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StartseiteKalenderblattDer spanische Gitarrist Andrés Segovia 21.02.2018

Vor 125 Jahren geborenDer spanische Gitarrist Andrés Segovia

Andrés Segovia begründete eine neue Ära der klassischen Gitarre, erweiterte ihr Repertoire und eroberte ein Millionenpublikum. Der spanische König verlieh ihm dafür einen Adelstitel. Instrumente, die Segovia spielte, werden heute in Museen als Ikonen der Gitarrengeschichte des 20. Jahrhunderts aufbewahrt.

Von Johannes Jansen

Der Gitarrist Andres Segovia spielt auf einem Konzert im Theater La Fenice in Venedig.   (imago / Marcello Mencarini / Leemage)
Der Gitarrist Andres Segovia spielt auf einem Konzert im Theater La Fenice in Venedig. (imago / Marcello Mencarini / Leemage)
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"Segovia war für mich fast eine gottähnliche Gestalt. Ich war gebannt von der Poesie seines Spiels. Er hat mir wirklich die Musik erschlossen."

Ein Idol war Andrés Segovia nicht nur für Meistergitarristen wie Eliot Fisk. Generationen von Gitarren-Aficionados haben ihn als den Mann verehrt, der die Gitarre in den Rang eines "klassischen" Konzertinstruments erhob.

"I had to rescue the guitar twice: first from the noisy hands of the flamenco players and second from the poor repertoire that it had."

Er habe die Gitarre zweimal retten müssen, sagte Segovia: aus der Armut ihres Repertoires und aus den lärmenden Händen der Flamencospieler. Soweit es das Repertoire betrifft, hatte er recht. Von all seinen Verdiensten ist der größte, Musik alter spanischer Meister wieder populär gemacht und zeitgenössische Komponisten wie Manuel Ponce und Heitor Villa-Lobos angeregt zu haben, für sein Instrument zu schreiben.

Ein Autodidakt, der das Gitarrespiel praktisch neu erfand

"Weil es das einzige wirklich mehrstimmige Saiteninstrument ist, kann man unmöglich dafür komponieren, wenn man es selbst nicht spielt und wenn man es nicht gut spielt."

Andrés Segovia selbst tat sich vor allem mit Transkriptionen hervor. Zum Paradestück wurde die Chaconne aus der d-Moll-Violinpartita von Johann Sebastian Bach. Die Pariser Erstaufführung der Gitarrenfassung im Jahr 1935 geriet zur Sensation. Die eher bedächtigen Tempi, das eigenwillige Vibrato und Rubatospiel, auch dass er sich um Korrektheit im Sinne des Urtextgedankens wenig kümmerte – bei ihm war es stimmiger Ausdruck einer romantischen Musikauffassung im meist schon auf den ersten Ton erkennbaren Segovia-Sound: voluminös und doch aufs Feinste durchgestaltet. Dieser Mann und sein Instrument füllten Säle von den Dimensionen der Carnegie Hall.

Schon in den 20er-Jahren hatte Segovia Süd- und Nordamerika, Japan und die Sowjetunion bereist. Am Ende seines Lebens waren es mehr als 5.000 Konzerte und Millionen verkaufter Schallplatten, die seinen Mythos überall auf der Welt verbreiteten. Um den Kern dieses Mythos – den Autodidakten, der das Gitarrespiel praktisch neu erfand – kreist auch seine Autobiographie. Vieles darin hat sich als schwer nachprüfbar erwiesen. Sogar über das Geburtsdatum, den 21. Februar 1893, herrschte lange Unklarheit.

Geehrt mit einem Museum und einer Bronzestatue

Auch mit 80 war er noch eine Macht und hielt Konkurrenten auf Distanz. Um einen angemessenen Vergleich zu finden, muss man Musiklegenden wie Pablo Casals und Artur Rubinstein bemühen. Aber es gab auch Kritiker, sogar unter ehemaligen Schülern, denen er den Ritterschlag verliehen hatte. John Williams etwa, selbst ein Weltstar, äußerte sich wenig schmeichelhaft über Segovias konservativen Musikgeschmack. Abstrakte Kunst und vergleichbare Tendenzen in Musik und Poesie, waren ihm zutiefst unsympathisch – besonders auch im Flamenco.

Andrés Segovia starb 1987. Linares, seine andalusische Heimatstadt, ehrte ihn mit einem eigenen Museum und noch zu Lebzeiten mit einer Bronzestatue. Wie ein Staatsmann von Churchill-Format steht er da im Schultermantel, mit Gehstock statt Gitarre, und schaut durch seine dickrandige Brille, die ihm schon in jungen Jahren etwas Professorales und Unnahbares verlieh. Auch der Gitarrenbauer Manuel Ramirez war irritiert, als ihm der erst 19-jährige Virtuose gegenüberstand und sich ein Instrument erbat. Geld hatte er keines. Aber Ramirez ließ sich überzeugen.

"Gib mir nichts dafür, sondern bezahle sie, indem Du die Gitarre in der ganzen Welt berühmt machst."

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