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StartseiteKommentare und Themen der WocheImpfmüdigkeit kann tödlich sein30.11.2018

Vormarsch der MasernImpfmüdigkeit kann tödlich sein

Eigentlich sollten die Masern bis 2020 ausgerottet sein. Dennoch sind sie wieder auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland. Schuld daran seien nicht nur die krassen Impfgegner, meint Carsten Schroeder - sondern vor allem die Nachlässigkeit vieler Eltern gegenüber der Impfung.

Von Carsten Schroeder

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Masernimpfung: Eine Hand drückt eine Spritze in die Haut. (Klaus Rose/dpa)
Die Impfmuedigkeit in Deutschland fuehrt immer mehr zu schwerwiegenden Masernerkrankungen. (Klaus Rose/dpa)
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Die Masernwellen erreichen Deutschland alle ein bis zwei Jahre wie Sturmfluten die Küsten. Man weiß nie genau, wann sie kommen, aber man kann sicher sein, dass sie kommen. Es ist auch nie das gesamte Land betroffen, sondern es sind stets einzelne Regionen, in denen sie sich ausbreiten. Welche es beim nächsten Mal sein wird, lässt sich nicht vorhersagen. So wie man sich vor Sturmfluten mit Deichen schützt, genauso sollte man sich vor den Masern mit Impfungen schützen, und zwar durchgängig, und nicht punktuell. Aber das geschieht nicht in ausreichendem Maße, der Schutz ist löchrig.

Zweimal impfen ist wichtig

Grund dafür sind nur in zweiter Linie hartgesottene Impfgegner, die sich aus weltanschaulichen oder emotionalen Gründen weigern, ihre Kinder impfen zu lassen. Hauptgrund ist eine gewisse Nachlässigkeit oder Impfmüdigkeit. Während die meisten Eltern in Deutschland ihre Neugeborenen noch zuverlässig impfen lassen, wird die zweite Impfung nach 24 Monaten viel zu häufig vergessen. Dabei garantiert erst diese zweite Impfung den zuverlässigen Schutz. Doch nur etwa 75 Prozent der zweijährigen Kinder erhalten sie. Zu wenige, um die Masern auszurotten.

Das ist zwar höchst bedauerlich, aber nachvollziehbar. Gerade weil Eltern kaum noch Masernfälle sehen, unterschätzen sie die Gefahr und werden leichtsinnig. Die Komplikationen, die durch Masern entstehen können, werden dabei vergessen: Hirnhautentzündungen, Lungenentzündungen und schwere Mittelohrentzündungen. Manche Fälle enden tödlich, andere führen zu lebenslangen Schädigungen.

Geringe Krankheitszahlen machen nachlässig

Tatsächlich sind die Zahlen für dieses Jahr in Deutschland überschaubar: 929 Masernfälle hat die Ständige Impfkommission bislang gezählt. Das ist scheinbar wenig. Die Notwendigkeit einer zweiten Impfung leuchtet darum nicht jedem ein. Die Gesundheitsbehörden werden damit Opfer ihres eigenen Erfolges.

Dass es schlimmer kommen kann, zeigen die großen Masernausbrüche aus dem Jahr 2015, damals wurden 2.464 Fälle gezählt.

Während die meisten Eltern in Deutschland der Impfung grundsätzlich positiv gegenüberstehen, ist die Auseinandersetzung mit Impfgegnern weitaus schwieriger und emotional belastet. Vielfach scheinen es Lifestyle-Gründe zu sein, die sie zu ihrer Entscheidung führen. Die meisten von ihnen kommen aus der Mittelschicht, sind gut gebildet und fühlen sich einem natürlichen Lebensstil nahe. Impfungen scheinen ihnen irgendwie unnatürlich zu sein. Das ist zwar nachvollziehbar und nicht unsympathisch, aber es ist wie beim Schutz vor Sturmfluten: Auch Deiche sind unnatürliche Gebilde. Doch wer wollte bestreiten, dass sie sinnvoll sind?

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