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StartseiteKalenderblattDas "New Kreüterbuch" des Botanikers Leonhart Fuchs26.12.2018

Vor 475 Jahren erschienen Das "New Kreüterbuch" des Botanikers Leonhart Fuchs

Noch heute begeistert das „New Kreüterbuch“ des Tübinger Mediziners Leonhart Fuchs durch seine prächtigen Illustrationen. Viele Pflanzen wurden darin zum ersten Mal bildlich dargestellt, etwa Maispflanze, Gartenkürbis und Studentenblume. Fuchs verdankt diesem Werk seinen Ruf als einem der „Väter der Botanik“.

Von Irene Meichsner

Albertus Meyer und Heinrich Füllmaurer bei der Arbeit zu eine "Geschichte der Pflanzen" in lateinischer Sprache (picture-alliance / Leemage)
Die Illustratoren Heinrich Füllmaurer und Albert Meyer bei der Arbeit zu Leonhart Fuchs' „Geschichte der Pflanzen“, dem Vorläufer des „New Kreüterbuch“ (picture-alliance / Leemage)
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"Das hab ich fürnemlich hie ... wöllen anzeygen ... das die kreüter nit allein von den ärtzten / sonder auch von den Leyen und dem gemeinen mann in gärten hin und wider vleissig gepflantzt unn aufferzogen werden."

Mehr als 500 verschiedene Pflanzen hat Leonhart Fuchs in sein "New Kreüterbuch" aufgenommen, das er 1543 veröffentlichte. Noch heute begeistert dieses Werk, das auch als Faksimile erhältlich ist, durch seine prächtigen Illustrationen. Die meisten der abgebildeten Arten stammten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Aber es waren auch echte "Exoten"’ darunter.

"Ich möchte in dem Zusammenhang eben nur mal erwähnen, dass er rund 50 Jahre nach der Entdeckung Amerikas als erster Europäer die Maispflanze abbildet, den Paprika, den Gartenkürbis, die Studentenblume oder die Gartenbohne; viele andere auch, die aus Afrika und aus Asien stammen, wie seine Balsam-Gewächse", sagt Klaus Dobat, der ehemalige wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens in Tübingen, wo auch Fuchs einst seinen Garten anlegte - einen der ältesten botanischen Gärten der Welt.

Modernisierer des Medizinstudiums

Fuchs, 1501 im bayerischen Wemding geboren, war seit 1535 Medizinprofessor in Tübingen. Als überzeugter Lutheraner legte er großen Reformeifer an den Tag.

"Er hat das Medizinstudium modernisiert, unter anderem durch die Einführung des ersten Anatomie-Lehrbuches überhaupt, von Andreas Vesal. Er hat zum Beispiel dafür gesorgt, dass in Tübingen das erste Skelett angeschafft wurde. Er hat darauf geachtet, dass mehr Sektionen durchgeführt wurden und vieles andere. Aber er hat eben vor allen Dingen auch besonderen Wert darauf gelegt, die botanische Ausbildung der Medizinstudenten zu verbessern."

1542 veröffentlichte Fuchs eine "Geschichte der Pflanzen" in lateinischer Sprache. Mit seinem "New Kreüterbuch", einer gründlich überarbeiteten und ins Deutsche übersetzten Fassung, wandte er sich dann an ein breiteres Publikum. Bei vielen Arten wies Fuchs auf den besten Sammelzeitpunkt, auf Frostempfindlichkeit, Sonnen- oder Schattenverträglichkeit hin.

Heilwirkung von Pflanzen

Hinsichtlich der Heilwirkung berief er sich häufig auf antike Quellen, vor allem auf den griechischen Arzt Dioskurides, den wohl berühmtesten Pharmakologen des Altertums.

"Augen die trieffen", "Bauchwee", "Hüneraugen", "Nerven die zerknütscht seind", "Ohren sausen", "Runtzel im angesicht", "Schnupffen", "Schwermütigkeyt", "Wassersucht" , "Zanfleysch geschwulst"  

Ein alphabetisches Krankheitsregister erleichterte die Orientierung. Trotzdem wollte Fuchs sein "Kreüterbuch" nicht als Anleitung zur Selbstmedikation verstanden wissen, wie er im Vorwort betonte.

"Dann mir wol bewüßt / das vil mehr zu einem rechtgeschaffnen artzt gehört / dann allein kreüter und derselbigen würckung erkennen und wissen. Darumb ob schon einer vil kreüter kent / so würdt er dannest noch lang kein artzt sein."

Aufwendige Illustrationen

Für die Illustrationen hatte Fuchs auf eigene Kosten drei begnadete Künstler engagiert: die beiden Zeichner Albrecht Meyer und Heinrich Füllmaurer - und Veyt Rudolff Speckle, einen der bedeutendsten Formschneider seiner Zeit. Speckle fertigte die Holzschnitte an, die als Druckvorlagen dienten. Gerd Brinkhus, ehemaliger Leiter der Abteilung für Handschriften und alte Bücher an der Tübinger Universitätsbibliothek:

"Die Farben sind unter der Aufsicht von Fuchs aufgebracht worden. Und so ist dieses Buch eigentlich intendiert gewesen: Es sollte aus sich selbst heraus, aus den Farben so genau, so naturalistisch sein, dass man die Pflanzen danach erkennen konnte."

Einer der Väter der Botanik

1544 erhielt Fuchs den verlockenden Ruf als Direktor des neu gegründeten Botanischen Gartens in Pisa. Er entschied sich letztlich aber doch, in Tübingen zu bleiben, wo er an einer Fortsetzung und Erweiterung seiner Pflanzengeschichte arbeitete, die am Ende fast viereinhalbtausend Seiten umfasste. Bis zu seinem Tod 1566 hat sich Fuchs bemüht, Geldgeber für den Druck dieses Mammutwerks zu finden, in dem mehr als 1.500 verschiedene Pflanzen abgebildet werden sollten – doch leider ohne Erfolg.

Leonhart Fuchs blieb als einer der "Väter der Botanik" in Erinnerung. Und als Namenspatron für die Fuchsie, eine aus Südamerika stammende Pflanzengattung, die der französische Botaniker und Forschungsreisende Charles Plumier Ende des 17. Jahrhunderts entdeckte - und Leonhart Fuchs zu Ehren "Fuchsia" nannte.

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