur bereist für Fair Trade International ganz Südindien, besucht landwirtschaftliche Klein- und Großbetriebe, die beispielsweise Baumwolle, Reis, Tee, Kaffee oder Gewürze anbauen. Und er hat für sie eine wichtige Botschaft:

"Es ist schwierig die Produzenten zu informieren. Wir haben es heute gesehen, die Bauern sagen, was wir brauchen sind höhere Verkäufe. Wenn man sagt: Hey schau, Fair Trade garantiert keinen Marktzugang, das ist der Standardsatz, den ich den Produzenten sage. Wir garantieren keine Verkäufe."

Immer wieder trifft Raju auf Produzenten, die mit ihrem Absatz über das Fair-Trade-System unzufrieden sind, zumal sie für die Zertifizierung Geld bezahlen müssen. Viel Hoffnung auf Besserung macht Raju ihnen nicht, zumal er davon überzeugt ist, dass die Organisation insgesamt ihre 2010 gesetzten ehrgeizigen Ziele verfehlen wird.

"Wir reden über das neue Geschäftsmodell 5, 10, 15. Im Jahr 2015 soll es zehn Mal mehr Fair-Trade-Verkäufe geben und fünf Mal mehr Produzenten an Bord. Das ist der Slogan. Unser Vorstandschef Cameron, der jetzt nicht mehr dabei ist, hat darüber gesprochen. Aber für uns sind die Ziele nicht mehr erreichbar."

Wenn sich Unternehmen in den nördlichen Absatzgebieten ganz oder teilweise von dem Verkauf von Waren mit dem Fair-Trade-Siegel zurückziehen, gibt es ein Absatzproblem im produzierenden Süden. Jetzt hat die Entscheidung des britischen Einzelhandelskonzerns Marks & Spencer, weniger Fair-Trade-Baumwolle einzusetzen, eine Lücke gerissen, die noch nicht durch neue Abnehmer geschlossen werden konnte. Die Briten sind einer der größten Abnehmer der Fair Trade zertifizierten Baumwolle. Für Overath kam der Schritt überraschend:

"Also wir hatten es mit einem-Open-Mind Management zu tun, die dem Fair-Trade-Ansatz sehr offen und sogar auch offensiv zustanden und geöffnet waren und möglicherweise sind denen die Margen zu sehr eingebrochen in dem Bereich und dann die Stakeholder sogar gesagt haben, hier, wir sind kein Charity-Unternehmen, sondern der größte Textilhändler in der UK und die Spanne stimmt nicht mehr. Das ist jetzt Spekulation."

Einen Rückschlag gab es auch auf dem deutschen Tee-Markt. Hier hat die Ostfriesische Tee-Gesellschaft, kurz OTG, den Verkauf fairen Tees unter der eigenen Marke Meßmer bereits vor einigen Jahren beendet. Ein weitreichender Schritt, schließlich beherrschen mit OTG und Teekanne gerade einmal zwei Hersteller den deutschen Markt.

Das Umfeld für die Arbeit von Fair Trade hat sich gravierend verändert. Bei der Gründung war es das einzige Siegel, mit dem Firmen dokumentieren konnten, dass sie auf die Einhaltung von Sozialstandards bei den Produzenten achten. Mittlerweile gibt es Branchenstandards wie BCI oder Konkurrenzlabel wie das der Rainforest Alliance oder UTZ. Alle garantieren den Produzenten jedoch keine Mindestpreise, und sie zahlen den Bauern auch keine zusätzliche Fair-Trade-Prämie, weshalb sie von Kritikern auch als "Fairtrade light" bezeichnet werden.

Zudem gibt es Streit innerhalb der internationalen Fair-Trade-Bewegung über den richtigen Kurs. Ende 2011 haben sich die Amerikaner aus dem internationalen Zusammenschluss verabschiedet. Sie gehen jetzt einen eigenen Weg und wollen beispielsweise künftig auch große Kaffeeplantagen zertifizieren.

