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StartseiteKalenderblattLeopold Mozart, ein Komponist im Schatten seines Sohnes14.11.2019

Vor 300 Jahren geborenLeopold Mozart, ein Komponist im Schatten seines Sohnes

Leopold Mozart war mehr als nur der Vater seines Sohnes Wolfgang Amadeus: Sein Œeuvre als Komponist umfasst rund 250 Werke in allen möglichen Gattungen. Auch wenn Leopold Mozarts Musik von der Genialität seines Sohnes weit entfernt war, gilt er als exzellenter Handwerker und Pädagoge.

Von Michael Stegemann

Ein schwarzweiß Porträt zeigt den Komponisten Johann Georg Leopold Mozart. (picture alliance / dpa / Design Pics / Ken Welsh)
Johann Georg Leopold Mozart wurde vor 300 Jahren geboren (picture alliance / dpa / Design Pics / Ken Welsh)
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Es gibt in der Musikgeschichte wohl nur wenige Väter, die so sehr im Schatten ihres Sohnes stehen wie er: Johann Georg Leopold Mozart, geboren am 14. November 1719 in Augsburg als ältestes von neun Kindern eines Buchdruckers – der Vater von Wolfgang Amadeus Mozart, an dem viele von dessen Biografen kaum ein gutes Haar gelassen haben. Würde man heute noch von ihm reden, wenn er nicht dieser Vater gewesen wäre?

Leopold Mozart war tatsächlich mehr als nur der Vater seines Sohnes. Nicht nur eine große Missa solemnis in C weist ihn als ernsthaften Komponisten aus. Sein Œeuvre umfasst rund 250 Werke in allen möglichen Gattungen, von denen einige sogar lange als Arbeiten seines Sohnes galten. Besonders Leopolds etwa 70 Sinfonien sind perfekte Beispiele des "galanten Stils" seiner Zeit.

Mit 18 Jahren war Leopold Mozart nach Salzburg gegangen und als Geiger in die dortige Hofkapelle eingetreten, wo er es bis zum Vizekapellmeister brachte. 1747 heiratete er die ein Jahr jüngere Anna Maria Walburga Pertl; von ihren sieben Kindern sollten nur zwei überleben, "Nannerl" und "Wolferl": die 1751 geborene Maria Anna und der fünf Jahre jüngere Wolfgang Amadeus. Fortan widmete Leopold sein Leben ganz der Förderung und "Verkündigung", wie er es in einem Brief an seinen Dienstherrn nannte, dieses "Wunders", wie er selbst schrieb: "Ein Wunder […], welches Gott in Salzburg hat lassen gebohren werden. Ich bin diese Handlung dem allmächtigen Gott schuldig; sonst wäre ich die undankbarste Creatur."

Ein exzellenter Handwerker und Pädagoge

Er war "Wolferls" erster Lehrer und notierte (oder kopierte) seine ersten Kompositionen, über deren frühe Meisterschaft er oft genug nur staunen konnte – wie über das "ganz sonderbare" Adagio aus der Sonate D-Dur für Violine und Klavier des Siebenjährigen.

Auch wenn die langen und weiten Reisen, die Leopold mit seinen beiden "Wunder"-Kindern kreuz und quer durch Europa unternahm, unsägliche Strapazen bedeuteten und ihm später als rücksichtslose Ausbeutung angekreidet wurden, hat er sie doch wohl im besten Wollen unternommen. Dass er daneben immer noch Zeit für eigene Werke fand, ist erstaunlich.

Leopold Mozarts Musik war von der Genialität seines Sohnes weit entfernt, aber er war doch ein exzellenter Handwerker und Pädagoge. Sein "Versuch einer gründlichen Violinschule" fand europaweit Beachtung, seine Stellung in der Salzburger Hofkapelle war hoch angesehen. Gerade da aber kam es früh zu Konflikten mit dem Sohn, noch bevor dessen Weggang nach Wien und Heirat mit Constanze Weber das Verhältnis endgültig zerrüttete.

In Wolfgangs Augen war Leopold ein "Höfling", der allzu fromm und gehorsam seinen Dienst versah und auf sein kleines, aber sicheres Auskommen achtete, während der Vater seinem Sohn immer wieder in seinen Briefen einen seiner Meinung nach allzu leichtsinnigen Lebenswandel vorhielt: "Mein Sohn! Als Kind und Knab warst du mehr ernsthaft als kindisch, […] Jetzt aber bist du, wie mir scheint, zu voreilig jedem in spaßhaften Ton auf die erste Herausforderung zu antworten."

Nach Wolfgangs Umzug nach Wien kümmerte sich seine Schwester "Nannerl" um den Vater, der bis zu seinem Tod Vizekapellmeister der Salzburger Hofkapelle blieb. Am 28. Mai 1787 starb Leopold Mozart – 67 Jahre alt – an Magenkrebs. Wolfgangs Reaktion in einem Brief an die Schwester war denkbar kühl: "Du kannst dir leicht vorstellen wie schmerzhaft mir die traurige Nachricht war."

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