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StartseiteVerbrauchertippWenn die Waschmaschine zur Keimschleuder wird11.03.2020

WäschehygieneWenn die Waschmaschine zur Keimschleuder wird

Mikrobiologen haben bei einem Test bei 13 Waschmaschinen insgesamt 229 verschiedene Bakterienarten gefunden. Diese sind nicht nur für üblen Geruch verwantwortlich, sondern können auch krank machen. Um das zu verhindern, sollte man beim und nach dem Waschen einiges beachten.

Von Stefan Michael

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Blick in ein Waschmaschinen-Bullauge: Darin befindet sich Buntwäsche. (picture alliance / dpa / S. Dona)
Waschmaschinenkeime sorgen für schlechte Gerüche und sitzen oft in der Dichtung am Bullauge (picture alliance / dpa / S. Dona)
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Bäh! Das Bettzeug duftet nicht nach Veilchen, wie es das sollte. Es müffelt nach modrigem Keller. Den Schuldigen an diesem miesen Geruch hat der Mikrobiologe Markus Egert von der Hochschule Furtwangen ausgemacht.

"Moraxella osloensis ist so ein bekanntes Stinker-Bakterium, was schlechten Geruch erzeugen kann. Und das haben wir besonders in der Bullaugen-Dichtung gefunden. Und die Hypothese wäre jetzt, dass es von dort a) schlechten Geruch in der Waschmaschine erzeugen kann oder b) vielleicht auch auf die Wäsche überspringt und dann zu schlecht riechender Wäsche führen kann."

Das Stinker-Bakterium ist keineswegs das einzige, das Egerts Team in Waschmaschinen gefunden hat.

"Das waren 229 verschiedene Arten von Bakterien in 13 Waschmaschinen, die wir untersucht haben."

Keimschleuder Spülgang

Haben all diese Bakterien nun einfach nur in der Waschmaschine ihr Zuhause, oder wandern sie auch mit der Wäsche aus?

"Gerade so im letzten Gang, wenn die Maschine spült, dann kommen alle Mikroben, die sich in der Maschine befinden, mit dem Spülwasser durchaus auch auf die Textilien und damit dann auf die menschliche Haut."

Für gesunde Menschen mit vollkommen intakter Haut bedeutet das keine Gefahr. Aber: "Man muss aufpassen, wenn jemand akut krank ist zu Hause, also zum Beispiel ne Durchfallerkrankung hat oder Fußpilz, dann muss ich sicher sein, dass ich mit der Wäsche das nicht in der Familie verbreite."

Umweltschonendes Waschen kann zur Gefahr werden

Auch für Säuglinge und Pflegebedürftige, für Menschen mit Immunschwäche, äußeren Verletzungen oder Hautkrankheiten können die Bakterien aus der Waschmaschine gefährlich sein. In all diesen Fällen ist umweltschonendes Waschen bei 30 Grad mit Wassersparprogramm und Flüssig-Waschmittel überhaupt nicht angesagt.

Denn das ist ein Bakterien-Zuchtprogramm, sagt Markus Egert: "Ich muss einfach abschätzen, wann ich hygienisch waschen sollte und wann nicht. Also, wenn ich eine Bluse ein Mal angehabt habe im Büro, kann ich die guten Gewissens bei 20 Grad mit einem Flüssigwaschmittel waschen."

Eine Frau hängt auf einer Wäscheleine weiße Kleidung und T-Shirts auf, in denen noch ihre Kinder stecken. (imago/ fStop Images)Nach dem Waschgang sollte man die Wäsche direkt aufhängen und nicht in der Waschmaschine lassen (imago/ fStop Images)

Waschpulver statt Flüssigwaschmittel verwenden

Was dagegen für keimfreie oder wenigstens keimarme Wäsche nötig ist, erklärt der Hygiene-Chef der Bonner Unikliniken, Martin Exner:

"Wir empfehlen mindestens eine Temperatur bei 40 Grad, besser 60 Grad für die Leibwäsche, also die Wäsche, die direkt den Körper berührt. Wir empfehlen insbesondere pulverförmige Waschmittel, nicht Flüssigwaschmittel. Es gibt entsprechende Waschpräpararate, die halt auch eine Bleiche beziehungsweise Sauerstoff-Abspalter verwenden. Die haben eine sehr gute auch desinfizierende Wirksamkeit."

Und der Mikrobiologe Egert ergänzt: "Ich sollte alle Stellen, an die ich hinkomme, auch mechanisch putzen, gerade die Bullaugen-Dichtung und die Einspülkammer. Wenn die Maschine nicht wäscht, sollte sie offen stehen gelassen werden, also ich mache das Fenster auf, das Bullauge. Und was man auch nicht machen sollte ist, dass man Wäsche vergisst, also waschen und dann die feuchte Wäsche mehrere Tage liegen lassen in der Maschine."

Weil es eben nicht Kellermuff sein soll, den die Wäsche verströmt, sondern Veilchenduft.

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