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StartseiteKalenderblattVor 20 Jahren gewann Boris Becker erstmals Wimbledon07.07.2005

Vor 20 Jahren gewann Boris Becker erstmals Wimbledon

Für Boris Becker, der schon als Dreijähriger Tennisbälle gegen die Wand des Wohnzimmers im Elternhaus geschlagen haben soll, wurde mit dem Sieg in Wimbledon ein Traum wahr. Dieser Sieg 1985 machte den 17-jährigen "Bumm-Bumm-Boris" zu einer öffentlichen Person. Doch seine Karriere blieb nicht nur glanzvoll.

Von Thomas Jaedicke

Boris Becker bei seinem Wimbledon-Sieg 1985 (AP Archiv)
Boris Becker bei seinem Wimbledon-Sieg 1985 (AP Archiv)

"Das ist so'n Kreuz mit seinen Beratern, ne. Entgegen der allgemeinen Meinung habe ich vielleicht zu vielen Menschen vertraut oder hab zugehört und hab meinen gesunden Menschenverstand nicht häufig genug eingesetzt."

Als Boris Becker im Oktober 2002 Fernsehbeichtvater Reinhold Beckmann sein Herz ausschüttet, hat der rot-blonde, ewige Leimener eine schlimme Serie hinter sich. Die Tenniskarriere ist vorbei. Frau und Kinder sind weg – der Vater tot. Die Unterhaltsforderungen für seine Tochter, die er in der Besenkammer eines Hotels mit einer ihm nahezu unbekannten Russin zeugte, sind hoch. Wegen Steuerhinterziehung ist er knapp an einer Haftstrafe vorbeigeschrammt, muss aber Millionensummen nachzahlen.

"40:30 führt Boris Becker. Mein Gott, was das Nerven kostet. Und jetzt kommt der Aufschlag."

Weil er Geld braucht, verscherbelt der 34-Jährige das letzte bisschen Seele, was ihm das Leben als Star noch übrig ließ. In Talkshows, bei "Wetten, dass" und auf dem Boulevard der bunten Blätter rührt er für seine Autobiographie "Augenblick verweile doch" die Werbetrommel. Spätestens seit seinem ersten Wimbledon-Sieg, den er 1985 als 17-Jähriger errang, ist "Bumm-Bumm-Boris" eine öffentliche Person.

"Unerreichbar. Unerreichbar für Kevin Curren! Der Wimbledon-Gewinner 1985 heißt Boris Becker."

"Das deutsche Tennismärchen heißt Boris Becker. Und es ist wahr geworden, dieses Märchen. Das muss ja wie ein Traum sein. Wann wachst Du aus diesem Traum auf, morgen oder erst in ein paar Wochen oder vielleicht nie?"

"Äh, ich hoffe nie. Aber ich glaube, dass ich in ein paar Tagen…äh, dass ich morgens aufwache und sage: Was hab ich plötzlich jetzt gemacht? Ich hab Wimbledon gewonnen….aber….es ist unglaublich."

Für Boris Becker, der schon als Dreijähriger Tennisbälle gegen die Wand des Wohnzimmers im Elternhaus geschlagen haben soll, hatte tatsächlich eine unglaubliche Sportkarriere begonnen. Auf der Anlage in Wimbledon, von der er immer als sein Wohnzimmer sprach, gelangen ihm 1986 und 1989 noch zwei weitere Siege. Spätestens im Januar 1991, als Becker Ivan Lendl im Finale der Australian Open schlug und zum ersten Mal auf Platz eins der Weltrangliste stand, war das "Bobbele" via Fernsehapparat wahrscheinlich in allen deutschen Wohnzimmern ein gern gesehener Gast.

"Mein Job hört aber nicht auf, wenn ich den Tennisplatz verlasse, verfolgen mich genauso viele Augen. Da ist das Problem, dass ich irgendwo einen 24-Stunden-Job habe. Sobald ich aus der Tür gehe, merke ich die Augen, merke ich, dass sich die Köpfe drehen, wenn ich komme und das ist irgendwo der Teil, der mich am meisten stört."

Ende der 80er Jahre verdient Boris Becker mit dem Tennis sehr viel Geld. 1993 trennt er sich von seinem Manager Ion Tiriac, weil der Rumäne mit dem mächtigen Schnauzbart seiner Ansicht nach zu sehr auf seine Kosten lebt. Zwei Monate nach der Heirat mit der dunkelhäutigen Schauspielerin Barbara Feltus verursacht die Geburt ihres ersten Sohnes Noah Gabriel einen Medientumult.

"Ist ja alles nicht seine Schuld, dass er mein Sohn ist, ne. Und dass er ohne irgendwas einfach sehr berühmt ist und viele Leute ihn einfach photographieren wollen, ihn berühren wollen teilweise auch schon, das ist alles…das ist alles sehr unangenehm für mich und meine Frau. Und da ham wir also die Riesenverantwortung, dass es irgendwann eben ganz anders ist für ihn, und dass er, so frei es irgendwie geht, aufwachsen kann."

Boris Beckers zweiter Titel bei den Australian Open, 1996, ist einer seiner letzten großen sportlichen Erfolge. Nahezu zeitgleich geht der von ihm ausgelöste Tennisboom in Deutschland, für den natürlich auch Namen wie Steffi Graf und Michael Stich stehen, zu Ende. Boris Becker führt trotzdem weiterhin das Leben eines Popstars: Immer noch ist er auf der ATP-Tour unterwegs – und ein Termin jagt den nächsten. Etwas mehr als ein Jahr nach der Geburt des zweiten Sohnes Elias Balthasar gibt das "Traumpaar" in einer dürren Pressemeldung seine Trennung bekannt. Die Nation ist geschockt. Barbara Becker zieht sich mit den Söhnen nach Florida zurück, beantragt das alleinige Sorgerecht und will eine großzügige Abfindung.

"Mir hat's die Schuhe ausgezogen. Ich dachte, mein Leben hört auf. Ich dachte, jetzt ist es vorbei."

Boris Becker droht abzustürzen. Das Leben des öffentlichen Boris, der von Bild bis Bunte beinahe zu Tode gehetzt wird, scheint nur noch aus Alkohol, Disco P1, der Setlur und Schlaftabletten zu bestehen. Die Geister, die er durch seine Erfolge rief, wird er jetzt nicht mehr los.

"Ich war damals vielleicht noch nicht reif genug, plötzlich so im Rampenlicht zu stehen. Ich hatte ja eigentlich keine Jugend. Ich war ja schon sehr früh mit Erwachsenen zusammen und konnte nicht normal aufwachsen, wie das halt 17-, 18-Jährige tun."

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