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StartseiteSprechstundeVorhofflimmern01.07.2003

Vorhofflimmern

Wie lässt sich eine Embolie zu vermeiden?

<strong>Das Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung im Erwachsenenalter - insbesondere ältere Menschen sind davon betroffen - bei den über 70-Jährigen sind es sechs Prozent. Die Vorhöfe des Herzens werden dann zu schnell und zu unregelmäßig erregt, die Herzkammern nur unzureichend mit Blut gefüllt und das Herz kann nicht genug Blut pumpen. Die häufigste Komplikation des Vorhofflimmerns ist die Embolie. Mehr als 20 Prozent aller Schlaganfälle entstehen dadurch, dass aufgrund des Flimmerns das Blut nur sehr langsam durch den Herzvorhof strömt, dadurch gerinnen kann und sich kleine sogenannte Thromben bilden. Das gilt es zu verhindern. In Bonn trafen sich in der vergangenen Woche deutsche Wissenschaftler, um über die neuen Möglichkeiten der Embolieprophylaxe zu diskutieren.</strong>

Judith Grümmer

Herzklopfen, Pulsunregelmäßigkeiten, Schwindel, Müdigkeit oder ein unangenehmes Gefühl in der Brust – das können die Folgen von Vorhofflimmern sein. Erleben die Patienten lediglich einen holprigen Herzschlag, kann es sein, dass sie nicht einmal einen Arzt aufsuchen - Ohnmachtsanfälle, Atemnot und Bewusstlosigkeit dagegen versetzen Patienten in Panik.

In aller Regel wird diese Rhythmusstörung vom Patienten dramatischer empfunden als sie wirklich ist, denn sie gehört eher zu den gutartigen, man stirbt nicht am Vorhofflimmern.

.... betont Prof. Lüderitz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik in Bonn. Behandelt werden sollte das Vorhofflimmern in beiden Fällen, wenn Patienten es als dramatisch erleben - aber auch, wenn sie durch ihre Rhythmusstörungen nicht aus dem Takt geraten. Denn: Dramatisch können die Folgen auf jeden Fall sein, wenn das Vorhofflimmern nicht erkannt wird. Unabhängig davon, ob das Vorhofflimmern gelegentlich auftritt oder chronisch ist:

In diesem Rahmen klassifizieren wir das Anfallsweise Vorhofflimmern, das von alleine kommt und auch wieder von alleine verschwindet, das Persistierende Vorhofflimmern, das anhält, aber behandelbar ist, oder drittens das Permanente Vorhofflimmern, das akzeptiert werden muss, weil wir keine Chance haben, es mit irgendeiner Maßnahmen zu beseitigen. Für alle drei Formen gilt im Prinzip die Gefahr der Gerinnselbildung und der Embolie mit Verstopfung dann eines Gefäßes. Bei allen drei Formen des Vorhofsflimmern ist die Embolieprophylaxe geboten, sie ist eine Pflicht, um den Patienten zu schützen. Die Möglichkeiten können medikamentös sein oder auch mechanisch.

Der Bonner Kardiologe Prof. Lüderitz rät auch Patienten mit gelegentlichem Vorhofflimmern dazu, Gerinnselbildungen vorzubeugen.

Für Patienten mittleren Lebensalters, bei denen nur gelegentlich ein Vorhofflimmern auftritt, - die also nicht zur Hochrisikogruppe der Emboliegefährdeten Patienten gehören - mag eine Prophylaxe mit Acetylsalicylsäure, also mit Aspirin, ausreichen – nicht aber für Patienten jenseits des 70igsten oder 75igsten Lebensjahres mit einem erhöhten Thromboserisiko.

Zur Zeit gelten die sogenannten Vitamin-K-Antagonisten als besonders wirksam - Prof. Wolfgang Schöls, stellvertretender ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik, Abteilung Innere Medizin III am Universitätsklinikum Heidelberg

Wenn der Patient ein erhöhtes Risiko für Embolien hat, dann muss er eigentlich mit Marcuma behandelt werden, also mit Vitamin K Antagonisten. Nachteile dieser Substanzen sind, .. die Gabe muss sehr engmaschig überwacht werden, es sind regelmäßige Blutentnahmen erforderlich um das Ausmaß der Gerinnungshemmung zu überprüfen, der Patient blutet leichter unter diesen Substanzen. Wenn man nicht aktiv gegensteuert dauert es mehrer Tage bis die Gerinnungshemmung aufgehoben sind – das sind eigentlich die Hauptnachteile.

Doch noch in diesem Jahr wird ein neuer Wirkstoff auf den Arzneimittelmarkt kommen , der die Prävention bei Patienten mit Vorhofflimmern entscheidend voran bringen könnte – davon ist Prof. Schöls überzeugt

Wir haben große Hoffnungen, dass in absehbarer Zeit eine Substanz namens Ximelagatran. Das wäre ein Medikament, dass auch als Tablette eingenommen werden könnte, eine Substanz, die ähnlich wirkungsvoll wie das Marcuma ist im Hinblick auf die Reduktion von Schlaganfällen, nach einer aktuellen Studien vielleicht sogar etwas wirkungsvoller als Marcuma und die Blutungsstudien unter dieser Substanz waren zumindest in de angesprochenen Studie in der Tendenz noch etwas geringer als unter dem Marcuma.

Ebenfalls erfolgversprechend ein sogenanntes Vorhofohr-Verschluss-System, welches seit anderthalb Jahren in europäischen Herzzentren wie Bern, Mailand, Frankfurt oder Bonn eingesetzt wird. Der Bonner Kardiologe Prof. Bernd Lüderitz:

Es gibt mechanische Möglichkeiten dergestalt, dass das linke Herzohr, eine Art Ausbuchtung der Linken Vorkammer, verschlossen wird. In dieser Ausbuchtung, in diesem linken Herzohr bilden sich nämlich vorzugsweise die Gerinnsel, von wo aus sie dann ihren Gang durch den gesamten Kreislauf nehmen und nun kann man den mit einer Art Schirm, der aufgespannt wird, verschließen. Das geht über Kathetertechnik also nicht operativ.

Weitere Informationen:

Herausforderung Vorhofflimmern Statement von Prof. B. Lüderitz, Bonn

Erste orale antithrombotische Therapie Direkter Angriff auf das Thrombin

Stöpsel im Herzohr verschließt bei Vorhofflimmern Thrombenquelle

Beitrag als Real-Audio

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