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StartseiteKommentare und Themen der WocheBayerns Grüne besetzen das Thema Heimat12.10.2018

Vor der LandtagswahlBayerns Grüne besetzen das Thema Heimat

Bayern wählt am Sonntag einen neuen Landtag. Dabei geht die CSU Umfragen zufolge einem Desaster entgegen. Ihr Charakter als Volkspartei steht auf dem Spiel. Da kommen die Grünen ins Spiel, die ganz ungeniert den Begriff Heimat neu besetzen. Eine kluge Idee, findet Barbara Schmidt-Mattern.

von Barbara Schmidt-Mattern

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Die Spitzenkandidaten der Grünen in Bayern, Katharina Schulze and Ludwig Hartmann, gemeinsam mit Parteichef Robert Habeck. (Alexander Pohl/ NurPhoto / dpa)
Die Spitzenkandidaten der Grünen in Bayern, Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, gemeinsam mit Parteichef Robert Habeck (Alexander Pohl/ NurPhoto / dpa)
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Was haben ein Fischkopf und ein Bayer gemeinsam? Vielleicht eine gewisse Sturheit, vor allem aber eine Liebe zur eigenen Heimat, sei es auf der Zugspitze oder am Nord-Ostsee-Kanal. Grünen-Parteichef Robert Habeck hat das klugerweise erkannt: Die Grünen sprechen seit einiger Zeit immer öfter über den Wert der "Heimat". Sie verzahnen den Begriff einfach mit ihrem Stammthema, dem Umwelt- und Klimaschutz, und dringen damit zunehmend auch in konservative Wählerschichten vor.

Den Grünen in Bayern fehlt eine Führungsfigur

Sollten die Umfragen Recht behalten, wird die Ökopartei am Sonntag zweitstärkste Kraft im einst tiefschwarzen Bayern werden. Wiederholt sich da ein Szenario wie 2011 in Baden-Württemberg, als Winfried Kretschmann die Grünen zur Volkspartei erhob? Eher nicht. Zum einen sind die Grünen in Bayern eher Großstadtpartei, in der Fläche aber nicht so verankert, wie im Ländle nebenan. Außerdem fehlt in München ein Zugpferd vom Schlage Kretschmanns – die bayerischen Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann sind dafür noch zu jung. Am meisten aber spricht dagegen, dass die Grünen zwar die politische Mitte erobern wollen, aber nicht als Volkspartei. Der Begriff sei verstaubt, eine Idee aus dem 20. Jahrhundert, heißt es in der Bundespartei. Das hat Chuzpe und ist ein Schlag ins Kontor von Union und SPD. Denn dieser Wahlsonntag in Bayern steht ja längst nicht allein im Zeichen der Landespolitik, sondern er ist ein Fanal für die Krise jener drei Volks-Parteien, die sich seit einem halben Jahr in Berlin vergeblich um gutes Regieren bemühen. Doch bei allen zentralen Fragen, dem Klimaschutz, dem Diesel-Desaster, der Integrations- und Asylpolitik tritt diese Bundesregierung auf der Stelle. Kaum eine mutige Entscheidung, die sich Schwarz-Rot vor der Landtagswahl in Bayern zutraute.

In Bayern steht auch die Berliner Koalition auf dem Prüfstand

Der Dauer-Streit der Unionsschwestern, und die Dauer-Schwäche der Sozialdemokraten fallen den Parteien nun vor die Füße. SPD-Chefin Andrea Nahles versucht in letzter Sekunde, das Ruder herumzureißen und kündigt die Abkehr von der Agenda 2010 an. Doch bei der Basis kommt das kaum noch an. Und die Partei-Linke will am Wochenende wieder einmal über die Zukunft der SPD beraten. Diese Erosion der Volksparteien wirkt bedrohlich, entscheidend aber ist am Ende vor allem eines: Die Rechten und Rechtspopulisten klein zu halten und deutlich gegen Fremdenhass und Antisemitismus anzugehen. Vielleicht werden sich Konservative, Liberale und Linke langfristig ganz neu zusammenfinden. Schlimm wäre das nicht, solange die Mehrheit gemeinsam in der Mitte bleibt, zwischen Flensburg und Bayern.

Barbara Schmidt-Mattern, Korrespondentin Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Anja Schäfer)Barbara Schmidt-Mattern, Korrespondentin Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Anja Schäfer)Barbara Schmidt-Mattern, geboren in Kiel, studierte Anglistik, Theater- und Literaturwissenschaft in Erlangen, Dublin und Köln. Im Anschluss beendete sie 2002 ihre Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und schrieb zunächst u. a. für die "Süddeutsche Zeitung". 2003-2010 war Schmidt-Mattern als Redakteurin im Kölner Funkhaus des Deutschlandfunk für die Europa- und Außenpolitik zuständig. Danach folgten fünf Jahre als Landeskorrespondentin in Nordrhein-Westfalen. Seit 2015 berichtet sie aus dem Hauptstadtstudio des Deutschlandradio, mit den Schwerpunkten Umwelt, Klima und Grüne.

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