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StartseiteVerbrauchertippRückkehrrecht mit Hürden28.12.2018

Von Vollzeit zu Teilzeit Rückkehrrecht mit Hürden

Ab dem neuen Jahr gilt die Brückenteilzeit. Sie bietet Beschäftigten die Möglichkeit, von einer Teilzeitstelle zurück in Vollzeit zu wechseln. Der Wermutstropfen daran: Den Anspruch gibt es nur in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten.

Von Peggy Fiebig

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Die Silhouette einer jungen Frau mit Kinderwagen (imago / Bernd Friedel)
Ab dem 1. Januar 2019 gilt die Brückenteilzeit: Für einen bestimmten Zeitraum können Arbeitnehmer die Arbeitszeit reduzieren. Doch es gilt einiges zu beachten. (imago / Bernd Friedel)
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Seit langem schon trägt sich Katharina Elsner mit dem Gedanken, noch einmal ein Studium aufzunehmen. Die 42-Jährige arbeitet momentan Vollzeit in einem Potsdamer Handelsunternehmen. Für sie könnte eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit ideal sein, um ihre Pläne zu realisieren.

"Wenn ich die Arbeitszeit runterdrehen könnte, dann könnte ich mich sicherlich eher motivieren, nochmal ein Fernstudium anzufangen als wenn ich Vollzeit nebenbei arbeiten müsste."

Ab dem 1. Januar 2019 gibt es diese Möglichkeit. Für einen bestimmten Zeitraum können Arbeitnehmer die Arbeitszeit reduzieren. Und vor allem - und das ist das Neue - mit der Möglichkeit, danach wieder auf die ursprüngliche Stundenzahl zurückzukehren.

Nur bei Betrieben mit über 45 Beschäftigten

Der Wermutstropfen: Den Anspruch gibt es nur in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten. Das sei eine recht hohe Hürde meint die Berliner Rechtsanwältin Mechthild Kuby.

"Es gibt Statistiken, die sagen, dass damit 38 Prozent aller Arbeitsverhältnisse von dieser Regelung ausgenommen sind, weil 38 Prozent der Beschäftigten in Betrieben arbeiten mit 45 und weniger Arbeitnehmern."

Einen Antrag stellen kann man schriftlich, per Fax oder auch per Email. Aber Achtung: Spätestens drei Monate vor dem geplanten Beginn der Arbeitszeitreduzierung muss der Antrag beim Arbeitgeber eingegangen sein.

Drin stehen muss, ab wann man weniger arbeiten will, für wie lange - möglich sind zwischen ein und fünf Jahren - und um wie viele Stunden der Arbeitnehmer seine Wochenarbeitszeit reduzieren möchte. Idealerweise sollte auch angegeben werden, wie die Arbeitszeiten künftig liegen sollen.

"Nicht das der Arbeitgeber nachher sagt: ‚Ach, schön arbeitszeitreduziert‘, aber ich habe nachher eine Lage der Arbeitszeit, mit der ich überhaupt nichts anfangen kann."

Die Anwältin rät, zu dokumentieren, wann der Antrag abgegeben wurde. Weil daran Fristen hängen, kann es durchaus sein, dass man später einen Nachweis braucht.

Fristen beachten

Der Arbeitgeber muss seine Einwände bis spätestens einen Monat vor der geplanten Aufnahme der Teilzeitarbeit vorbringen.

"Deshalb ist es auch ganz wichtig, bei der Abfassung des Schreibens, wo man diesen Teilzeitwunsch äußert, das präzise zu machen. Damit man im Zweifelsfall auch weiß, was ist denn jetzt vereinbart."

Vor allem sollte sich jeder Teilzeitinteressierte gut überlegen, für welchen Zeitraum er reduzieren möchte. Vorzeitig wieder aufzustocken oder die Brückenteilzeit zu verlängern geht nur, wenn der Chef einverstanden ist.

Ablehnen kann der Arbeitgeber den Antrag auf Brückenteilzeit, wenn betriebliche Gründe entgegenstehen. Was das heißt, erläutert Marta Böning vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

"Das bedeutet, dass er durch die Art, wie der Betrieb zwingend zu organisieren ist, wenn er keine Möglichkeit hat, meinem Wunsch zu entsprechen, dann kann er das Recht ablehnen."

Wenn er zum Beispiel nachweisen kann, dass die Verkürzung der Wochenarbeitszeit die betriebliche Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigen würde.

Will sich der Arbeitnehmer gegen eine Ablehnung wehren, bleibt ihm häufig nur der Weg zum Gericht. Das aber, so Gewerkschaftsvertreterin Marta Böning:

"Das dauert Zeit. Und diese Zeit haben aber diejenigen, die gerade für eine vorübergehende Zeit reduzieren wollen, oft nicht. Weil sie die Teilzeit jetzt brauchen und nicht in drei Jahren oder in zwei Jahren, wenn das Gerichtsverfahren zu Ende ist. Deswegen wird die Praxis zeigen, wie leicht oder schwer es ist, dieses Recht durchzusetzen."

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