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StartseiteVerbrauchertippMit 50 schon die Rente planen19.06.2018

Vorzeitiger RuhestandMit 50 schon die Rente planen

Rente erst mit 65 oder gar 67 Jahren - mehr als die Hälfte der Rentenversicherten kann sich das nicht vorstellen. Wer aber früher aufhören will zu arbeiten, kriegt häufig weniger Rente. Für wen sich das trotzdem lohnt, hat die Stiftung Warentest überprüft.

Von Dieter Nürnberger

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Drei Senioren (zwei Männer und eine Frau) sitzen auf einer Bank. (imago stock&people)
Nach 45 Versicherungsjahren können Menschen ohne große Kürzungen in den Ruhestand gehen. (imago stock&people)
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Wer früher in Rente gehen will, sollte sich rechtzeitig darum kümmern. Am besten schon mit rund 50 Jahren, weil dann noch reichlich Zeit bleibt, um dafür die Weichen zu stellen. Und der erste Weg sollte auf jeden Fall zur Deutschen Rentenversicherung führen, denn hier liegt nicht nur der gesamte Versicherungsverlauf vor. Hier erfährt der Versicherte auch, wie bisher nicht berücksichtigte Zeiten angerechnet werden können und wie es um mögliche freiwillige Zahlungen steht. Theo Pischke von der Stiftung Warentest: "Die Deutsche Rentenversicherung muss die Versicherten auch so beraten, dass sie ihren Rentenanspruch voll ausschöpfen. Das ist anders als beim Finanzamt - wenn Sie da Ihre Steuererklärung machen und der Finanzbeamte merkt, dass Sie etwas vergessen haben, dann ist das Ihr Pech. Da gibt es auch viele Angebote: Es gibt die Beratungsstellen, es gibt eine telefonische Beratung und es gibt einen Internetauftritt, der sehr informativ ist."

Wer 45 Versicherungsjahre auf dem Buckel hat, gilt als "besonders langjährig Versicherter". Wer diese Voraussetzung erfüllt, kann ohne große Kürzungen - in der Rentenversicherung Abschläge genannt - den frühzeitigen Ruhestand anpeilen. Allerdings steigt derzeit auch hier das Eintrittsalter an. "Jetzt also nicht mehr mit 63, sondern ein paar Monate später. Aber: Die Rente wird halt ohne Abschläge dann auch bezahlt. Wobei man ein kleines Rentenminus hat, weil man ja - bei einem vorzeitigen Gang in die Rente - bis zur Regelaltersgrenze keine Beiträge mehr zahlt. Somit baut man auch keine Rentenansprüche mehr auf."

Erst nach 18 Jahren zahlt sich Regelaltersrente aus

Auch wer mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen kann, darf früher gehen. Allerdings sind hier die Abschläge deutlich höher. Es gilt die Faustregel: Jeder vorgezogene Monat bedeutet 0,3 Prozent weniger Rente. Hinzu kommt, dass bei diesem Modell auch keine Beiträge bis zum regulären Rentenbeginn mehr eingezahlt werden und das schmälert die spätere monatliche Zahlung zusätzlich. Auf den ersten Blick sind das herbe Verluste, sagt Warentester Theo Pischke, doch kann ein längerer Rentenbezug dafür sorgen, dass in der Gesamtsumme der Auszahlungen mehr Geld fließt.  

"Wir haben festgestellt, dass erst nach 18 Jahren Rentenbezug der Rentner, der in Regelaltersrente geht, unterm Strich mehr Rente hat als der, der vorzeitig in Rente gegangen ist. Und wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung für 65-Jährige derzeit bei 82 Jahren liegt, dann muss jeder selber schauen, wie seine Lebensplanung ist, mit welcher Lebenserwartung er rechnet."

Wem die prognostizierten Abschläge bei der Rente zu hoch sind, kann dies zudem per freiwilliger Zahlung ausgleichen. Das ist ab dem 50. Lebensjahr möglich. Für die Stiftung Warentest ist dies ein eher teures Verfahren. Allerdings können die freiwilligen Beiträge auch als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Das hier eingezahlte Geld erhöht auf jeden Fall die Rente, unabhängig davon, wie lange man arbeiten geht.

Wer früher in Rente will, muss also in vielen Fällen mit Abschlägen rechnen. Private und betriebliche Altersvorsorge kann dies zumindest ausgleichen, so das Fazit der Stiftung Warentest. "Viele haben ja auch noch weitere Vorsorgeverträge abgeschlossen oder sie haben etwas gespart. Aber viele, die nichts zur Seite legen konnten, für die könnte das natürlich problematisch sein, diese Abschläge zu verkraften. Weil sie doch spürbar sind und die Rente wird doch um einiges geschmälert."

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