Donnerstag, 15.11.2018
 
StartseiteVerbrauchertippWas Pflegezusatzversicherungen leisten20.08.2018

Vorsorge fürs AlterWas Pflegezusatzversicherungen leisten

Die Zahlungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung reichen meist nicht, um einen Platz im Pflegeheim komplett zu finanzieren. Pflegezusatzversicherungen können diese Lücke schließen. Welche Leistungen bieten sie, und worauf ist beim Abschluss einer solchen Versicherung zu achten?

Von Klaus Deuse

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Frau wird in einem Seniorenheim von einer Pflegerin betreut. (dpa/picture alliance/Jens Kalaene)
Eine Frau wird in einem Seniorenheim von einer Pflegerin betreut. (dpa/picture alliance/Jens Kalaene)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Buchautor Claus Fussek: "Dieser Pflegenotstand ist kein Tsunami, sondern hausgemacht"

Betroffenen-Initiative "Pflege von Angehörigen macht arm"

Roboter in der Pflege Tanz mit dem Maschinenwesen

Seit einem Jahr lebt die Mutter von Michael Wagner in einem Pflegeheim. Angesichts der Kosten von rund 4.000 Euro im Monat macht sich der Familienvater nun Gedanken über seine eigene Absicherung im Pflegefall. Berücksichtigt hat er dabei die ihm zustehende Rente und die Zahlung aus der gesetzlichen Pflegeversicherung."Ich habe festgestellt, da tut sich doch eine gewaltige Lücke auf, wenn man nicht selbst Vorsorge trägt. Weiterhin denke ich mir, dass es nicht ansteht, dass ich meine Kinder mit der Differenz belaste."

Pflegezusatzversicherung so früh wie möglich abschließen

Selbst bei einer Versorgung zu Hause durch einen Pflegedienst reicht das Geld aus der gesetzlichen Pflegeversicherung meist nicht mehr aus. Vorsorgen kann man  durch den Abschluss einer Pflegetagegeld-, einer Pflegekosten- oder einer Pflegerentenversicherung. Allerdings gibt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW in jedem Fall zu bedenken:"Eine Zusatzversicherung für den Pflegebereich abzuschließen, ist natürlich günstiger in jungen Jahren. Das Problem ist nur, dass man gerade in jungen Jahren den familiären Aufbau, den beruflichen Aufbau macht. Und da sind andere Sachen sehr viel wichtiger zu diesem Zeitpunkt."

Vor allem eine Berufsunfähigkeitsversicherung und die Altersvorsorge. Aber je später man eine Pflegezusatzversicherung abschließt, desto teurer wird sie. Für eine Pflegetagegeldversicherung etwa zahlt ein 55jähriger als Einsteiger im Monat rund 90 Euro. Dass sich diese hohen Beiträge wirklich lohnen, ist jedoch längst nicht sicher."Es ist nur so, dass die Verträge nicht beim Pflegegrad 1 das Gleiche bezahlen wie beim 5. Pflegegrad, sondern abgestuft ist das nach den einzelnen Pflegegraden. Es werden vielleicht am Anfang 15 Euro bezahlt, im höheren Pflegegrad dann gerade beispielsweise 50 Euro."

Risikoversicherung ohne Auszahlungsgarantie

Außerdem werden die Beiträge auch im Pflegefall weiter fällig. Man kann also durchaus mehr bezahlen als man jemals ausgezahlt bekommt. Und der Vertrag läuft ein Leben lang."Das ist ein reiner Risikobeitrag. Breche ich den Vertrag frühzeitig ab, bekomme ich auch keinerlei Leistung im späteren Schadenfall."

Dann ist das Geld komplett verloren. Vorsorgemöglichkeit zwei: Die Pflegekostenversicherung, die auch als Pflegeergänzungsversicherung bezeichnet wird. Hier werden nur nachweislich entstandene Kosten erstattet, insbesondere  Rechnungen von professionellen Pflegediensten. Allerdings auch meist nicht in voller Höhe."Diese Rechnung reichen Sie dann beim privaten Zusatzversicherer ein und bekommen einen Teil der Leistung erstattet."

Bei der teuersten Vorsorgemöglichkeit, der Rentenpflegeversicherung, zählt nur der Eintritt der Pflegebedürftigkeit."Die Pflegerentenversicherung ist im Grunde eine Art der Lebensversicherung. Werde ich pflegebedürftig, dann wird eine Rente ausgezahlt."

Wer aber mit 75 noch fit genug fürs Radfahren ist, der bekommt auch im Rentenalter nichts. Pflegezusatzversicherungen, betont Elke Weidenbach, sind keine Mussversicherungen. Jeder sollte sich vor Abschluss genau überlegen, was er bereits an bestehender Versorgung  neben der Rente und der gesetzlichen Pflegeversicherung besitzt."Bekommt er noch zusätzliche Renten ausgezahlt? Hat er vielleicht noch Vermögen, das er verwerten und nicht weiter vererben möchte?"

Etwa eine Immobilie, die man verkaufen und den Erlös für den Pflegefall einsetzen kann. All diese Faktoren sollte man berücksichtigen, bevor man eine Pflegezusatzversicherung abschließt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk