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StartseiteInformationen am MorgenNew Yorker Gouverneur Andrew Cuomo inszeniert sich als Opfer11.08.2021

Vorwürfe der sexuellen BelästigungNew Yorker Gouverneur Andrew Cuomo inszeniert sich als Opfer

Der Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo, hat seinen Rücktritt angekündigt. Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfache sexuelle Belästigung vor und spricht von einem toxischen Arbeitsumfeld für Frauen. Cuomo selbst räumt zwar Fehlverhalten ein, stellt sich aber als Opfer dar.

Von Doris Simon

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New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo gestikuliert am Rednerpult (picture alliance / NDZ/ STAR MAX/ IPx )
New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo ist zurückgetreten (picture alliance / NDZ/ STAR MAX/ IPx )
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20 Minuten lang dauerte die Videoaufzeichnung, in der New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo seinen Rücktritt ankündigte. Doch die meiste Zeit verwandte der 62-Jährige darauf, die Ergebnisse des vernichtenden Berichts der New Yorker Staatsanwaltschaft von letzter Woche abzustreiten: Ja, er habe Fehler gemacht und habe Frauen verletzt, dafür wolle er sich entschuldigen. Das, was die Staatsanwaltschaft als Grabschen, Küssen, und unangemessene Beleidigungen bezeichnet hatte, verteidigte Cuomo als wenig überlegte Versuche seinerseits, liebenswert zu sein. Den Bericht der Staatsanwaltschaft kritisierte Cuomo erneut als politisch motiviert, unfair und unwahr.

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Unerwünschte Berührungen, anzügliche Bemerkungen

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte tausende von Beweismitteln gesichtet und 179 Zeugen vernommen, bevor sie detailliert auf 165 Seiten Belege für die sexuelle Belästigung von elf Frauen, darunter Mitarbeiterinnen und eine Personenschützerin Cuomos, dokumentiert hatte. New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James fasste das Ergebnis letzte Woche so zusammen:

"Gouverneur Andrew Cuomo hat mehrere Frauen sexuell belästigt und dabei gegen Bundes- und Landesrecht verstoßen. Er hat sie unerwünscht und nicht einvernehmlich berührt, und er hat zahlreiche beleidigende Bemerkungen anzüglicher und sexueller Natur machte, die ein toxisches Arbeitsumfeld für Frauen schufen."

Gestern erklärte die Generalstaatsanwältin, Cuomos Rücktritt schließe ein trauriges Kapitel für ganz New York, aber es sei ein wichtiger Schritt in Richtung Gerechtigkeit.

Die Vorwürfe sexueller Belästigung hatten den New Yorker Gouverneur seit Monaten verfolgt, als sich die ersten Betroffenen entschlossen hatten, an die Öffentlichkeit zu gehen. Cuomo drohen mehrere Schadensersatzklagen, seit letzter Woche läuft auch eine strafrechtliche Ermittlung gegen ihn.

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Dynastie der Cuomos endet vorerst

Über die letzten Monate waren Rücktrittsforderungen auch von Parteifreunden immer lauter geworden, seit dem schockierenden Bericht der Staatsanwaltschaft stand New Yorks Gouverneur allein auf weiter Flur. Seine Stellvertreterin, alle demokratischen Bundespolitiker des Staates New York und US-Präsident Biden – sie alle hatten Cuomo aufgefordert, sein Amt niederzulegen. Das drohende Amtenthebungsverfahren des Parlaments von New York war dann wohl auch für Cuomo, der gern den starken Macher gibt, zu viel. Gestern präsentierte er sich vor allem als Opfer - und seinen Rücktritt als die Entscheidung eines Gouverneurs, der mit seinem Rücktritt das Wohl der Bürger vor Amt und persönliches Ansehen stellt.

Andrew Cuomos Rücktritt tritt in 13 Tagen in Kraft und beendet die Karriere eines Mannes, der im letzten Frühjahr noch als aufsteigender Stern in der Demokratischen Partei galt, wegen seines energischen Auftretens zu Beginn der Corona-Pandemie. Mit seinem politischen Aus endet fürs erste auch die Dynastie der Cuomos in New York. Andrews legendärer Vater Mario Cuomo war von 1982 bis 1994 drei Amtszeiten lang ebenfalls Gouverneur des Bundesstaates.

New York bekommt erstmals eine Gouverneurin

Mit Kathy Hochul bekommt New York nun zum ersten Mal eine Gouverneurin. Die 62-Jährige erfahrene Bundes- und Landespolitikerin aus dem Norden des Bundesstaates war jahrelang Cuomos Stellvertreterin. Gestern erklärte die moderate Demokratin, Cuomos Rücktrittsentscheidung sei richtig und im besten Interesse aller New Yorker.

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