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StartseiteKalenderblattKönigin Victoria: Ikone einer Epoche24.05.2019

Vor 200 Jahren geborenKönigin Victoria: Ikone einer Epoche

63 Jahre lang saß Victoria auf dem Thron des Vereinigten Königreichs und prägte eine Ära. Mit 18 Jahren erbte sie die Krone, heiratete drei Jahre später und gebar neun Kinder. Doch ihr Versuch, ihre Rollen als Königin und Ehefrau zu vereinen, scheiterte dramatisch.

Von Ulrike Rückert

Die britische Königin Victoria (1819 - 1901) auf einer undatierten Schwarz-Weiß-Aufnahme (picture-alliance / dpa)
Königin Victoria drückte einer ganzen Epoche ihren Stempel auf - und trug nach dem Tod ihres Mannes Albert nur noch schwarze Kleider, was ihr den Namen "Witwe von Windsor" einbrachte (picture-alliance / dpa)
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"Die große Mehrheit ihrer Untertanen hatte nie eine Zeit gekannt, in der Königin Victoria nicht über sie regiert hatte. Sie war ein unwandelbarer Teil ihrer Welt geworden", schrieb der Schriftsteller Lytton Strachey über die alte Queen. 63 Jahre lang saß Victoria auf dem Thron des Vereinigten Königreichs, die Ikone einer Epoche. Geboren am 24. Mai 1819, war sie gerade 18, als sie 1837 die Krone von ihrem Onkel William IV. erbte. Ihr Charme entzückte die Briten, die sich allerdings schwertaten, eine junge Frau ganz ernst zu nehmen: 

"Ich kann nicht umhin, Ihnen zu sagen, dass unsere liebe kleine Königin in jeder Hinsicht perfekt ist", schrieb ein Politiker.

Kapitulation vor dem Ehemann

Victoria ihrerseits stürzte sich in ihre Aufgaben, mit großem Lerneifer, aber nicht bereit, von ihrer königlichen Autorität auch nur einen Fingerbreit preiszugeben. Als sie 1840 ihren deutschen Cousin Albert von Sachsen-Coburg und Gotha heiratete, schwebte sie verliebt auf rosenroten Wolken, aber vom Regierungsgeschäft blieb der Prinz völlig ausgeschlossen. 

"Die Schwierigkeit liegt darin, daß ich nur der Mann, aber nicht der Herr im Hause bin", beklagte sich Albert und machte sich daran, die rechte Ordnung herzustellen.

Gefangen in der Kluft zwischen ihrer Position und der Vorstellung ihrer Zeit von der weiblichen Natur, hielt Victoria seinen Vorwürfen und emotionalen Erpressungen nicht lange stand.

"Ich bin jeden Tag mehr davon überzeugt, dass wir Frauen, wenn wir gute Frauen sein sollen, feminin und liebenswert und häuslich, zum Regieren nicht geeignet sind."

Kaum zwei Jahre nach ihrer Hochzeit war Victoria nur noch eine Marionette, die von Albert entworfene Briefe abschrieb und in Ministersitzungen sagte, was er ihr souffliert hatte. Der Sekretär des Kronrats notierte in seinem Tagebuch:

"Es ist offenkundig, dass, während sie den Titel trägt, tatsächlich er die Funktionen des Souveräns ausübt. Er ist der König in jeder Hinsicht."

Nach außen präsentierte sich das royale Paar mit seinen neun Kindern als Exempel häuslichen Glücks, ganz nach dem Geschmack des aufstrebenden Bürgertums. Dabei hasste Victoria Schwangerschaften und fand Kinder langweilig. Doch ihren Albert vergötterte sie über alle Maßen, vielleicht um ihre Kapitulation zu rechtfertigen. 

Als er 1861 unerwartet starb, brach Victoria zusammen. Erst 42 Jahre alt, zog sie sich völlig von der Welt zurück. 

"Ich stützte mich in allen Dingen auf ihn – ihn, ohne den ich nichts tat, keinen Finger rührte, kein Kleid und keine Haube anlegte, die er nicht gebilligt hatte." 

Als die Trauerzeit kein Ende nahm, begannen die Briten zu murren. Doch Forderungen, zugunsten des Kronprinzen abzudanken, widerstand Victoria.

Kein Verständnis für soziale Probleme und Demokratisierung 

Versteckt hinter den Mauern des Schlosses von Windsor, gewann sie ihren eisernen Willen zurück - oft zum Leidwesen ihrer Minister. Victoria unterstützte ihre Politik, wenn sie fand, sie diene dem Prestige und der Machtposition Großbritanniens, doch der fortschreitenden Demokratisierung stand sie feindselig gegenüber und weigerte sich, die Demontage ihrer politischen Macht zu akzeptieren. 

"Es ist ein elendes Ding, eine konstitutionelle Königin zu sein und nicht tun zu können, was richtig ist." 

Premierminister Disraeli erklärte ihr unverblümt: "Wäre er Eurer Majestät Großwesir anstelle Eurer Majestät Premierminister, er wäre zufrieden damit, alles zu tun, was Eure Majestät wünschen; doch ach! so ist es nicht."

Für soziale Probleme wie Massenarmut und die Arbeitsbedingungen in der Industrie hatte sie kein Verständnis, und die Frauenbewegung hielt die mächtigste Frau ihrer Zeit für eine "schlimme Narretei".

"Es ist ein Thema, das die Königin so zornig macht, dass sie sich nicht beherrschen kann. Gott schuf Männer und Frauen verschieden – also belasst jedes in seiner eigenen Stellung."
 
Dennoch war Victoria in ihren letzten Lebensjahren wieder immens populär. Ihre goldenen und diamantenen Thronjubiläen waren Feiern nationaler Größe und des britischen Imperiums. Die Matrone im schwarzen Witwenkleid war zum Symbol dafür geworden, eine Matriarchin auf dem Thron eines Weltreichs. Als sie 1901 starb, schrieb der Schriftsteller Henry James:

"Wir alle fühlen uns heute ein bisschen mutterlos."

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