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StartseiteKalenderblattDer furchtbarste Brand in Roms Geschichte19.07.2014

Vor 1.950 JahrenDer furchtbarste Brand in Roms Geschichte

Es war die schlimmste Katastrophe, die Rom seit dem Einfall der Gallier 400 Jahre zuvor ereilt hatte: Der große Brand im Jahre 64. Zwei Drittel der antiken Metropole wurden zerstört, das Ausmaß der Vernichtung war so gewaltig, dass man nicht an Zufall glauben wollte. Es wurde gemunkelt, der extravagante Kaiser Nero habe Rom anzünden lassen.

Christian Berndt

(picture-alliance / dpa / Kevin Kurek)
Nach der Katastrophe ließ Nero Rom zukunftsweisend wiederaufbauen - mit breiteren Straßen und Brandschutzmauern. Das befeuerte allerdings nur die Gerüchte, Nero habe Rom angezündet, um es prächtiger gestalten zu können. (picture-alliance / dpa / Kevin Kurek)
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"Mit Ungestüm durchraste der Feuerbrand zunächst die ebenen Stadtteile, stieg dann auf die Anhöhen hinauf und kam den Abhilfemaßnahmen durch die Schnelligkeit zuvor, mit der das Unheil fortschritt: Gefährdet war die Stadt zudem durch die engen Straßen und die sich hin- und herwindenden Gassen mit den unregelmäßigen Häuserreihen. Wie eben das alte Rom war."

Brand wütete neun Tage

So berichtet Tacitus über den furchtbarsten Brand in Roms Geschichte. In den frühen Morgenstunden des 19. Juli im Jahr 64 war er in den hölzernen Verkaufsbuden am Circus Maximus ausgebrochen. Der Feuersturm breitete sich in Windeseile in der dicht besiedelten, teils aus Holz gebauten Millionenstadt aus und wütete insgesamt neun Tage. In der hochsommerlichen Hitze war die Feuerwehr machtlos, am Schluss waren nur vier der 14 Stadtbezirke unversehrt und 200.000 Menschen obdachlos. Das Ausmaß der Vernichtung war so gewaltig, dass die Römer an einen Unglücksfall nicht glauben wollten. Bald schon hieß es, Kaiser Nero habe das Feuer gelegt. Der Geschichtsschreiber Cassius Dio berichtete später:

Zitat Cassius Dio

"ährend nun viele, vom Schmerz überwältigt, sich in die Flammen stürzten, stieg Nero zum Dach des Palastes empor, von wo aus man den besten Überblick über die Brandstellen hatte, legte das Kleid eines Kitharaspielers an und besang die Eroberung Trojas."

Es ist das bis heute präsente Bild - Nero besingt den Brand Roms, so wie es Peter Ustinov als wahnsinniger Kaiser im Hollywood-Epos "Quo Vadis?" dargestellt hat. Dabei befand sich Nero bei Ausbruch des Brandes auf seinem Landsitz, und er leitete nach seiner sofortigen Rückkehr in die Hauptstadt effiziente Maßnahmen ein. Er ließ seine Gärten für die Obdachlosen öffnen, Notunterkünfte bauen und die Versorgung sichern. Doch Neros erfolgreiches Krisenmanagement brachte die Gerüchte nicht zum Verstummen, wie der Althistoriker Ernst Baltrusch von der Freien Universität Berlin meint:

"Er ist ein Kaiser gewesen, dem man so etwas zutrauen konnte. Er war lieber Sänger und Schauspieler als Kaiser, er hat sich um das Reich auch nicht gekümmert, man traute es ihm zu, weil ereben so extravagant war, dass er das hätte machen können. Allerdings, da man es ihm nicht nachweisen kann, gehe ich davon aus, dass er es auch nicht war."

Kaiser Nero wurde den Ruf des Brandstifters nicht mehr los

Nach der Katastrophe ließ Nero Rom zukunftsweisend wiederaufbauen - mit breiteren Straßen und Brandschutzmauern. Das befeuerte allerdings nur die Gerüchte, er habe Rom angezündet, um es prächtiger gestalten zu können - auch weil er sich im Zentrum eine gigantische Palastanlage bauen ließ. Nero wurde den Makel nicht mehr los.

Christen als Sündenböcke ausgemacht

Dabei hatte seine Herrschaft vielversprechend begonnen: Beraten vom Philosophen Seneca suchte er den Ausgleich mit dem Senat, war volksnah und trug Sorge für die Armen. Als Anhänger der griechischen Kultur bevorzugte er statt blutiger Gladiatorenspiele, die er zeitweise verbieten ließ, sportliche und musische Wettkämpfe. Für den kriegerisch gesinnten Adel war das ebenso provokativ wie Neros Auftritte als Schauspieler. Brutalität zeigte Nero dann, wenn er sich in die Enge getrieben fühlte: Etwa als er seine übermächtige Mutter, die berüchtigte Agrippina, ermorden und nach dem Brand Roms Christen zu Sündenböcken stempeln ließ:

"Sie waren misstrauisch beäugt, man traute Christen auch Mahlzeiten zu, wo Menschenfleisch gegessen wird und Ähnliches. Also, warum sollte man ihnen nicht auch eine solche Tat zutrauen? Nero hat sich diesen Umstand zunutze gemacht, um die Christen dann als Brandstifter, und zwar als Gruppe wollte er sie verurteilen, damit er sozusagen den Zorn der Bevölkerung ablenkt von sich selbst auf eine Gruppe, die man eben nicht mochte."

"Man steckte sie in Felle wilder Tiere und ließ sie von Hunden zerreißen. Oder man schlug sie ans Kreuz und zündete sie an, sodass sie zu nächtlicher Stunde als Fackeln dienten."

Hinrichtungen von Christen

So berichtete Tacitus über die Hinrichtungen von Christen - allerdings war dies die übliche Strafe für Brandstifter. Von christlichen Historikern wurde Nero später als bestialischer Christenverfolger dargestellt. Aber von systematischer Verfolgung konnte keine Rede sein, die meisten Christen in Rom blieben unbehelligt. Vier Jahre nach der Katastrophe wurde Nero von Adligen und Militärs gestürzt. Er war ein überforderter Kaiser - seinen Ruf als Brandstifter wurde er nicht mehr los.

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