Donnerstag, 20.06.2019
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
Startseite@mediasres"Ich bleibe bei meinen Aussagen"16.01.2019

Vorwürfe gegen Journalist Shams Ul-Haq"Ich bleibe bei meinen Aussagen"

Dem Journalisten und Islamismus-Experten Shams Ul-Haq wird vorgeworfen, bei seinen Recherchen nicht transparent genug vorgegangen zu sein - viele Fragen blieben offen. Shams Ul-Haq weist die Vorwürfe zurück. Er könne seine Recherchen belegen und bleibe bei seinen Aussagen, sagte er im Dlf.

Shams Ul-Haq im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Veranstalter Shams Ul-Haq (r.), deutscher Journalist mit pakistanischen Wurzeln, hält bei der "Demonstration gegen Terror" am 01.07.2017 in Frankfurt ein Megafon in der Hand. Links daneben, Gastredner Imam Ismail Bukhari aus Stuttgart. (dpa / picture alliance / Wolfgang Minich)
Der Journalist Shams Ul-Haq (r.) bei einer "Demonstration gegen Terror" (dpa / picture alliance / Wolfgang Minich)
Mehr zum Thema

Falsche Interviewangebote Und dann meldet sich "Claas Relotius"...

Franszika Augstein "Eine Redaktion darf kein totalitäres System sein"

Medienwissenschaftler "Extrem subjektives Storytelling ist vorbei"

Betrug beim "Spiegel" "Wir werden auf jeden Fall unsere Methoden überprüfen"

"Spiegel"-Fälschungsskandal "Ein absoluter Ausnahmefall"

Diesem Interview ging ein Beitrag voraus, in dem Recherchen des Journalisten Shams Ul-Haq in Frage gestellt worden sind. Diesen können Sie hier nachhören.

Sebastian Wellendorf: Ich hab mit Shams Ul Haq nochmal konkret über einige der Vorwürfe im Beitrag gepsrochen und ihn zunächst gefragt  Wann und wie der Kontakt zur damals inhafiterten Asia Bibi zustande kam

Shams Ul-Haq: Der Kontakt zu Asia Bibi, ich habe niemals gesagt – können Sie überall lesen –, ich habe niemals gesagt, dass ich Asia Bibi in der Totenzelle besucht habe. Wenn Sie das Interview im "Vatican" genau lesen, habe ich gesagt, dass ich Asia Bibi damals besucht habe. Von damals muss man erst mal auch wissen, wann der Fall angefangen hat. Das war 2010. So, und der andere Punkt: Wir Journalisten wissen doch, wie leicht es ist, in Pakistan, mit Bakschisch, mit Geld in einem Gefängnis Leute zu besuchen. Und natürlich, offiziell ist das für Journalisten von Politikern nicht möglich, die Leute im Gefängnis zu besuchen. Das ist ganz normal.

Wellendorf: Aber verstehe ich richtig, Sie haben sie im Gefängnis nicht besucht.

Ul-Haq: Noch mal: 2010 …

Wellendorf: Ja, das habe ich verstanden, Herr Haq. Haben Sie sie im Gefängnis besucht? Sie haben das gerade verneint, richtig?

Ul-Haq: Genau … Nein, ich verneine das nicht. Ich verneine das nicht. Ich sage Ihnen, weil wenn man das … wenn ich jetzt das Ihnen sage, damit sind viele Leute gefährdet.

Wellendorf: Das heißt, Sie können nicht genau sagen, hier in der Öffentlichkeit können Sie nicht sagen, ob Sie sie im Gefängnis besucht haben.

Ul-Haq: Ich möchte es nicht … Sie haben richtig verstanden.

Wellendorf: Gut.

Ul-Haq: Ich möchte es nicht in der Öffentlichkeit sagen.

Wellendorf: Okay.

Ul-Haq: Und ich bleibe dabei, dass ich damals, 2010, den Kontakt zu Asia Bibi, zu ihrer Familie, dem Umfeld, habe. Dabei bleibe ich.

"Ich kann zeigen, dass ich Kontakt mit dem Verfassungsschutz habe"

Wellendorf: Ein zweiter Aspekt aus dem Beitrag: Die Leipziger Al-Rahman-Moschee steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Wie kommen Sie allerdings zur Aussage, dass das eine Ausbildungsstätte für Imame sei?

