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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Strafe mit Einschränkungen09.12.2019

WADA-Sanktion gegen RusslandEine Strafe mit Einschränkungen

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat Russland für vier Jahre von der internationalen Sportbühne verbannt. Das sei eine Strafe, bei der viel davon abhänge, wie sie umgesetzt werde, kommentiert Marina Schweizer. Nach Russland sollte sich die WADA gleich um den Rest der Betrüger im Weltsport kümmern.

Von Marina Schweizer

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Im polnischen Kattowitz fand Anfang die 5. Konferenz der Welt-Anti-Doping-Agentur statt. (Alexey Vitvitsky / Sputnik/dpa)
Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat Russland für vier Jahre aus dem organisierten Sport ausgeschlossen. (Alexey Vitvitsky / Sputnik/dpa)
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Es sind die strengsten Sanktionen, die die Welt-Anti-Doping-Agentur bisher gegen ein Land verhängt hat. Die wichtigste davon: Kein russischer Athlet, keine russische Athletin darf in den kommenden vier Jahren unter russischer Flagge an einem internationalen Großereignis teilnehmen. Dafür wird laut WADA nur zugelassen, wer seine Unschuld beweisen kann. Und: Russland darf in dieser Zeit keine Großereignisse, wie Weltmeisterschaften austragen.

Eine robuste Reaktion, so nennt es der Chef der WADA. Aber ist die Welt-Anti-Doping-Agentur wirklich die Kämpferin mit dem scharfen Schwert? Wird es Russlands Sport am Ende wirklich so treffen, dass endlich Schluss ist mit dem systematischen An-der-Nase-Herumführen? Noch gibt es so viele Fragen, dass sich das vermeintlich scharfe Schwert schnell in einen Seitenhieb verwandeln könnte, der nicht allzu weh tut.

Scharfes Schwert oder nur leichter Seitenhieb?

Immerhin: Einen Wirkungstreffer könnte das Aus für Weltmeisterschaften in Russland erzielen. Das würde den Stolz dieser Sportnation sicher ankratzen. Aber schon jetzt hört man Einschränkungen: Man muss prüfen, was kurzfristig praktikabel ist. Und: Es betrifft ohnehin nur die Weltverbände mit ihren Weltmeisterschaften. Eine Strafe die schnell zu Gummi werden kann, wenn die Verbände nicht streng sind.

Dazu kommt: Ein Komplettausschluss für Athleten wäre möglich gewesen – aber man hat sich dagegen entschieden. Und deshalb sieht vieles danach aus, als würden bei Olympia in Tokio wieder Hunderte russische Athleten hinter neutraler Flagge einlaufen – und jeder wird wissen, wer sich dahinter verbirgt. Das hat es schon mal gegeben und man hat trotzdem weiter manipuliert. Was muss eigentlich noch alles passieren, damit man das schärfst mögliche Schwert auspackt?

Individuelle Gerechtigkeit gibt es nicht

Es gibt 145 eindeutige Fälle in den manipulierten Daten - Athleten, die wohl geschützt worden sind. Man kennt sie, sie werden nicht antreten dürfen. Und der Rest? "Unschuldige Athleten sollen geschützt werden", heißt es von der WADA und vom IOC immer wieder. Das klingt erst einmal fair. Aber: Was ist mit den Athleten, deren Daten nicht zweifelsfrei sind? Wenn Nachweise gefälscht und gelöscht wurden – dann kann man niemandem trauen. Umso erstaunlicher, dass die WADA und auch viele andere Vertreter aus dem Weltsport nach wie vor eine Rhetorik an den Tag legen, die die Chance der individuellen Gerechtigkeit vorgaukelt. Eine Einzelfallprüfung steht und fällt damit, wie streng sie ist.

Und was, wenn man den Spieß einmal herumdreht: Warum sollten saubere Athleten, die an höchsten Standards gemessen werden, dafür bestraft werden?

Selbst die WADA hat inzwischen ihre Wortwahl verändert. Vom negativ klingenden Kampf gegen Doping zum Slogan "saubere Athleten müssen geschützt werden". Sie sollte ihr Schwert jetzt wirklich schärfen, es einsetzen – und sich nach Russland gleich um den Rest der Betrüger im Weltsport kümmern.

Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer studierte Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München, längere Auslandsaufenthalte in Alaska/USA. Während und nach dem Studium arbeitete sie als freie Reporterin u. a. für den SWR-Hörfunk, bevor sie ein crossmediales Volontariat bei Deutschlandradio absolvierte. Nach einem Jahr als Junior-Redakteurin in den Redaktionen Sport und Zeitfunk arbeitet sie heute beim Deutschlandfunk als Redakteurin und Moderatorin in der Sportredaktion und als Moderatorin im "Zeitfunk".

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