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StartseiteKalenderblattDer Meister der B-Movies08.12.2016

Vor 100 Jahren geboren: Regisseur Richard FleischerDer Meister der B-Movies

Er drehte Horrorfilme, Krimis, Western, Fantasy-Geschichten, Historienfilme, Psychothriller: Kaum ein amerikanischer Regisseur wandelte so vielseitig durch die Filmgenres wie Richard Fleischer. Er galt als besessener Handwerker - und als Allzweckwaffe Hollywoods, die sich auf jeden Stoff ansetzen ließ.

Von Katja Nicodemus

Der Regisseur Richard Fleischer (1916-2006) während Dreharbeiten hinter der Filmkamera (undatiert) (picture alliance / dpa / Bert Reisfeld)
Regisseur Richard Fleischer (1916 - 2006) hinter der Filmkamera in einer undatierten Aufnahme (picture alliance / dpa / Bert Reisfeld)
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Ein U-Boot, mikroskopisch verkleinert, fährt durch einen menschlichen Körper, um ein Blutgerinnsel zu entfernen.

Arnold Schwarzenegger sucht als vorzeitlicher Barbar nach einem magischen Juwel. Und in der Tiefe des Meeres treibt ein geheimnisvoller Kapitän namens Nemo sein Unwesen auf einem futuristischen U-Boot.

"Die phantastische Reise", "Conan der Zerstörer", "20.000 Meilen unter dem Meer" - schon die Titel der Filme von Richard Fleischer verströmen einen schillernden Willen zum Entertainment, zum phantastischen Erzählen, zum Effekt. B-Pictures oder B-Movies nennt man in der amerikanischen Kinoindustrie solche billig produzierten Unterhaltungsfilme. Die Herausforderung für den Regisseur eines B-Films besteht darin, trotz des niedrigen Budgets das Beste herauszuholen. Und Richard Fleischer, geboren am 8. Dezember 1916 in New York, war ein Meister des B-Pictures, seiner dramatischen und manchmal auch komischen Effekte.

Von der Psychologie übers Theater zum Film

Wohl um sich von seinem Vater, dem Stummfilm- und Zeichentrickregisseur Max Fleischer, abzusetzen, studiert Richard Fleischer Psychologie und belegt Kurse in Psychiatrie. Doch bald wechselt er zu einer Theaterakademie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er als Regisseur in der B-Pictures-Abteilung des Studios RKO angestellt – wo er zu seinem eigenen Verdruss zunächst einmal bleibt, erzählt Richard Fleischer:

"Ich war sieben Jahre lang bei diesem Studio. Aber ich durfte dort nie einen wirklich großen Film drehen. Jedes Mal, wenn ich kurz davor stand, die Regie bei einem solchen A-Picture zu bekommen, verließ die Person, die mir den großen Film versprochen hatte, das Studio. Und beim nächsten Chef war es wieder so. Sieben Jahre lang!"

Hadern mit dem Image eines Unterhaltungskünstlers

1952 – immer noch ist er bei RKO angestellt – dreht Richard Fleischer den Thriller "Um Haaresbreite": In einem Zug kämpft ein Polizist gegen zwei Gangster, die eine Kronzeugin töten wollen. Weil ein echter Eisenbahnwaggon dem Studio zu teuer ist, muss Fleischer in bereits vorhandenen Kulissen drehen. Die fehlende Geschlossenheit des Raumes simuliert er mit einer findig eingesetzten Handkamera. Fleischer erweist sich als überragender Hollywood-Handwerker. Und obwohl "Um Haaresbreite" von der Kritik gefeiert wird, wird der Regisseur seinen Ruf, ein reiner Unterhaltungskünstler zu sein, nicht los.

Richrad Fleischer: "Ich finde es schade, dass ich als Actionfilm-Regisseur gelte. Die Filme, die ich am liebsten mag und mit denen ich auch Erfolg hatte, sind psychologische Dramen, intime Filme über zwei Menschen in einem Raum. So etwas spannend zu machen, ist viel schwieriger als 40 Leute zu filmen, die aufeinander schießen."

Mitte der sechziger Jahre dreht Richard Fleischers einen Klassiker: Die in den Gefäßen des menschlichen Körpers spielende "Phantastische Reise". Das Innere des Körpers wird zur Abenteuerlandschaft, in der Antikörper die Besatzung des winzigen U-Boots attackieren. Blutbahnen wirken wie die Gänge einer Höhle, fast wird die Lunge zur Todesfalle. "Die phantastische Reise" ist durchdrungen von Richard Fleischers Inszenierungsfreude und von seinem Perfektionismus. So wie auch sein visionärster Film.

"Soylent Green" mit Charlton Heston - ein spätes Opus Magnum

Der Science-Fiction-Film "Soylent Green" zeichnet die Welt im Jahr 2022. Eine Oberschicht bunkert die letzten Lebensmittel. Frauen werden wie Möbelstücke zusammen mit Wohnungen vermietet. Alte Menschen lassen sich einschläfern. Auf den Straßen drängt sich ein obdachloses Lumpenproletariat, das angeblich aus Algen produzierte Lebensmittelhäppchen zugeteilt bekommt: Soylent-Grün.

Charlton Heston spielt den Polizisten, der dem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt: Soylent-Grün wird aus Menschenfleisch hergestellt. Richard Fleischers Inszenierungskunst macht aus diesem reißerischen Science-Fiction-Stoff eine melancholische Dystopie. Über die Überfischung der Meere, über einen gnadenlosen Kapitalismus, über die Verschmelzung von Mensch und Ware.

Mit Filmen wie "Soylent Green" führte Fleischer, der 2006 im Alter von neunundachtzig Jahren in Los Angeles starb, vor, dass B-Movies ganz klar in die A-Liga der Kinogeschichte gehören können.

 

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