Ul-Haq: Ich bleibe bei meiner Aussage. Der Verfassungsschutz, Politiker, alle sind böse auf mich, weil ich etwas aufgedeckt habe, was denen nicht gelungen ist. Die Al-Rahman-Moschee beobachte ich seit 2016. Wenn man ein bisschen richtig recherchiert, war ich schon Undercover als Flüchtling, wo ich Flüchtlingsheime besucht habe für die "Märkische Allgemeine Zeitung" 2006 in Dresden, Leipzig und unterwegs. Das braucht man nur googeln.

Und seit 2016 beobachte ich die Al-Rahman-Moschee, und der Abul Baraa den ich im ZDF-Beitrag gezeigt habe mit den Kollegen, hat seine Imam-Ausbildung in der Al-Rahman-Moschee bei diesem Imam gemacht, und ich bleibe dabei, dass die Al-Rahman-Moschee der Hotspot für Salafisten sind.

Da werden seit 2015 schon bis heute immer wieder Imame ausgebildet. Was heißt Imame ausbilden – das heißt, da wird Islamunterricht stattfinden. Aber einer hat wieder hier, der Herr Volker Siefert, nicht recherchiert. Ich habe das gesagt, dass es dieser Ausbildungsplatz ist, aber das ist gar nicht in der Moschee. Es gibt einen Hinterhof, hinter der Moschee gibt es ein anderes Gebäude, wo dieser Islam-Unterricht, dieser Koran-Unterricht stattfindet. Und ich habe …

Wellendorf: Und davon, Entschuldigung, hat das Landesamt für Verfassungsschutz noch nichts mitbekommen.

Ul-Haq: Natürlich haben sie das nicht mitbekommen, oder sie haben es mitbekommen, und sie wollen es nicht zugeben. Und ich habe auch in vielen Zeitungsinterviews gesagt, dass der Verfassungsschutz, ihre V-Männer in den Moscheen in Deutschland ausreichend weiß, sind als Doppelagent spielen, und viele – das ist ja die journalistische Undercover-Arbeit –, ich kann zeigen, dass ich auch Kontakt mit dem Verfassungsschutz habe und sie das mir bestätigt haben.

"Ich kann Ihnen alles belegen"

Wellendorf: Eine Frage noch zur Finanzierung Ihrer Recherchen, die auch im Beitrag angesprochen wurde: 100 Moscheen haben Sie besucht, in denen Sie recherchiert haben, und haben dort jeweils, nach eigenen Angaben, 100 bis 300 Euro gespendet, und dazu kommt dann auch noch die Recherchereise, die Sie unternommen haben, unter anderem Österreich und in der Schweiz. Das sind enorme Kosten.

Ul-Haq: Richtig.

Wellendorf: Wie genau konnten Sie Ihre Recherchen finanzieren?

Ul-Haq: Ich kann Ihnen alles mit Quittung, mit Geld, alles belegen. Wenn man von 2015 bis zur Abgabe des Buches recherchiert, ist das kein Problem, 150 Moscheen zu besuchen, und da hat sich ZDF und auch andere deutsche Zeitungen und österreichische Zeitungen, die diese Recherche mitfinanziert haben, das alles Geld vorliegt. Und noch ein Punkt: Zeigen Sie mir in dem Buch, wo ich geschrieben habe, dass ich in jede Moschee 100 Euro abgegeben habe.

Wellendorf: Das stimmte nicht?

Ul-Haq: Das stimmt nicht. Und ich bleibe bei meiner Aussage: Ich habe in diesen zwei Jahren 150 Moscheen in Deutschland besucht, und ich habe eine Liste. Nur der Politik, dem Verfassungsschutz gefällt das alles nicht.

Wellendorf: Da wird sich möglicherweise dann auch aus Interesse das Landesamt für Verfassungsschutz bei Ihnen noch mal melden, um die Infos von Ihnen zu bekommen.

Ul-Haq: Natürlich. Ich habe Ihnen gesagt, noch mal: Ich arbeite mit Verfassungsschutzleuten zusammen, aber ich muss das doch nicht sagen. Verstehen Sie?

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk