Verbrauchertipp 30.08.2019

Vorsorgeuntersuchungen für SchwangereKostenpflichtige Zusatzleistungen mit unklarem NutzenVon Julia Weigelt

Beitrag hören Eine schwangere Frau legt die Hände auf ihren Bauch. (imago/Kickner)Für Schwangere werden viele zusätzliche Leistungen und Test angeboten, mit oft unklarem Nutzen (imago/Kickner)

Die Verantwortung für das ungeborene Kind nehmen die meisten Eltern sehr ernst. Zusätzlich zu den üblichen Vorsorgeuntersuchungen bieten manche Frauenärzte Tests und Anwendungen an, die extra bezahlt werden müssen. Unter Druck setzen lassen sollten sie sich die Schwangeren dabei nicht.

Ob Streptokokken-Tests, Schwangerschafts-Akupunktur oder das sogenannte "Babyfernsehen" - der Markt mit Vorsorgeuntersuchungen und Spezialbehandlungen boomt. Rund eine Milliarde Euro geben werdende Eltern jedes Jahr für solche individuellen Gesundheitsleistungen - kurz IGeL – aus, schätzt der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Manche IGeL-Käufer werden allerdings von ihren behandelnden Ärzten auch zu den kostenpflichtigen Zusatzuntersuchungen gedrängt, berichtet Christian Weymayr vom IGeL-Monitor, den die gesetzlichen Krankenversicherungen finanzieren. 

IGeL-Angebote lohnen nicht

"Ja, dass es heißt: Sie kriegen keinen Termin, wenn Sie keine IGeL kaufen, die IGeL ist notwendig, ich mach gar nicht weiter, wenn Sie die IGeL nicht kaufen und solche Dinge. Es wird durchaus Druck aufgebaut, und ich denke, dass hier teilweise schon mit den Ängsten von Schwangeren Geld gemacht wird."

Der IGeL-Monitor untersucht im Auftrag der gesetzlichen Kassen die Wirksamkeit der Zusatzleistungen, die teils mehrere Hundert Euro kosten. Bei den überprüften Schwangerenangeboten lohnt diese Ausgabe laut IGeL-Monitor allerdings nicht: Sowohl Streptokokken-Tests als auch Schwangerschafts-Akupunktur oder zusätzliche Ultraschall-Untersuchungen wie das sogenannte "Babyfernsehen" erhalten die Bewertung "neutral". Das heißt, sie haben entweder keinen Nutzen, oder Nutzen und mögliche Schäden halten sich die Waage. Es spreche also auch nichts gegen diese Angebote, sagt Weymayr.

"Wichtig ist, dass Ärztinnen und Ärzte den Nutzen dieser Leistungen nicht übertreiben. Also wenn dann argumentiert wird: Das ist ganz wichtig, das ist notwendig, die Kassen zahlen das aber nicht, weil sie geizig sind, dann ist das keine gute Aufklärung und dann läuft da was schief."

Viele Tests - keine eindeutigen Diagnosen

Die Vorsorgeuntersuchungen aus dem Mutterpass sollten hingegen schon ernst genommen werden, sagt Elke Mattern. Sie ist Hebamme und forscht an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Von kostenpflichtigen Zusatzleistungen rät sie allerdings grundsätzlich ab. Denn die Tests verunsicherten viele Schwangere, deren Kinder gar kein Problem haben, denn diverse Untersuchungen könnten gar keine eindeutigen Diagnosen liefern. 

"Es kann sowohl vorkommen, dass Tests sagen: Das Kind ist gesund, und es ist trotzdem ein krankes Kind. Sie können aber auch sagen: Das Kind ist nicht gesund, und in ganz vielen Fällen ist es dann doch gesund."

Im Laufe der Schwangerschaft könne sich zudem viel verändern.

"Es kann immer mal vorkommen, dass dann eine Zyste entdeckt wird, die dann nach vier Wochen wieder weg ist."

Wenn man überredet werden soll - Arzt wechseln

Werdende Eltern bezahlen jedoch trotzdem immer häufiger für zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, sagt die Hebamme. Je mehr Tests auf dem Markt seien, desto mehr würden auch gebucht. Deswegen sollten sich werdende Eltern nicht verrückt machen lassen, sagt Elke Mattern. 

"Man sollte immer kritisch sein, wenn man zu etwas überredet werden soll. Dann würde ich den Arzt wechseln wollen."

Weil IGeL-Leistungen nie eilig seien, könne man außerdem immer um Bedenkzeit bitten, ergänzt Christian Weymayr vom IGeL-Monitor. Und sich weitere Informationen einholen: Etwa beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin, der Bundesärztekammer oder der Kassenärztlichen Vereinigung.

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