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StartseiteKalenderblattTod des Jazzsaxofonisten Coleman Hawkins19.05.2019

Vor 50 JahrenTod des Jazzsaxofonisten Coleman Hawkins

Er war einer der Wegbereiter des modernen Jazz: Coleman Hawkins. Seinen Sound erkannten seine Anhänger sofort. Mit ungewöhnlichen Ideen machte er das Tenorsaxofon zu dem emblematischen Instrument des Jazz schlechthin - und wurde zum Idol mehrerer Generationen großer Solisten.

Von Karl Lippegaus

Der Musiker Coleman Hawkins spielt Saxofon etwa 1946 im Spotlite Club in New York. (imago / William Gottlieb)
Experimentierte gerne bei Jam-Sessions: Coleman Hawkins (imago / William Gottlieb)
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"Coleman Hawkins hatte nicht vor, ‚Body and Soul‘ aufzunehmen. Er hatte es viel in Europa live gespielt, jedes Mal anders, ohne festes Konzept. Im Studio spielte er es nur ein einziges Mal."

"Body and Soul", 11. Oktober 1939. Damit schuf Coleman Hawkins in einem einzigen Inspirationsschub eines der größten Saxofonsoli der Swing-Ära.

"Für mich war’s kein großes Ding, nur eine Zugabe, um mich von der Bühne zu schleichen. Als sie mich bei Victor Records baten, es aufzunehmen, wunderte ich mich, dass sie daran überhaupt gedacht hatten. Ich sagte: ‚Wozu das aufnehmen? Wer will das hören?‘"

In Seide und Waschbärpelz

Fragen nach seinem musikalischen Werdegang wich er aus, verheimlichte sein wahres Alter und seine Herkunft. Hawk erzählte gerne, er sei auf einem Ozeandampfer zur Welt gekommen, habe sechzehn Kinder, sei vier Mal im Knast gewesen und plane eine Hühnerfarm in Kalifornien.

Schon in den späten 20er-Jahren war der Star der Fletcher Henderson Band in Harlems Nachtleben bekannt wie ein bunter Hund. Stilvoll gekleidet, in Seide im Sommer und im Winter in feinem Tweed unter einem Waschbärmantel.

"Mein Spiel ist von vielen Dingen inspiriert, die ich unbewusst höre. Ich spiele, was ich absorbiere. Warum? Darüber habe mir nie Gedanken gemacht, es kommt alles ganz natürlich hervor."

1935 erlebte ihn der Kritiker Charles Delaunay live in Paris.

"Der Auftritt stand in krassem Gegensatz zu seiner scheuen Haltung im Leben, als ob eine ungeheure Kraft ihn entfesselte, die er zurückhielt und dann explodieren ließ."

Am Steuer eines schweren Chrysler oder Buick durchkreuzte Hawkins in den 1950er-Jahren die USA, auf dem Rücksitz sein Horn, ein Stapel Noten und Whisky der Marke 'Black & White'. Als Person eher scheu und zurückhaltend, war er völlig vertieft in Musik. Und sehr vertraut mit dem alltäglichen Rassismus. Frühe Platten von sich verglich er mit einem Baby, das krabbeln lernt.

"Mit der Musik hat alles angefangen. Erst mal lernte ich Klavier, mit fünf oder sechs, machte in allen Schulorchestern mit und transponierte die Cello-Parts fürs Tenorsaxofon."

"Alle Töne sind auf dem Instrument"

Geboren wurde er am 21. November 1901 in Saint Joseph/Missouri. Im Gegensatz zu anderen frühen Genies wie Armstrong oder Bechet war Hawkins kein Autodidakt, er bekam klassischen Unterricht, lernte Klavier und Cello spielen. Die Eltern erfüllten ihm auch den Wunsch nach einem Saxofon. Sein Biograf John Chilton schreibt:

"Er konnte sehr schnell Noten lesen und meinte, ‚Sechs B’s und vier Kreuze, wen interessiert’s? Alle Töne sind auf dem Instrument. Es liegt an dir, sie zu finden und auswendig zu lernen.‘"

Um zu experimentieren, nutzte Hawkins jede Gelegenheit bei den Jam-Sessions. Was bedeutete, dass er oft einen ganzen Abend mit der offiziellen Band arbeitete, aber danach noch viele Stunden in den Clubs jammte und die gesamte Konkurrenz an die Wand blies.

Das Saxofon gerettet

"Das Saxofon wurde schon früh viel gespielt, oh ja. Aber sie wussten nicht viel damit anzufangen - jedenfalls kam kein Jazz dabei heraus wie bei mir. Ich hatte offenbar ein natürliches Feeling dafür."

"Hawkins machte praktisch im Alleingang aus dem Tenorsaxofon ein Jazzinstrument. Vierzig Jahre später konstatierte sein Kollege Johnny Griffin: ‚Hawk rettete das Saxofon aus der Vergessenheit der Zirkuskapellen.‘"

1948 nahm er "Picasso" auf, die erste unbegleitete Soloimprovisation im Jazz. Er ging immer mit der Zeit, dahin wo die Musik hinging, und nichts, was er spielte, klang je altmodisch. Coleman Hawkins starb mit 64 Jahren am 19. Mai 1969.

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