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StartseiteKalenderblattDie Baumwoll-Entkörnungsmaschine "Cotton Gin" wird patentiert14.03.2019

Vor 225 JahrenDie Baumwoll-Entkörnungsmaschine "Cotton Gin" wird patentiert

Die Baumwoll-Entkörnungsmaschine "Cotton Gin" war ein kleines Gerät, dessen Erfindung aber große Auswirkungen hatte. Der Baumwollabsatz in den USA stieg rasant, immer mehr Sklaven wurden als billige Arbeitskräfte auf den Feldern ausgebeutet - eine der Ursachen für den Amerikanischen Bürgerkrieg.

Von Mathias Schulenburg

Die Gravur von 1793 zeigt Sklaven, die an der Baumwoll-Entkörnungsmaschine arbeiten. Zwei Männer mit Zylinder prüfen die Baumwolle. (picture-alliance / dpa / Mary Evans Picture Library)
Durch die Erfindung der "Cotton Gin" wurden deutlich mehr Sklaven ins Land geholt (picture-alliance / dpa / Mary Evans Picture Library)
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Die Erfindung Eli Whitneys, der 1765 in Massachussetts, USA, als Sohn eines angesehenen Farmers und Friedensrichters geboren wurde, sah als Prototyp unscheinbar aus: Ein Kasten mit einer Kurbel, in den Rohbaumwolle geworfen wurde, Baumwollbüschel, die im Inneren noch fest haftende Samenkerne enthielten. Die mussten entfernt werden, bevor tauglicher Baumwollstoff entstehen konnte, und das war mühsam. Die Cotton Engine, Baumwollmaschine, kurz "Cotton Gin", konnte das spielend.

Bei aller Schlichtheit: Whitneys Maschine sollte die Wirtschaft des amerikanischen Südens umkrempeln, die Sklaverei verfestigen und zum Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges beitragen – die letzten Folgen ohne Wollen und Wissen des Erfinders.

Großes Interesse an der "Cotton Gin"

Whitney hatte die Cotton Gin auf Anregung und mit Hilfe der wohlhabenden Witwe Catherine Greene in Chatham County, Georgia, innerhalb eines Jahres realisiert. Die Maschine machte die im Süden der USA von Natur aus dominierende Baumwollsorte erst verwertbar. Die herbeigerufenen Hausfreunde staunten nicht schlecht. Whitney in seinen Memoiren:

"Sie sahen mit freudigem Erstaunen, dass an einem Tag von einer Person mehr Baumwolle von den Samenkernen getrennt werden konnte als sonst in vielen Monaten."

Am 14. März 1794 erhielt Whitney endlich sein Patent, das von Präsident George Washington, einem Freund der Familie Greene, eigenhändig unterschrieben wurde. Aber das Patent war für Eli Whitney zunächst kaum von Nutzen, denn:

"Einige Leute waren so wild auf die Maschine, dass die Justiz sie nicht zurückhalten konnte – sie brachen nachts in das Gebäude ein und schafften die ‚Cotton Gin‘ fort. Dadurch wurde deren Funktionsweise öffentlich und bevor noch Mr. Whitney sein Modell vollenden und sein Patent sichern konnte, waren ein paar Maschinen in Betrieb, ein bisschen abgeändert, des Patentrechts wegen."

Die "Cotton Gin" breitete sich mit rasantem Tempo aus. Die Maschine war so begehrt, dass eine Zeit lang nur wenige Menschen wagten, sich auch nur als Zeugen für Whitneys Patentansprüche zur Verfügung zu stellen:

"Ich hatte einmal Schwierigkeiten, zu beweisen, dass die Maschine in Georgia in Betrieb war, obwohl man im gleichen Moment von den Stufen des Gerichtsgebäudes aus drei verschiedene Geräte keine 50 Meter entfernt rattern hören konnte."

Bedarf an Sklaven wuchs

Ein Vierteljahrhundert zuvor war in England die "Spinning Jenny" erfunden worden, die die Geschwindigkeit, mit der aus Baumwolle Fäden gesponnen werden konnten, vervielfachte. Dampfmaschinen verteilten die Güter mit Eisenbahnen und Schiffen schnell und weit, die Nachfrage nach Baumwolle schoss in die Höhe und der Bedarf an Arbeitskräften, die die Pflanzen setzen und ernten konnten – den Usancen des amerikanischen Südens folgend waren das Sklaven – explodierte.

1790 gab es sechs Sklavenstaaten, 1860 waren es fünfzehn. Bis der Kongress 1808 den "Import" afrikanischer Sklaven – nicht die Sklaverei – verbot, führte der Süden 80.000 Afrikaner ein. Um 1860 war jeder dritte Einwohner ein Sklave.

An der "Cotton Gin" wäre Eli Whitney wirtschaftlich fast zugrunde gegangen, aber er konnte sich fangen. Einen Regierungsauftrag über die Lieferung tausender Musketen nutzte er für die Entwicklung von Techniken, diese aus identischen Teilen herstellen zu können. Bis dahin war jede Waffe ein Einzelstück gewesen. Nun konnten identische Teile ausgetauscht werden – der Beginn der industriellen Massenproduktion.

Aus der kistengroßen Maschine von Eli Whitney ist heute ein Komplex geworden, für den man eine eigene Halle braucht. Whitney war an der Weiterentwicklung der Cotton Gin nicht mehr beteiligt, die Gerichtsstreitereien hatten ihm die Lust genommen. Mit der Waffenproduktion aber wurde er reich.

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