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StartseiteKalenderblattDer Roman-Fabrikant05.12.2020

Vor 150 Jahren starb Alexandre DumasDer Roman-Fabrikant

Was heute Streaming-Serien sind, waren vor 200 Jahren Romane in Zeitungen. Etwa die Abenteuergeschichten von Alexandre Dumas. Er schrieb - und ließ schreiben. Hits seiner Roman-Fabrik: "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo". Vor 150 Jahren starb Dumas in der Normandie.

Von Maike Albath

schwarzweiße Fotografie von Alexandre Dumas  aus dem Jahr 1855  (picture alliance /Heritage Ar Images)
Alexandre Dumas 1855 (picture alliance /Heritage Ar Images)
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Sensationsfund

"Am 25. Februar 1815 fuhr der Dreimaster Pharao langsam und zögernd in den Hafen von Marseille. Eine Trauerwolke schien das Schiff zu umschweben. Gespannt folgte eine schaulustige Menge dem Fahrzeug und bemerkte bei dessen Näherkommen, dass es von einem auffallend jungen und wohlgestalteten, aber ebenso tatkräftigen wie geschickten Manne gelenkt wurde."
 
Da ist er, der spätere Graf von Monte Christo. So majestätisch der Seemann das Schiff in den Hafen leitet, so groß scheint sein zukünftiges Glück zu sein. Aber der Verfasser Alexandre Dumas verstand sich auf die Wechselspiele des Schicksals und schrieb dem jungen Edmond unglaubliche Erlebnisse auf den Leib. Eine verhagelte Hochzeit, schlimmste Verleumdungen, vierzehn Jahre Kerker, Flucht, die Entdeckung eines Schatzes, Blutrache, und das ist noch längst nicht alles. 

Ab 1845 erschien Dumas‘ Roman Der Graf von Monte Christo in Fortsetzungen im "Journal des débats" und ließ die Auflage der Zeitung in die Höhe schnellen. Der Verfasser bekannte: "Ich habe nie einen meiner Romane vollständig gelesen. Ich musste mich entscheiden, entweder für das Lesen oder das Schreiben."

Schreiben und schreiben lassen

Dumas betrieb von nun an eine regelrechte Roman-Fabrik: Er dachte sich Hauptfiguren aus und entwarf Handlungsstränge, überließ die Feinarbeit dann aber seinen Lohnschreibern und produzierte knapp 30 Abenteuergeschichten im Jahr. 

Porträt des Schriftstellers Alexandre Dumas und Buchcover: „Georges“ (Porträt: dpa/picture alliance/Bifab, Buchcover: Comino Verlag) (Porträt: dpa/picture alliance/Bifab, Buchcover: Comino Verlag) Alexandre Dumas: „Georges" - Rachefeldzug gegen Rassismus
Wenig bekannt ist, dass Alexandre Dumas wegen seiner kreolischen Herkunft zeitlebens diskriminiert wurde. In seinem Roman "Georges" schrieb er gegen Rassismus und Kolonialismus an.

An aufregenden Verwicklungen war der mit einem imposanten Haarschopf ausgestattete Dumas durch seine Herkunft gewöhnt: seine Großmutter war eine ehemalige Sklavin aus Haiti, sein Großvater ein normannischer Marquis, sein früh verstorbener Vater ein General, die Mutter kam aus einer Familie von Gastwirten. Alexandre, der 1802 in der Nähe von Paris geboren wurde, musste schon mit 14 bei einem Anwalt sein Brot verdienen.

Ein Theaterbesuch wurde zum Initiationserlebnis – jetzt wusste er, dass er Dramatiker werden wollte. 1823 wechselte Dumas wegen seiner schönen Handschrift als Kopist in die Dienste des Herzogs von Orléans, sechs Jahre später feierte er seinen ersten Bühnenerfolg. Aus einer seiner zahlreichen Liaisons ging sein Sohn Alexandre hervor, den er anerkannte, weitere Kinder verschiedener Mütter trugen nicht seinen Namen. 1844 gelang Dumas, der wegen seiner dunklen Hautfarbe von den besseren Pariser Kreisen oft schäbig behandelt wurde, ein enormer Coup. Gemeinsam mit dem Historiker Auguste Maquet veröffentlichte er die erste Folge des Romans "Die drei Musketiere", hier in einer Hörspielbearbeitung:

"Hallo Portas, hallo Aramis! Da seid ihr ja endlich!"
"Was heißt denn das?" "Das ist der Herr, mit dem ich mich schlage."
"Aber ich schlage mich doch auch mit ihm." "Ja, aber erst um eins. Und Ihr habt den Mantel zu Hause gelassen. Eine gute Wahl."
"Und ich schlage mich ebenfalls mit diesem Herrn!"
"Gewiss, aber erst um zwei."
"Warum schlägst du dich mit ihm, Athos?"
"Ja, so genau weiß ich das jetzt auch nicht."

Durchbruch mit "Die drei Musketiere"

Der heißblütige D’Artagnan schließt sich den königstreuen Musketieren an. Gemeinsam bewältigen sie eine Fülle haarsträubender Intrigen. 

"Wenn Ihr erlaubt, möchte ich etwas richtigstellen. Wir sind vier."
"Ihr gehört doch nicht zu uns."
"Ja, das ist richtig. Ich trage zwar nicht Euren Rock, doch mein Herz ist auf Eurer Seite. Auf der Seite der Musketiere."
"Ihr seid wirklich ein schneidiger Kerl, D’Artagnan!"
"So, D’Artagnan ist also euer Name. Also dann, Athos, Aramis und D’Artagnan, vorwärts! Einer für alle und alle für einen!"
"Genau, alle für einen!" 

Flucht vor den Gläubigern

Dumas schrieb Fortsetzungen, arbeitete den Stoff zu einem Drama um und schwelgte in seinem Ruhm. Er ließ sich ein Schloss bauen in einer Mischung aus Gotik, Renaissance und Barock, lud 600 Gäste zur Einweihung und eröffnete ein eigenes Theater. Kurze Zeit später geschah etwas, was seinen Helden häufig passierte: Er musste vor seinen Gläubigern fliehen.

1860 begeisterte sich Alexandre Dumas für Garibaldis Freiheitskampf in Italien und unterstützte ihn, zum Dank wurde er Museumsleiter in Neapel. Auch seine neapolitanischen Erfahrungen schmiedete er sofort zu Abenteuergeschichten um. Als er krank wurde, fand er im Herbst 1870 Zuflucht bei seinem Sohn Alexandre, der ihm nachgeeifert hatte und mit dem Roman Die Kameliendame berühmt geworden war. Am 5. Dezember 1870 starb Alexandre Dumas, der Ältere. Die drei Musketiere preschen bis heute durch unzählige Filme, Theaterstücke und Musicals.

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