Sonntag, 23.02.2020
 
Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteVerbrauchertippVorzeitiges Kündigen von Darlehen oft zu teuer27.01.2020

VorfälligkeitsentschädigungVorzeitiges Kündigen von Darlehen oft zu teuer

Wenn Kunden ein Darlehen vorzeitig kündigen wollen, dürfen Banken eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Dabei werden jedoch häufig zu hohe Entschädigungen gefordert. Um daran etwas zu ändern, sollte unter Umständen der Gesetzgeber tätig werden, fordern Experten.

Von Felicitas Boeselager

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Mann unterschreibt am in einem Büro in einen Vertrag (gestellte Szene)  (dpa / Christin Klose)
Verlangt die Bank eine hohe Vorfälligkeitsentschädigung, sollte man sich sich den Darlehens-Vertrag noch mal genau anschauen, rät die Verbraucherzentrale Bremen (dpa / Christin Klose)
Mehr zum Thema

Green Finance Wie Kredite und Investments nachhaltiger werden können

Kredit-Falle Mehr Schutz vor hohen Dispozinsen

Eigenheim Verbraucherschützer kritisieren Angaben bei Immobilienkrediten

Scheidungen, Todesfälle, oder Krankheiten - das sind die häufigsten Gründe weshalb Menschen ein Darlehen bei ihrer Bank vorzeitig kündigen wollen. Das Haus in dem sie ursprünglich geplant hatten zu bleiben, wollen sie nun verkaufen und ihre Schulden tilgen. Oder sie wollen die Schulden vorzeitig zurückzahlen, weil sich die eigene Finanzlage deutlich gebessert hat – durch höheres Einkommen oder eine Erbschaft zum Beispiel.

In solchen Fällen darf die Bank eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, schließlich hat sie mit Zinseinnahmen bis zum Ende der Kreditlaufzeit gerechnet. Bei Minuszinsen kann das für Verbraucher ziemlich teuer werden. Eine Studie der Verbraucherzentrale Bremen hat aber gezeigt, dass Banken häufig eine zu hohe Entschädigung fordern.

Um sich davor zu schützen sollten Verbraucher stets eine konkrete Berechnung bei der Bank anfordern, sagt Anke Behn von der Verbraucherzentrale: "Dann sollte man sich den Darlehens-Vertrag genau anschauen, welche Klauseln dort vereinbart wurden, zum Beispiel: Habe ich Sondertilgungsrechte vereinbart, habe ich eine Tilgungssatzerhöhung vereinbart. Und dann schauen, ob diese Dinge, die die Vorfälligkeitsentschädigung etwas günstiger machen, dann auch korrekt angewandt worden sind."

Sondertilgungsrechte einräumen lassen

Wem das zu kompliziert ist, der kann sich an eine Verbraucherzentrale in seiner Nähe wenden, dort kann die Berechnung der Bank geprüft werden. Ein weiterer Grund für eine hohe Vorfälligkeitsentschädigung, seien Bearbeitungsgebühren, die manche Banken zusätzlich verlangen.

Gegen diese Gebühren können die Verbraucher aber nur wenig ausrichten, sagt Behn: "Oftmals geben die Verbraucher uns eine Rückmeldung und geben uns nochmal das Schreiben der Bank, oder des Kreditgebers zu Kenntnis und dort ist es dann schon, dass die sich auf die Rechtsprechung beziehen, die zu ihren Gunsten ausfällt und das sie dem Verbraucher nicht entgegen kommen."

Denjenigen, die zukünftig ein Darlehen abschließen wollen, rät Behn sich von Beginn an Sondertilgungsrechte, oder Tilgungssatzänderungsrechte einräumen zu lassen.

"Das machen auch viele Anbieter mittlerweile ohne Bedenken, oder es gibt auch schon Anbieter, die ein vorzeitiges Kündigungsrecht ohne Vorfälligkeitsentschädigung anbieten. Da kann man einfach, wenn man vor dem Abschluss eines Darlehens steht nachfragen und wenn es möglich ist, würde ich es einfach mit abschließen."

Finanzexperte kritisiert mangelnde Transparenz 

Insgesamt seien die gängigen Berechnungsmethoden der Banken zu intransparent, findet Behn. Deshalb wollen die Verbraucherzentralen gerne eine andere Methode etablieren.

Edgar Löw ist Professor an der Frankfurt School of Finance und hat ein Rechenmodell entwickelt, das sicherstellen soll, dass der Kunde nur dann eine Zinsdifferenz begleichen muss: "Wenn die zu Lasten der Bank gehen würde, wenn sie zu Gunsten der Bank geht, dann besteht überhaupt gar kein Grund, dass der Kunde noch was in Rechnung gestellt bekommt."

Ein weiterer Vorteil dieser Methode sei, dass die Berechnung für die Kunden leicht nachvollziehbar sei. Allerdings hielten die Banken an den alten Berechnungsmodellen fest.

"Jetzt geht es dann darum, dass unter Umständen sogar der Gesetzgeber tätig wird und sagt welche Verfahren rechtlich zulässig sind, damit für den Kunden klar ist, dass er auch sozusagen die dritte Variante als eine Alternative zur Verfügung gestellt bekommt."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk