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StartseiteInformationen am MorgenPlanungen für weitere 25 Jahre Gefangenenlager18.10.2018

Vor Ort auf GuantanamoPlanungen für weitere 25 Jahre Gefangenenlager

Der US-Präsident Donald Trump fordert einen Ausbau des Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba. Derzeit sind dort 40 Personen inhaftiert, teilweise seit Jahren ohne Prozess. Vor Ort soll das Konteradmiral John Ring umsetzen - bis zu 200 Gefangene hält er für möglich.

Von Burkhard Birke

Ein Wachturm vor dem Stacheldraht des US-Strafgefangenenlagers Guantanamo (dpa / picture alliance / John Riley)
Ein Wachturm vor dem Stacheldraht des US-Strafgefangenenlagers Guantanamo (dpa / picture alliance / John Riley)
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Noch zehn Minuten bis zur Landung in Guantanamo! Schnell verliert die Beechcraft C12 der US-Marine an Höhe. Zweieinhalb Stunden brauchte die kleine Propellermaschine mit zehn Plätzen von Südflorida, um Kuba zu umfliegen.

Unter uns liegt blau glänzend die von grüner Vegetation umrandete Bucht von Guantanamo: Christoph Columbus entdeckte sie 1494 auf seiner zweiten Reise. Seit Ende des spanisch-amerikanischen Krieges haben hier die Amerikaner das Sagen. Knapp 118 Quadratkilometer Land am Eingang der Bucht von Guantanamo pachten sie seither von Kuba.

"Es gab zwei Pachtverträge für den Marinestützpunkt. Einer ist aus dem Jahr 1903 und der andere von 1934. Pro Jahr müssen wir demnach 4.084 Dollar zahlen."

Blick auf einen Wachturm auf Guantanamo. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)Blick auf einen Wachturm auf Guantanamo. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)

Die würden auch den Kubanern über die Botschaft übermittelt, bekräftigt Jay Overton, Sprecher von Guantanamo Base. Angeblich lösen die Kubaner aber den Scheck nicht ein. Sie beanspruchen dieses Stück Land für sich. Der Pachtvertrag kann jedoch nur in beiderseitigem Einverständnis gelöst werden.

Guantanamo wird also auf absehbare Zeit der älteste Stützpunkt außerhalb der USA und ein Gefangenenlager für mutmaßliche Terroristen bleiben.

"Wir sind vorbereitet, neue Häftlinge aufzunehmen. Wir könnten 40 zusätzlich aufnehmen. Dann läge die Gesamtzahl bei 80. Das würde natürlich ein paar Wochen dauern und sie würden gruppenweise kommen. Mit zwei zusätzlichen Wachkompagnien könnten wir sogar 160 zusätzlich aufnehmen – insgesamt wären das dann 200 Gefangene."

Guantanamo soll sich für neue Häftlinge rüsten

Seit ein paar Monaten erst steht Konteradmiral John Ring der Joint Task Force Guantanamo vor. Sie umfasst 1.800 Soldaten verschiedener Truppenteile und einige Söldner. Die Weisungen des Oberbefehlshabers sind klar. Anfang des Jahres hat Präsident Trump angeordnet: Guantanamo bleibt offen. Das Militär solle sich für die Aufnahme neuer Häftlinge rüsten.

Seither wurde immer wieder spekuliert, ob zwei ursprünglich britische IS-Kämpfer nach Guantanamo geschickt würden. Die zur Gruppe der sogenannten Beatles gehörenden Terroristen hatten unter anderem den US-Journalisten Foley geköpft. Sie wurden von der Kurdenmiliz gefangen. In Guantanamo droht ihnen die Todesstrafe – wohl deshalb hat Commander Ring wohl noch keine konkreten Anweisungen, soll aber die Weichen für eine langfristige Perspektive stellen.

"Wir planen gerade für 25 Jahre. Für die Gefangenen brauche ich wirklich das Lager Nummer 8. Für die Soldaten brauche ich demnächst neue Unterkünfte. Das soll jetzt eine Entwicklungsgesellschaft klären. Sie soll den Bedarf für eine Unterbringung der Soldaten und der Gefangenen für 25 weitere Jahre feststellen."

Konteradmiral John Ring von der Joint Task Force Guantanamo. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)Konteradmiral John Ring von der Joint Task Force Guantanamo. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)

Knapp 90 Millionen sollen in ein neues Lager investiert werden. Circa 80 Millionen Dollar beträgt das Jahresbudget für die Bewachung der noch 40 Insassen in den Gefangenenlagern von Guantanamo.

Der jüngste ist 37, der älteste 71. Einer ist zu lebenslanger Haft verurteilt, ein anderer Gefangener wartet auf sein Urteil, sieben stehen vorm Militärgericht.

Fünf von ihnen könnten eigentlich auf freien Fuß: Zwei von ihnen wollten nicht in ein Drittland ausreisen. Die drei anderen warten vergebens auf die alle drei Jahre stattfindende Sicherheitsüberprüfung. Solange bleiben sie wie die hochgefährlichen Häftlinge hinter doppelten Stacheldrahtzäunen in den Hochsicherheitstrakten eingesperrt – genau wie all die anderen, gegen die kein Prozess vor einem Militärgericht läuft, die aber auch nicht gehen dürfen, angeblich aus Sicherheitsgründen.

"Ich bin der Offizier für Camp 6: Hier gibt es acht Blöcke mit 22 Zellen, zwei dienen als Bücherei und als Kammer für Konserven. Dazu kommen sieben Freizeiträume innen, fünf draußen und eine größere Fläche, wo wir eben waren."

Über den Schandflecken wächst im wahrsten Sinne des Wortes Gras

Dieser Offizier wie fast alle Bediensteten hier bleiben anonym. Meine Fotos von Sicherheitseinrichtungen werden gelöscht oder zensiert. Kontakt mit Gefangenen ist ausschließlich den Anwälten vorbehalten. Die Häftlinge, die sich an die Regeln halten, dürfen sich 22 Stunden zwischen Zelle und Freizeiträumen bewegen, dürfen beten, Playstation spielen, lesen, pflanzen oder Unterricht nehmen.

Ein Team von Ärzten und Psychiatern steht zur Verfügung. Die in Camp 5 eingerichtete Intensivstation ist moderner als alles im Navy Hospital für die insgesamt 5.500 Bediensteten und Soldaten am Stützpunkt Guantanamo.

Über die Schandflecken Camp X Ray, wo zu Beginn 2002 Gefangene malträtiert wurden, und über das Jugendcamp Iguana ist im wahrsten Sinne des Wortes Gras gewachsen. Die tropische Vegetation wuchert. Aus Beweisgründen werden diese Lager wie auch die anderen nicht mehr voll funktionierenden Camps jedoch nicht abgerissen. Sie bleiben als Mahnmale – die neuen Camps als Gefängnisse. Präsident Obama ist gescheitert mit dem Versuch, das Gefangenenlager zu schließen. Konteradmiral Ring folgt jetzt den Anweisungen des neuen Oberbefehlshabers Trump.

"Wir haben einen schlechten Ruf. Das ist aber nicht fair den Soldaten gegenüber, die hier für neun Monate oder ein Jahr stationiert werden. Sie machen gute Arbeit und verdienen mehr Anerkennung. Das ist für mich die größte Herausforderung."

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