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StartseiteMusikjournal"Im Festivalbereich haben Dumpinglöhne System"19.02.2018

Vorwürfe gegen Tiroler Festspiele"Im Festivalbereich haben Dumpinglöhne System"

Von Lohndumping bis Vergewaltigung - die Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele im österreichischen Erl und ihren Gründer sind massiv. Alles, was dem Verein art but fair darüber zugetragen werde, sei so hanebüchen, sagte ihr Vorsitzender für Deutschland, Johannes Maria Schatz, im Dlf. Art but fair will nun nun Anzeige erstatten.

Johannes Maria Schatz im Gespräch mit Raoul Mörchen

Johannes Maria Schatz, Initiator von "art but fair" sitzt am 27.08.2013 in Hagen (Nordrhein-Westfalen) in seinem Garten. (picture alliance/dpa - Caroline Seidel)
art-but-fair-Initiator Schatz (in einer Aufnahem von 2013). Der Verein kämpft für faire Arbeitsbedingungen im Kulturbetrieb. (picture alliance/dpa - Caroline Seidel)
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Der Journalist Markus Wilhelm hat schwere Vorwürfe in seinem Internetblog ditiwag.org erhoben. Wilhelm berichtet von "Schandlöhnen, unterirdischen Arbeitslöhnen, Tyrannei, Machtmissbrauch und Dritter Welt" bei den Tiroler Festspielen in Erl. Seine Anschuldigungen stützt der Journalist auf anonymen Aussagen von Leidtragenden. Der Hauptbeschuldigte - Festivalchef Gustav Kuhn - hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Dementi oder juristische Verfolgung

"Seit 2013 beschäftigen wir uns in schöner Regelmäßigkeit mit den Tiroler Festspielen und mit Gustav Kuhn", so Schatz vom Verein art but fair Deutschland e.V. Bislang hätten die betroffenen Künstler anonym bleiben wollen, "weil sie ganz offensichtlich Angst vor Konsequenzen hatten". Diese Musiker kämen überwiegend aus Weißrussland, erklärte Schatz. Sollte es stimmen, dass zwischen EU-Bürger und Nicht-EU-Bürger unterschiedlich bezahlt würde, "dann ist das ein Skandal erster Güte".

Es gebe zwei Möglichkeiten hinsichtlich der schweren Vorwürfe gegen das Festival und seinen Leiter: Entweder stimme das, was Markus Wilhelm auf seinem Blog veröffentlicht hat, "dann muss das juristisch geahndet werden", betonte Schatz. Wenn es sich als Unwahrheit herausstelle, "dann braucht es ein klares Dementi von Erl." Der Verein werde nun gegen die Tiroler Festspiele Betriebs GmbH Anzeige erstatten, um die Vorwürfe juristisch prüfen zu lassen.

Die Festivalbesucher und Konsumenten trügen auch eine Mitverantwortung und sollten hinterfragen, ob die mitwirkenden Künstler auch fair bezahlt würden, so Schatz. "Bei mir ist es inzwischen so, dass ich bestimmte Festivals nicht mehr besuche, weil ich ganz genau weiß, dass mein Geld nicht bei den Künstlern ankommt, sondern vielleicht bei zwei oder drei Leuten aus der Geschäftsführung und dem Management und die Musiker das Geld mit Sicherheit nicht sehen."

Massive Vorwürfe sexueller Gewalt durch den Festivalleiter

Auch durch die MeToo-Debatte hätten viele Frauen in Österreich Mut gefasst und haben sich nicht nur an den Verein, sondern auch an Wilhelm gewandt. Hinsichtlich der Tiroler Festspiele geht es nicht nur um sexuelle Belästigung und Nötigung, sondern auch um den Vorwurf der Vergewaltigung. "Und wenn dem so ist, dann sind das klare Straftatbestände, die juristisch aufgeklärt werden müssen oder umgekehrt: Der Herr Kuhn muss dementieren."

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