Manche Unternehmen wie der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt versprechen die Einhaltung interner Standards, ohne sich allerdings unabhängig kontrollieren zu lassen. Für den Konsumenten ist eine Unterscheidung der vielen Produktkennzeichnungen aufwendig. Bharath Mandann, Eigentümer des indischen Tee-Unternehmens Bombay Burmah Trading Corporation, führt ehrenamtlich das NAP, den Zusammenschluss der für Fair Trade arbeitenden Produzenten aus Asien und Ozeanien. Zu den unterschiedlichen Zertifizierungssystemen hat er eine klare Meinung:

"Ich besitze die Firma Bombay Burmah. Wir haben eine Zertifizierung von Rainforest gekauft, wir haben eine von UTZ, ich habe eine Biozertifizierung, ich bin Fair-Trade-zertifiziert. Aber wir glauben Fair Trade ist am wichtigsten, weil der Benefit des Fair-Trade-Systems an die Produzenten, die Bauern zurückgegeben werden kann. Keines der Systeme gibt irgendeinen Benefit direkt an die Farmer oder Arbeiter. Das macht den Unterschied von Fair Trade aus."

Die Fair-Trade-Prämie erhalten die Arbeiter und Kleinbauern unabhängig von der Höhe des Weltmarktpreises. Bei einer Kooperative oder Plantage kann sich dies auf einen sechsstelligen Eurobetrag im Jahr addieren. Über die Verwendung des Geldes entscheiden die Arbeiter oder Bauern in selbst gewählten Gremien. Sie kaufen dann beispielsweise für die Kinder Schulmaterial oder Schutzkleidung für die Pflücker oder verbessern die Wege zu ihren Siedlungen. Solche Projekte machen den fairen Handel stark, da ist sich die Geschäftsführerin de Kaffeekooperative Soppexxca, Fatima Ismael, sicher.

"Ich glaube, dass sich der Fair-Trade-Markt konsolidieren wird, weil die anderen Gütesiegel keine gleichwertige Vision verfolgen: weder diese überaus soziale, umweltverträgliche oder ökonomische Vision noch die einer partizipativen Demokratie, die FLO ja tatsächlich verfolgt."

Große Chancen für den fairen Handel sehen nicht nur die Produzenten im Süden, sondern auch der Handel im Norden. Rewe-Sprecher Andreas Krämer:


"Der faire Handel wird sich weiter positiv entwickeln, weil das Thema Handel und Handelsbedingungen insgesamt ja diskutiert wird und auf dem Prüfstand steht und wir feststellen, dass sich immer mehr Kunden, neben dem Preis, der auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen wird, aber dafür interessieren, die Frage, wo kommt denn eigentlich mein Lebensmittel her, unter welchen Bedingungen wird es denn eigentlich erzeugt. Da schwingt, denke ich, im Hinterkopf immer so eine Frage dabei, so ein bisschen, Konsum ohne Reue. Das man sagt, ich kann mir die Schokolade kaufen, ich kann mir den Kakao kaufen und weiß, dass ich damit parallel etwas Gutes tue."

Die Fair-Trade-Organisationen wollen sich fit machen für die Zukunft. Eines ist schon jetzt klar: Die Produzenten, aber auch die Konsumenten im Süden werden künftig eine größere Rolle spielen. Ende 2011 fiel die Entscheidung, dass die Produzenten aus dem Süden nun in allen Gremien die Hälfte der Stimmen haben. Und neue Stellen sollen möglichst nur noch im Süden geschaffen werden.

Der Norden, der die Idee des fairen Handels einst als Hilfe für Bauern im Süden entwickelt hat, gibt Macht und Ressourcen ab. Gleichzeitig setzt der faire Handel auf den Süden als Absatzmarkt. Die ersten Versuche gibt es bereits in Südafrika, Kenia oder Mexiko. Jetzt laufen die Vorbereitungen für den Marktstart in Indien. Sollten mehr Konsumenten in den Produzentenländern mitmachen, dann könnte der faire Handel vielleicht tatsächlich den weltweiten Konsumalltag entscheidend verändern.

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