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StartseiteInterviewPolitologe: Ungleichheit spiegelt sich in Parlamenten wider30.11.2019

WählerverhaltenPolitologe: Ungleichheit spiegelt sich in Parlamenten wider

Es gebe eine Schieflage in der Gesellschaft, sagte Politologe Armin Schäfer im Dlf. Diese falle zugunsten derjenigen aus, denen es besser gehe. Das zeige auch die Zusammensetzung der Parlamente: Bestimmte Gruppen seien dort überrepräsentiert, andere kaum vorhanden. Hier müsse man ansetzen.

Armin Schäfer im Gespräch mit Jürgen Zurheide

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In dem sächsischen Ort Cannewitz hängt an einer Hauswand ein blaues Schild mit der weißen Aufschrift "Wahllokal". Darunter ist ein Zigarettenautomat. (Picture Alliance / dpa / Jan Woitas)
Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung denke, dass die deutsche Demokratie nicht gut funktioniere, so der Politologe Armin Schäfer (Picture Alliance / dpa / Jan Woitas)
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Menschen mit geringerem Einkommen beteiligten sich sehr viel seltener an Wahlen - aber auch an anderen Formen der demokratischen Beteiligung, sagte der Politologe Armin Schäfer im Deutschlandfunk. Zudem "beobachten wir eine Schieflage auf der Ebene der politischen Entscheidungen." Diese falle zugunsten derjenigen aus, denen es besser gehe in der Gesellschaft. "In der Summe führe das dazu, dass sich bestimmte Gruppen - nicht ganz zu Unrecht -  nicht ganz vertreten fühlten." Dazu gehörten Ärmere, Menschen mit geringerer formaler Bildung und bestimmte Berufsgruppen.

Andere Gruppen fänden sich in den Entscheidungen besser wieder. Diese "Ungleichheit" schade dem Ansehen von Demokratie. Die Entscheidung, wählen zu gehen, stünde zwar jedem offen, allerdings sei sie keine "rein individuelle". Die Entscheidung sei oft abhängig vom Familien- und Freundeskreis. Da gebe es je nach Umfeld "Verstärkungs- und Abschwächungseffekte". Das verstärke gegebene Ungleichheiten, so der Politikwissenschaftler von der Westfälische Wilhelms-Universität in Münster.

Protest- und Nichtwähler

Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung denke, dass die Demokratie, so wie sie momentan in Deutschland organisiert sei, "nicht gut funktioniert." Die Unzufriedenheit und das mangelnde Gefühl von Repräsentanz haben Folgen: "Das sind beides Faktoren, die dazu beitragen, entweder nicht wählen zu gehen oder für Protestparteien zu stimmen."

Bei politischer Ungleichheit handele sich um Trends, die sich "über zwei, drei Jahrzehnte verfestigt haben" - deshalb könne man das nicht über Nacht ändern. Die politische Ungleichheit spiegele sich aber auch in den Parlamenten wider. Im Deutschen Bundestag säßen über 80 Prozent Akademiker - auch bestimmte Berufsgruppen seien überrepräsentiert, andere gar nicht vorhanden. Hier sieht Schäfer einen Ansatzpunkt. Mit einer stärkeren Repräsentanz anderer Gruppen fänden dann auch andere Diskussionen statt und es würden andere Entscheidungen herbeigeführt.

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