Kommentare und Themen der Woche 30.07.2020

WahlrechtDie Herabsetzung des Wahlalters ist eine Chance für die ParteienVon Katharina Hamberger

Beitrag hören Eine Wählerin wirft bei der Bundestagswahl 2017 einen Stimmzettel in eine Urne (imago )Wenn zu Hause über über Politik gesprochen wird, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass junge Menschen wählen gehen - können sie das künftig ab 16 Jahren? (imago )

Es sei Zeit, das Wahlalter auch bei der Bundestagswahl auf 16 Jahre herabzusetzen, kommentiert Katharina Hamberger. Junge Menschen hätten in den letzten Jahren gezeigt, wie sehr sie sich für Politik interessieren. Wichtig seien dabei jedoch begleitende Maßnahmen.

"Mehr Demokratie wagen" diese Maxime von Willy Brandt bedeutete auch mehr Mitbestimmung für mehr Menschen, für jüngerer Menschen. Und somit wurde vor fast 50 Jahren das Alter, ab dem jemand aktiv an einer Wahl teilnehmen kann, auf 18 Jahre gesenkt. Ein halbes Jahrhundert später wäre es Zeit, wieder einen solchen Schritt zu wagen und das Wahlalter auch bei der Bundestagswahl auf 16 Jahre herabzusetzen. 

Schild an einem Wahllokal bei der Bundestagswahl 2017 (imago ) (imago ) Nach Vorstoß von Grünen und SPD - Debatte um Absenkung des Wahlalters
21, 18 und nun 16? 50 Jahre nach der Senkung des Wahlalters für Bundestagswahlen von 21 auf 18 Jahre dringen viele Parteien auf eine weitere Herabsetzung.

Gerade junge Menschen haben in den letzten Jahren, beispielsweise durch die Fridays-for-Future-Demos gezeigt, wie sehr sie sich für Politik interessieren – und hier gibt es auch kaum Unterschiede, zumindest was Wissen und Interesse betrifft, zwischen Jugendlichen, die ab 16 und solchen, die ab 18 Jahren wählen dürfen. Das hat nun auch eine Studie des Otto-Suhr-Instituts im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung herausgefunden. Dieses Ergebnis zeigt zwar auch, dass es nicht zwingend das aktive Wahlrecht braucht, um sich für Politik zu interessieren – aber ist es dann nicht ebenso wünschenswert, sich einbringen zu dürfen?

An nachfolgende Generationen denken

Auch in den Jugendorganisationen der Parteien engagieren sich viele Menschen unter 18 Jahren. Die Junge Union ist, laut eigenen Angaben, sogar der größte politische Jugendverband Europas. Weshalb übrigens die Ablehnung aus CDU und CSU bemerkenswert ist, gerade, weil auch einige ihrer Nachwuchspolitiker immer wieder beklagen, dass vor allem Politik für die Alten gemacht und nicht an die nachfolgenden Generationen gedacht würde. Ein größerer Anteil von jungen Wählern könnte auch bei der Frage, welchen Gruppen man bei politischen Entscheidungen wieviel Aufmerksamkeit schenkt, eine Verschiebung herbeiführen. Bislang steigt vor allem der Anteil älterer Menschen bei den Wahlberechtigten, 2017 betrug dieser schon mehr als ein Drittel. Die Herabsenkung des Wahlalters kann deshalb auch eine Chance für die Zukunftsfestigkeit von Parteien sein, weil sie sich dann auch stärker mit Themen der Jungen befassen müssten.

Wählen gehen müssen die jungen Menschen selbst

Und es ist ja nicht so, dass hier komplettes Neuland betreten würde . Im Großteil der Bundesländer dürfen 16- und 17-Jährige bereits mindestens auf Kommunalebene wählen, in manchen sogar auf Landesebene. 

Wichtig ist bei einer Herabsetzung des Wahlalters aber auch das, was die Wissenschaftler vom Otto-Suhr-Institut begleitende Maßnahmen nennen. Denn wenn zu Hause über die Wahl, über Politik gesprochen wird, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass junge Menschen wählen gehen. Das passiert aber nicht in jedem Haushalt gleichermaßen. Politik – aber auch Medien – sind also gefragt, die Jugendlichen über die Kanäle abzuholen, die sie nutzen. Das sind vor allem Video-Plattformen oder Soziale Netzwerke.

Wählen gehen müssen die jungen Menschen am Ende natürlich selbst und zeigen, dass es sich lohnt, auch um ihre Stimme zu kämpfen. Aber die Chance dafür sollte man ihnen geben und das Wahlalter endlich auch für die Bundestagswahl auf 16 Jahre herabsetzen.

Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Jahrgang 1985, hat Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Journalismus in Regensburg und Hamburg studiert. Während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin unter anderem für die "taz" und die "Passauer Neue Presse". Journalistische Erfahrung sammelte sie außerdem beim Bayerischen Rundfunk, der Talksendung "Anne Will" und dem "Hamburger Abendblatt". Seit Ende ihres Deutschlandradio-Volontariats 2012 arbeitet sie als freie Korrespondentin im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio.

Mehr zum Thema

Empfehlungen