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StartseiteWirtschaft und GesellschaftEs hätte schlimmer kommen können31.05.2016

VW-QuartalsberichtEs hätte schlimmer kommen können

Ein respektables Ergebnis unter schwierigen Bedingungen: So fasst VW-Chef Matthias Müller den mit Spannung erwarteten Quartalsbericht des Konzerns zusammen. Und auch wenn die Folgen des Abgasskandals noch deutlich spürbar sind, gibt es auch Positives zu berichten.

Von Hilde Weeg

VW-Konzernchef Matthias Müller bei der Bilanzpressekonferenz. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Vorstandschef Müller selbst bezeichnet 2016 als ein "anspruchsvolles Jahr". (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
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Das operative Ergebnis des VW-Konzerns im ersten Quartal beträgt vor Sondereinflüssen insgesamt 3,1 Milliarden Euro – gegenüber 3,3 Milliarden Euro im ersten Quartal 2015. Die operative Rendite vor Sondereinflüssen ging damit auf 6,1 von zuvor 6,3 Prozent zurück. Der Umsatz sank um rund 1,3 Milliarden auf 51 Milliarden Euro. Der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller lässt sich zur Bilanz mit den Worten zitieren: "Wir haben unter schwierigen Bedingungen respektable Ergebnisse erwirtschaftet."

Nach der Veröffentlichung der schlechtesten Jahresbilanz für 2015 vor vier Wochen liege das erste Ergebnis für das laufende Jahr durchaus im Bereich der Erwartungen, so der Nord LB-Finanzanalyst Frank Schwope:

"Es ist natürlich nach Steuern ein Gewinneinbruch, aber angesichts der Dieselthematik hätte man sich auch durchaus Schlimmeres vorstellen können."

Für das weitgehend stabile Ergebnis sorgten dabei die Marken Audi, Porsche und auch Skoda. Porsches Anteil wiegt dabei mit 895 Millionen Euro schwer. Die Kernmarke VW bleibt dagegen ein Sorgenkind, das im ersten Quartal nur 73 Millionen Euro einfahren konnte.

Spürbare Folgen des Diesel-Skandals

Es ist schon auffallend, dass Ergebnis der Marke VW recht schlecht ausgefallen ist, was aber durch den Dieselskandal zu erklären ist.

Dabei sind die Absatzzahlen der Pkw mit rund einem Prozent im In- und Ausland nur leicht rückläufig. Was VW zu schaffen macht, sind gleich mehrere Baustellen der Kernmarke: Die früheren Zugpferde Golf und Passat lahmen, die Rückrufaktion stockt, die genauen Kosten der zahlreichen Rechtsstreitigkeiten im In- und Ausland sind noch immer nicht bezifferbar.

Sowohl die Aufklärung und Abwicklung des Skandals, als auch starke Rabatt- und Werbeaktionen schlagen mit hunderten Millionen Euro zu Buche. Darüber hinaus muss VW sowohl die Aufarbeitung des Skandals, als auch einen Konzernumbau und die Umstellung auf E-Mobilität im laufenden Betrieb leisten. Eine weitere kritische Zahl in der Bilanz: Der Gewinn aus der chinesischen Joint Ventures sank von 1,6 auf 1,2 – also um 25 Prozent. Für Schwope eine der auffälligsten Zahlen:

Das kann nicht nur durch Modellwechsel zu erklären sein, das ist ein enttäuschendes Ergebnis.

Die Situation wirkt sich für die Beschäftigten unterschiedlich stark aus: Während in Deutschland die Zahl der Beschäftigten leicht gesunken ist, steigt sie im Ausland, insgesamt ein Plus von einem halben Prozent. Aber auch hier drohen weitere Auseinandersetzungen: Im Werk in den USA verlangen die Gewerkschaften mehr Mitsprache, in Deutschland sollen noch in diesem Jahr verbindliche Stellenzusagen ausgehandelt werden.

Verkauf vollzogen

Bereits im Vorjahr angekündigt und nun vollzogen ist der Verkauf der Anteile am Weltmarktführer für Leasing- und Fuhrparkmanagement LeasePlan, an dem VW zur Hälfte beteiligt war. 2,2 Milliarden Euro Einnahmen kann VW dafür verbuchen. Das Leasinggeschäft wird weitgehend die Volkswagen Bank übernehmen. Diese Aufstockung des Kapitalpolsters kann VW gut gebrauchen.

Vorstandschef Müller selbst bezeichnet 2016 als ein "anspruchsvolles Jahr". Übersetzt heißt das: Es wird angesichts der Baustellen eines der schwierigsten der Firmengeschichte sein.

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