Sonntag, 17.02.2019
 
Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteUmwelt und VerbraucherDer blaue Himmel kam zurück, der Feinstaub dazu17.01.2019

Vor 40 Jahren erster Smogalarm im RuhrgebietDer blaue Himmel kam zurück, der Feinstaub dazu

Vor 40 Jahren sollten Menschen im Ruhrgebiet ihre Autos stehen lassen, wer unter Herz- oder Atemwegsproblemen litt, sollte zuhause bleiben: Smogalarm. Heute seien Grobstäube kein Problem mehr, dafür aber Feinstaub - und der sei letztlich schädlicher, sagte Klaus Vogt vom Verbraucherschutzamt in NRW im Dlf.

Susanne Kuhlmann im Gespräch mit Klaus Vogt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Malakoff-Fördertumr der Zeche Prosper II in Bottrop vor blauem Himmel (picture alliance / Horst Ossinger)
Blauer Himmel und reine Luft - da, wo einst Steinkohle für Smog sorgte (picture alliance / Horst Ossinger)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Pocket
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Stuttgart Feinstaub macht sich breit im Kessel

Luftverschmutzung Feinstaub, NOX, CO2 - was ist eigentlich was?

Weltweit erster Versuch in Stuttgart Mit einer Mooswand gegen den Feinstaub

Erster Smog-Alarm vor 40 Jahren Weniger Gestank, gleiche Gefahr

Susanne Kuhlmann: Teile des Kreises Wesel, Krefeld und das westliche Ruhrgebiet waren betroffen, als heute vor 40 Jahren der deutschlandweit erste Smogalarm aufgerufen wurde. Die Menschen sollten ihre Autos stehen lassen und wer unter Herz- oder Atemwegsproblemen litt, sollte am besten ganz zuhause bleiben. Schon im Bundestagswahlkampf 1961 hatte Willy Brandt gefordert: "Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden."

Beim nordrhein-westfälischen Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Recklinghausen leitet Dr. Klaus Vogt das Luftmessnetz. Wie sah denn die Luft über den betroffenen Regionen heute vor 40 Jahren aus? Keine Spur von blau?

Klaus Vogt: Ich glaube, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, beziehungsweise nur dann vorstellen, wenn man internationale Presseberichte liest und sich die Luftqualität in aufsteigenden Staaten in Asien ansieht. Das war wirklich grau und trübe. Wir hatten Jahresmittelwerte von Schwefeldioxid im Bereich von 150 Mikrogramm pro Kubikmeter, verbunden mit den Fein- und Grobstaubpartikeln aus Industrie, aus Heizungen, aus Verkehr, schon damals aufkommend, aber noch nicht in der Bedeutung wie heute, und natürlich in einem Land von Kohle und Stahl gab es hier eine Menge industrieller Quellen, die das bewirkt haben.

Luftqualität wie in aufsteigenden Regionen in Asien

Susanne Kuhlmann: Filter gab es damals noch nicht?

Klaus Vogt: Nein, das wurde eingebaut. Ich meine, wir haben jetzt, wenn wir retrospektiv gucken, in den 50 Jahren es geschafft, die Luft über dem Ruhrgebiet wirklich blau zu bekommen, und das war so ein Bündel von gesetzlichen Maßnahmen, von organisatorischen Maßnahmen und Grenzwerten und verschiedenen Industrie- und anderen Programmen, um das zu erreichen, und das in einem harmonischen Bündel. Das hat seine Wirkung gezeigt. Um vielleicht noch mal auf den Jahresmittelwert bei Schwefeldioxid zu kommen: Wir liegen jetzt im Bereich von zehn. Ich sprach gerade davon, in den 70er-Jahren waren es 200; jetzt ist es zehn. Ich glaube, daran kann man schon einen deutlichen Erfolg all dieser Maßnahmen und Maßnahmenbündel ablesen.

Susanne Kuhlmann: Seit wann lagen die Pläne für das Mittel Smogalarm denn in der Schublade?

Klaus Vogt: Das wurde aufgrund der Besorgnis der Menschen im Ruhrgebiet 1974 aufgelegt. Der Weg war damals: Die Landesanstalt für Emissionsschutz, eine Vorläuferstufe des heutigen Landesumweltamtes, hat die entsprechenden Auslösewerte gemessen, hat sie dem damaligen Umweltminister gemeldet, und der ist zum Gesundheitsminister gegangen und hat gesagt: Es ist soweit, Du musst Smogalarm gemäß unserer Verordnung von 1974 auslösen.

Glocke über den Ruhrgebiet

Susanne Kuhlmann: Wurde der Smogalarm dann später noch häufiger gebraucht?

Klaus Vogt: Es gab noch einzelne Fälle. Es gab auch mal 1985 wirklich Smogalarm Stufe III. Vor 40 Jahren, das hatte einen Empfehlungscharakter: Leute, lasst die Autos stehen, Fabriken, bitte produziert, wenn das Wetter wieder anders ist, wenn das Wetter nicht mehr so drückend ist. Das Wetter war ja auch entscheidend für diese spezielle Situation, weil das wie eine Glocke über dem Ruhrgebiet lag. Das wurde dann im Januar 1985 ernst und da gab es wirklich Fahrverbote. Da gab es Einschränkungen für die Industrie, für Hausbrand und Ähnliches. Da war noch mal die letzte Stufe.

Susanne Kuhlmann: Wenn der Himmel heute blau ist, dann ist er das auch über dem Ruhrgebiet. Wann wurde die Smogverordnung überflüssig?

Klaus Vogt: Im Jahr 2000 hat man formal die Smogverordnung außer Kraft gesetzt, weil man wirklich weit unterhalb der Grenzwerte war. Ich gucke gerade hier in meine Jahrestabellen. Da waren wir im Jahresmittel bei 20 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter, also ein Zehntel dessen, als die Verordnungen aufgestellt worden sind.

Heute Feinstaub statt Grobstaub in der Luft

Susanne Kuhlmann: Verglichen mit vor 40 Jahren ist die Luftqualität in Deutschland ganz erheblich besser geworden. Wo sehen Sie heute die Hauptprobleme? Oder besser: Was messen Sie? Zu sehen ist ja eigentlich nicht mehr viel.

Klaus Vogt: Nein. Die Stäube sind weiter in der Luft, aber der Grobstaub der früheren Stahlwerke hat sich zum Feinstaub gewandelt, der natürlich auch als lungengängiger Feinstaub letztlich schädlicher ist als der etwas lästige Grobstaub. Die heutigen Luftqualitätsprobleme sind eindeutig Feinstaub, Stickstoffdioxid durch die Autodebatte, und Ozon. Ozon ist ein Faktor, der gerne weltweit beguckt wird und der dann in der Landesdiskussion etwas kleiner ausfällt, aber weltweit und europaweit gesehen gehört Ozon mit zu diesen drei Schadstoffen, die ich als am wichtigsten beurteile.

Susanne Kuhlmann: Heute vor 40 Jahren wurde in Deutschland zum ersten Mal Smogalarm ausgerufen. Darüber sprach ich mit Klaus Vogt vom nordrhein-westfälischen Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Vielen Dank Ihnen!

Klaus Vogt: Gerne.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk