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StartseiteKalenderblattAlessandro Volta: Der Erfinder der Batterie 18.02.2020

Vor 275 Jahren geborenAlessandro Volta: Der Erfinder der Batterie

Smartphones, Notebooks, Elektroautos: all das kann nur funktionieren, weil es Batterien gibt. Der Urtyp wurde in Italien erfunden – mithilfe von Froschschenkeln. Heute vor 275 Jahren wurde der Erfinder, der Physiker Alessandro Volta, geboren.

Von Frank Grotelüschen

Die zeitgenössische Darstellung zeigt den italienischen Physiker Alessandro Graf Volta. (picture-alliance / dpa)
Die zeitgenössische Darstellung zeigt den italienischen Physiker Alessandro Graf Volta (picture-alliance / dpa)
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Batterien werden immer wichtiger in unserem Alltag. Ihre Erfindung geht auf einen italienischen Physiker zurück, der am 18. Februar 1745 geboren wurde: Alessandro Volta entwickelte die erste Apparatur, die elektrische Energie chemisch erzeugen und abgeben konnte.

Schon in jungen Jahren ließ sich Volta von einem Modethema des 18. Jahrhunderts faszinieren – der Elektrizität. Er erfand Apparaturen, mit denen sich hohe elektrische Spannungen erzeugen und winzigste Elektrizitätsmengen messen ließen – und entdeckte nebenbei das Sumpfgas, heute als Methan bekannt.

Dadurch machte sich Volta einen Namen und wurde 1778 als Professor an die Universität Pavia berufen. Den Anstoß für seine wichtigste Entdeckung aber lieferte sein Physikerkollege Luigi Galvani aus Bologna. Dem war 1789 etwas Verblüffendes aufgefallen: Bringt man Froschbeine mit Eisen und Kupfer in Berührung, beginnen sie zu zucken.

"Volta hat die Entdeckung von Galvani aufgegriffen", sagt Manfred Matschke vom Electrum, dem Museum der Elektrizität in Hamburg.

Vom Froschschenkel zur Batterie

"Galvani hat ja mit Froschschenkeln experimentiert und diese Froschschenkel an einen Metallbalken befestigt und sich gewundert, dass diese Froschschenkel sich bewegten. Er glaubte, er hätte die tierische Elektrizität entdeckt. Das war aber ein Irrtum, und dieses hat Volta nachgewiesen."

Bald erkannte Volta die eigentliche Ursache des Phänomens: Nicht eine ominöse tierische Elektrizität, sondern das Zusammenwirken von Eisen, Kupfer und der salzhaltigen Feuchtigkeit im Froschschenkel war es, das den Strom zum Fließen brachte. Voltas Methoden waren dabei von durchaus sinnlicher Natur, wie Matschke ausführt:

"Er hat unter anderem bei seinen Versuchen sich zwei verschiedene Metallplättchen auf die Zunge gelegt und hat etwas geschmeckt, etwas Säuerliches. Es kam zu einer chemischen Reaktion. Und er hat festgestellt, dass diese verschiedenen Metalle unterschiedlich säuerlich schmecken."

Im Jahr 1800 mündeten die Erkenntnisse in die Erfindung der ersten Batterie, Voltasche Säule genannt: Der Physiker hatte Kupfer- und Zinkscheiben übereinandergeschichtet und dazwischen in Salzlösung getränkte Filzstückchen platziert. Dadurch entfaltete sich zwischen den Metallplättchen eine chemische Wirkung, sie beförderte elektrische Ladung von der einen zur anderen Metallsorte. Als Volta die Scheiben mit einem Draht verband, floss ein Strom. Die Fachwelt zeigte sich beeindruckt, und 1801 durfte Volta seine Erfindung vor höchster Prominenz demonstrieren.

"Er ist mit dieser Säule nach Paris eingeladen worden und hat dort seine Säule Napoleon vorgeführt, hat dafür eine Goldmedaille gekriegt und ist mit Ehren überhäuft worden. Es hat wirklich in Europa Furore gemacht. Alle Wissenschaftler haben sich diese Säule schnellstmöglich entweder nachgebaut oder beschafft", sagt Matschke.

Es war die erste Apparatur, die kontinuierlich Strom liefern konnte, sie trieb die Erforschung der Elektrizität deutlich voran. Manche Zeitgenossen Voltas aber ließen sich nicht so sehr von der wissenschaftlichen Bedeutung der Erfindung faszinieren, sondern von ihrem Unterhaltungswert.

Sehr begrenzte Kapazität

"Man konnte ganz wunderbare Versuche damit machen. Man hat diese Voltasche Säule an ein Wasserglas angeschlossen. Dadurch entsteht eine Wasserzersetzung, und es entsteht Wasserstoff. Das war ein wunderbares Knallgas, und da waren die Menschen ganz begeistert von, sich diese kleinen Explosionen anzusehen", sagt Matschke.

Ein Manko allerdings besaß Voltas Ur-Batterie: Sie hatte eine äußerst begrenzte Kapazität.

"Am Anfang ist er davon ausgegangen, er hat einen Elektromotor entdeckt, also eine unendliche Elektrizität. Aber es hat sich sehr schnell herausgestellt, dass die Leistung dieser Voltaschen Säule sehr gering war und sie sich sehr schnell aufbrauchte", sagt Matschke.

Technische Anwendungen blieben deshalb zunächst aus, dafür lieferte die Voltasäule schlicht zu wenig Strom:

"Das hat sehr lange gedauert, bis die Batterie zu Einsätzen kam. Anfänglich für die Telegrafen, aber in einer verbesserten Form, und nicht mehr in der Form, in der Volta sie gebaut hat", sagt Matschke.

Erst ab circa 1830 nutzte man die Batterie in der Technik, zum Beispiel für die Stromversorgung von Telegrafen. Das aber hat Alessandro Volta nicht mehr erlebt. Im März 1827 starb er in seiner Heimatstadt Como. Sein Name allerdings ist bis heute in aller Munde: Seit 1897 ist die Maßeinheit für die elektrische Spannung nach ihm benannt – das Volt.

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