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StartseiteKalenderblattRommels Rückzugsbefehl bei El Alamein04.11.2017

Vor 75 JahrenRommels Rückzugsbefehl bei El Alamein

Als britische Truppen im Zweiten Weltkrieg während einer Großoffensive bei El Alamein die deutschen Stellungen durchbrachen, befahl Erwin Rommel am 4. November 1942 den Rückzug. Das läutete eine Wende im Afrikafeldzug der deutschen Wehrmacht ein - Rommel widersetzte sich einem direkten Befehl Hitlers.

Von Otto Langels

Italienische Kriegsgefangene, die an deutscher Seite kämpften, während der Schlacht von El Alamain. Der Afrikafeldzug unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel ("Wüstenfuchs") scheiterte in den von Juni bis November 1942 andauernden Kämpfen bei El Alamain. Trotz des Befehls Adolf Hitlers an Rommel, seinen Truppen "keinen anderen Weg zu zeigen als den zum Siege oder zum Tode" zog sich Rommel angesichts der britischen Übermacht zurück. Im März 1943 kapitulierten die Streitkräfte der Achsenmächte in Afrika. (picture alliance / dpa / Foto: UPI)
Trotz Hitlers Befehl zog Rommel seine Truppen angesichts der britischen Übermacht zurück (picture alliance / dpa / Foto: UPI)
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Das Soldatenlied "Panzer rollen in Afrika vor" glorifizierte mit schiefen Metaphern von "singenden Motoren" und "Panzern im Sonnenbrand" die Erfolge der Wehrmacht in Nordafrika.

Dass deutsche Panzer durch "glutheißen Sand" rollten, war der Schwäche des Bündnispartners Italien geschuldet. Im Herbst 1940 hatten italienische Streitkräfte von ihrem libyschen Kolonialgebiet aus das unter britischer Herrschaft stehende Ägypten angegriffen, waren aber zurückgeschlagen worden. Um den drohenden Verlust Libyens zu verhindern, bat Benito Mussolini seinen Verbündeten Adolf Hitler um militärischen Beistand. Anfang 1941 landeten deutsche Kampftruppen unter Generalleutnant Erwin Rommel in Tripolis und stießen dank einer modernen, mobilen Kriegsführung weit nach Osten auf britisch besetztes Gebiet vor.

Eroberung der Festung Tobruk

Im Verlauf wechselvoller Kämpfe konnten die britischen Streitkräfte das Deutsche Afrikakorps zwar wieder zurückdrängen, doch dank massiver Luftunterstützung gingen die deutsch-italienischen Verbände erneut in die Offensive und eroberten im Juni 1942 die britische Festung Tobruk. Hitler beförderte daraufhin den als "Wüstenfuchs" verehrten Erwin Rommel zum Generalfeldmarschall. In seinem Tagebuch notierte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels:

"Rommel strahlt vor Glückseligkeit. Er ist ein nationalsozialistischer Heerführer, so wie wir ihn uns nur wünschen können. Mit Rommel kann man propagandistisch alles machen. Rommel ist der kommende Oberbefehlshaber des Heeres."

100 Kilometer vor Alexandria

Gegen die extremen klimatischen Bedingungen und die unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff und Munition konnte aber auch Rommel mit seinen strategischen Fähigkeiten nichts ausrichten. Der Vormarsch Richtung Suezkanal kam bei El Alamein 100 Kilometer vor Alexandria zum Stehen. Immerhin konnte das Afrikakorps einen britischen Angriff auf Tobruk einen Monat später noch abwehren und Rommel voller Zweckoptimismus verkünden:

"Der deutsche Soldat und neben ihm auch die italienischen Kameraden haben diese schwierigen Zeiten überstanden, haben jeden Versuch, die Festung Tobruk zu entsetzen, abgewehrt."

Aber letztlich stand das Deutsche Afrikakorps auf verlorenem Posten. Während die britische Armee ihre Großoffensive vorbereitete, verbreitete die Deutsche Wochenschau zu Hause noch weiterhin Durchhalteparolen:

"An der ägyptischen Front: Marschall Rommel weist die Abschnittskommandeure in ihre Aufgaben ein. Die Befehle zur Verteidigung der El Alamein-Stellung werden in allen Einzelheiten besprochen."

Ein Funkspruch Hitlers

Am 23. Oktober ging die 8. britische Armee unter Generalleutnant Montgomery mit 230.000 Soldaten und 1.200 Panzern zum Angriff über. Das Afrikakorps mit 100.000 Soldaten und 550 Panzern befand sich in einer aussichtslosen militärischen Lage. Als die Briten am 2. November die deutschen Stellungen durchbrachen, wollte Feldmarschall Rommel den Befehl zum Rückzug geben, doch da erreichte ihn ein Funkspruch Hitlers aus dem Führerhauptquartier:

"In der Lage, in der Sie sich befinden, kann es keinen anderen Gedanken geben als auszuharren, keinen Schritt zu weichen und jede Waffe und jeden Kämpfer, die noch freigemacht werden können, in die Schlacht zu werfen. Ihrer Truppe können Sie keinen anderen Weg zeigen als den zum Siege oder zum Tode."

Hitlers Befehl erschütterte den Glauben Rommels an den Führer und den Nationalsozialismus und trieb ihn letztlich zwei Jahre später in den Selbstmord. Trotzdem gab er die Anweisung seines obersten Kriegsherrn an die Truppen weiter und erteilte erst am 4. November 1942 das Kommando zum Rückzug.

"Wie vor den Kopf geschlagen"

Monate später notierte Erwin Rommel zu dem Vorgang:

"In diesem Befehl wurde das Unmöglichste verlangt. Was helfen konnte, waren Waffen, Benzin und Flugzeuge, aber keine Befehle. Wir waren alle wie vor den Kopf geschlagen, und ich wusste das erste Mal während des Afrikafeldzuges nicht, was ich tun sollte."

Die Niederlage des deutschen Afrikakorps bei El Alamein war ein Wendepunkt auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz. Es war, wie der britische Premierminister Winston Churchill wenige Tage später sagte, noch nicht das Ende, aber das Ende des Afrikafeldzugs war vorhersehbar.

"Now this is not the end. It is not even the beginning of the end. But it is, perhaps, the end of the beginning."

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