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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Diktatur sichert ihre Macht25.03.2019

Wahlen in ThailandEine Diktatur sichert ihre Macht

Nach der Parlamentswahl in Thailand mehren sich die Stimmen, die von Wahlbetrug sprechen. Kein Wunder, meint Holger Senzel. Denn die herrschende Militärjunta hat schon vor der Wahl alles daran gelegt, sie zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Von Holger Senzel

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Journalisten warten in Bangkok auf die Bekanntgabe von Wahlergebnissen.  (LILLIAN SUWANRUMPHA / AFP)
Journalisten warten in Bangkok auf die Bekanntgabe von Wahlergebnissen. (LILLIAN SUWANRUMPHA / AFP)
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Thailand vor der Parlamentswahl Rap gegen die Militärdiktatur

Parlamentswahl in Thailand Weder frei noch fair - die Militärjunta lässt wählen

Der Begriff "Land des Lächelns" verwirrt mich. Ich denke bei Thailand an geballte Fäuste, unterdrückte Wut, unversöhnlichen politischen Kampf: eine Geschichte voller Gewalt, Armeeputsche seit 1932. Aber gut, als Tourist an einem der Traumstrände, umsorgt von dienstbaren Geistern, ist "Land des Lächelns" vielleicht naheliegend. Dass der Bruder des Kellners womöglich im Gefängnis sitzt für einen königskritischen Post im Netz muss Sie nicht interessieren. Sie werden es nicht mitbekommen, dass Sie die schönsten Wochen des Jahres in einer finsteren Diktatur verbringen – wenn Sie nicht wollen.  

Jetzt hat die Militär-Junta wählen lassen und es herrscht große Aufregung über möglichen Wahlbetrug. Das ist so, als wäre man überrascht, wenn ein notorischer Lügner die Unwahrheit sagt. Gekaufte Stimmen, als ob es darauf noch ankäme. Natürlich hat die Junta betrogen, von vornherein und ganz konsequent seit dem Putsch vor fünf Jahren. Da wurde ein junger Mann ins Gefängnis gesteckt, weil er ein Foto mit rotem Ball bei Facebook gepostet hat: wegen der Rothemden. Solche Leute sind das. Im Wahlkampf kamen Politiker von der Opposition gar nicht ins Fernsehen, erlebten Hausdurchsuchungen, die Verfassung wurde so zurechtgebogen, dass die Junta von vornherein schon mal 250 Sitze Vorsprung hat. Die ganze Wahl war von Anfang eine Farce.

Die Wut der Menschen wird spürbarer

Wer in den letzten Wochen durch Thailand fuhr, der konnte die Wut der Menschen geradezu greifen. Eine Wut, größer als die Angst, ungewöhnlich offen ausgedrückt in sozialen Netzwerken. Was natürlich auch daran liegt, dass es immer mehr Thailändern seit dem Militärputsch immer schlechter geht – in einer Diktatur zu investieren ist für ausländische Konzerne riskant, auch deshalb diese verlogene demokratische Inszenierung, die klammen Generäle brauchen Geld.

Am lautesten protestieren in Thailand die jungen Menschen und "Rap against dicatorship" ist der Soundtrack dieses Jugendprotestes. "Wir haben nur eine Wahl in diesem Land", heißt es da: "Schweigen oder hinter Gittern verrotten". Ein freies Land? "Fickt Euch." Es haben schon Thailänder wegen weniger drastischer Kritik Job und Freiheit verloren, aber bei 60 Millionen Youtube-Klicks kapitulierte die Junta. Es hätte einen ganz schlechten Eindruck gemacht, den Musikern die Polizei ins Studio zu schicken.

Doch das demokratische Mäntelchen ist fadenscheinig. Und welches Ergebnis die Wahlkommission im Mai immer verkünden werden, die Junta wird die Macht nicht loslassen. Falls Thailand in eine neue Krise schlittert, dann wird die Armee notfalls wieder mit Gewalt für Ordnung sorgen, das hat der neue Oberbefehlshaber bereits angedeutet.

Und damit schließt sich der Kreis. Es ist natürlich Ihre Angelegenheit, wo Sie ihren Urlaub verbringen und Ihr Geld ausgeben. Sie sollten sich nur darüber im Klaren sein, dass die dienstbaren Geister, die ihre kostbare Freizeit versüßen, meistens wenig Grund haben zum Lächeln.

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