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StartseiteKommentare und Themen der WocheNeue Folge aus der Seifenoper "Diesel-Gate"?14.04.2019

Vorwürfe gegen DaimlerNeue Folge aus der Seifenoper "Diesel-Gate"?

Das Kraftfahrtbundesamt hat ein Anhörungsverfahren gegen die Daimler AG wegen des Verdachts von Software-Manipulationen an Abgas-Reinigungsanlagen eingeleitet. Treffen die Vorwürfe zu, seien - wieder einmal - die Grenzwerte für Stickoxid-Emissionen um ein Vielfaches überschritten worden, meint Thomas Wagner.

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Das Logo der Automarke Mercedes-Benz der Daimler AG ist am 24.07.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf einem Gebäude des Werks Untertürkheim, in dem sich auch die Konzernzentrale befindet, zu sehen. (picture alliance/dpa - Marijan Murat)
Das Daimler-Werk Untertürkheim (picture alliance/dpa - Marijan Murat)
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Wieder mal eine neue Folge aus der unendlichen anmutenden Seifenoper "Diesel-Gate". So What? Was soll's? Haben wir was anderes erwartet? Irgendwie wird's langsam langweilig: Wieder einmal soll ein großer Autohersteller, in diesem Fall Daimler, illegale Software in die Motoren-Elektronik von Diesel-PKW  aufgespielt haben. Wieder einmal sind die Grenzwerte für Stickoxid-Emissionen, treffen die Vorwürfe zu, um ein Vielfaches überschritten worden. Und wieder mal ducken sich die Verantwortlichen hinter formalen Floskeln weg – der betroffene Konzern, die Behörden, das Ministerium. Man kooperiere bei der Aufklärung vollumfänglich, sagen die Manager. Man sage gar nichts zu laufenden Verfahren, sagen die Behördenvertreter. Die Umweltschützer sagen 'Skandal', Politiker sagen häufig, dass sie lieber nichts sagen wollen. Und wie immer werden sich die Wogen über alles in ein paar Tagen geglättet haben. Und dann sagt erst mal keiner mehr was dazu  - bis zur nächsten Manipulations-Schlagzeile.

Abgesehen davon, dass der Beweis für die jüngsten Vorwürfe noch nicht erbracht worden ist, haben viele Bürgerinnen und Bürger republikweit die Nase gestrichen voll von diesem Prozedere. Ein bisschen mehr Offenheit in Fällen, in denen ein begründeter Verdacht auf Manipulationen an Abgas-Manipulationen aufkommt, wäre eigentlich schon geboten – von Seiten der Behörden, aber auch von Seiten der Hersteller. Denn die Folgen dieser Manipulationen bezahlen in der Regel nicht die Hersteller, sondern die Nutzer: Dieselfahrverbote in Innenstädten, sinkender Gebrauchtwagenwert für gar nicht mal so alte Diesel-PKW  und schließlich die gar nicht mehr reine, weil mit Stickoxiden angereicherte Luft – das sind Auswirkungen, die nicht die Hersteller drücken, sondern deren Kunden.

Lippenbekenntnisse der Bosse

Und davon fordern viele insgeheim – zu Recht – eine neue Unternehmenskultur bei den Autokonzernen, die sich von Vorwurf zu Vorwurf, von Skandal zu Skandal zu hangeln scheinen. Es geht nicht nur um Lippenbekenntnisse der Bosse, die Aufklärung versprechen, Besserung geloben bis zum nächsten Skandal. Es geht vielmehr um transparente Strukturen in den Unternehmen,  um den Manipulationen nachhaltig zu entgegnen.Und es geht um das Bekenntnisder Manager: Ja, wir sind ehrlich um Verbesserungen bemüht.

Solche Bekenntnisse gibt es zuhauf – doch ob sie ehrlich gemeint sind, darf  bezweifelt werden. Statt die verschärften CO-2-Grenzwerte mit einem tatkräftigen "Yes, we can" zu parieren, hagelte es erst mal Bedenken zuhauf. Statt Hardware-Nachrüstsätze für ältere Diesel  willkommen zu heißen, übertrafen sich die Manager im Vortragen von Bedenken. Und auch dass viele Konzerne jetzt bei der Elektromobilität mehr Gas geben, geschieht ja nicht ganz freiwillig: Durch ihre Co-2-Emissionswerte für die gesamte Flotte einer Marke übt die EU hier nicht unerheblichen Druck aus.

Wird doch keiner merken ...

Mehr Aufrichtigkeit gegenüber ökologischen Belangen von Seiten der Autoindustrie wäre längst überfällig. Doch genau daran mangelt es - und das zeigt sich auch im jüngsten Fall von Daimler, wenn die Vorwürfe denn zutreffen. Nicht nur, dass der Konzern Betrugssoftware auf 60.000 PKW aufgespielt haben soll. Er soll darüber hinaus auch, nach den ersten Schlagzeilen über Dieselgate, diese Software still und heimlich wieder entfernt haben. Wird doch keiner merken. Daimler verhält sich, wenn das stimmt, treffen die Vorwürfe zu, ähnlich wie ein ertappter Ladendieb, der verlangt, dass er sein Diebesgut einfach wieder ins Regal zurücklegen kann. So einfach ist das aber nicht. Nur die zuständigen Manager haben das, treffen die Vorwürfe zu, nicht erkannt.

Und so stirbt dann die Hoffnung auf eine Besserung der Manager-Kultur in den Autokonzernen zwar zuletzt. Aber es ist derzeit doch eher eine kleine, bescheidene Hoffnung.

So warten wir denn auf die nächste Episode in der unendlich lang anmutenden Seifenoper "Dieselgate." Anstatt tatt dass man diese Seifenoper mal endlich ganz absetzen würde -ohne weitere Fortsetzungen.

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