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StartseiteKultur heutePolitik auf dem Spielplan17.08.2019

Vor den LandtagswahlenPolitik auf dem Spielplan

Wie blicken Menschen aus der Kulturszene in Sachsen und Brandenburg auf die anstehenden Landtagswahlen? Das will "Kultur heute" bis zur Wahl am 1. September in Erfahrung bringen. Zunächst ein Blick nach Brandenburg, wo Künstler angesichts möglicher AfD-Erfolge enger zusammenrücken.

Von Sylvia Belka-Lorenz

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Andreas Kalbitz spricht beim Wahlkampfauftakt in Cottbus (dpa / Jörg Carstensen)
Der AfD-Landesvorsitzende in Brandenburg, Andreas Kalbitz, spricht beim Wahlkampfauftakt in Cottbus (dpa / Jörg Carstensen)
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"Höcke, Höcke"-Rufe. Sie feiern ihn wie einen Guru, Björn Höcke, den AfD-Rechtsaußen, der in den vergangenen Monaten mehrmals nach Brandenburg gereist ist, um seinen AfD-Parteifreund Andreas Kalbitz im Landtagswahlkampf zu unterstützen. Die AfD ist laut Umfragen längst die stärkste Kraft im Land. Und den neuen Gegenwind von rechts bekommen auch Menschen aus der Kulturszene zu spüren.

"Eine schein-sachliche Anfrage"

So wie das Cottbuser Kinder- und Jugendtheater Piccolo. Stein des Anstoßes: das Stück "KRG", Jugendsprache für Krieg, eine Inszenierung, in der sich Jugendliche mit dem Thema Faschismus auseinandersetzen. Für die Arbeit gab es Demokratie- und Theaterpreise - und im Oktober vergangenen Jahres eine Anfrage des Brandenburger AfD-Fraktions- und Parteichefs Andreas Kalbitz im Landtag, wie und warum das Piccolo-Theater gefördert werde und was dort sonst so gespielt werde. Theaterleiter

Reinhard Drogla: "Das macht im ersten Moment eine Irritation, eine Verunsicherung und das war auch für mich die erste Reaktion. Natürlich darf die AfD so eine Anfrage machen. Jeder im Landtag darf so eine Anfrage machen. Aber dass das genau das nicht erzeugt hat, was die Anfragesteller beabsichtigt haben mit so einer schein-sachlichen Anfrage, das hat man dann doch gesehen."

"Unser Spielplan ist politisch geworden"

Denn die AfD-Anfrage, die viele Brandenburger Politiker klar als Angriff auf die Freiheit der Kunst bewerteten, brachte nicht nur dem Piccolo Theater und der beargwöhnten Inszenierung ungeahnte Popularität. Vielmehr setzte es einen so nicht gekannten Schulterschluss in Gang. Etablierte Kulturinstitutionen und freie Theaterleute, Galeristen und Musiker unterzeichneten die Erklärung der Vielen. Ein klares Bekenntnis für Humanismus und gegen Rechts, initiiert von Bettina Jahnke, der Intendantin des Potsdamer Hans-Otto-Theaters.

Die Künstler müssen raus aus ihrer bürgerlichen Gemütlichkeit, fordert sie: "Dass wir nicht nur als Künstler persönlich Haltung zeigen, sondern auch wir als Theater anhand unseres Spielplans. Ja: Unser Spielplan ist politisch geworden, politischer als es vorher war und er wird auch noch politischer werden müssen."

Klar scheint, dass die bevorstehende Landtagswahl auch für die Kultur in Brandenburg die Weichen neu stellen wird. Das große Thema im Land ist der Strukturwandel. Wo Bahnverbindungen und Schulen in desolatem Zustand sind… welche Mittel werden da für Kunst übrig bleiben?

Zwischen kultureller Vielfalt und "Leitkultur"

Die Wahlprogramme der Grünen und der Linken sehen ausdrücklich die Förderung kultureller Vielfalt vor, interkulturelle und freie Projekte sollen gestärkt, prekäre Arbeitsbedingungen bekämpft werden. SPD und FDP setzen auf die Fortführung von Bewährtem, die AfD auf deutsche Leitkultur. Die FDP spricht etwas vage von der Absicherung kultureller Leuchttürme und im Programm der CDU kommt Kultur als eigenes Thema praktisch gar nicht vor.

Das Cottbuser Piccolo-Theater jedenfalls lässt sich von der anstehenden Wahl nicht verunsichern und hat sich das Spielzeitmotto "Piccolo for Future" gesetzt. Eine klare Ansage, wofür dieses Kinder- und Jugendtheater steht. Kindern aus allen Schichten und Kulturen steht das Haus offen.

Über dem Eingang des Theaters hängt die Regenbogenflagge- und zwar ganzjährig. Dass diese Positionen auf einige Landtagskandidaten zumindest herausfordernd wirken könnten, nimmt Piccolo-Chef Reinhard Drogla in Kauf: "Wenn es schon eine Provokation ist, eine Meinung zu haben, dann ist es natürlich bedenklich. Wir werden weiterhin menschliche Werte, humanistische Werte vertreten. Und das hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, wer Regierungspartei ist. Das ist ja genau die Stärke, wenn man eine Position hat."

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