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StartseiteKommentare und Themen der WocheKalifornien hat aus der Vergangenheit nichts gelernt31.10.2019

WaldbrändeKalifornien hat aus der Vergangenheit nichts gelernt

Dass Kalifornien bei der Bekämpfung der Waldbrände versage, zeige, wie wenig fortschrittlich der US-Bundesstaat mit den meisten Hightech-Unternehmen eigentlich sei, kommentiert Katharina Wilhelm. Schuld hätten die regierenden Demokraten, die es verpasst hätten, die zugrunde liegenden Probleme anzugehen.

Von Katharina Wilhelm

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Feuerwehrleute während ihres Einsatzes gegen das "Hillside"-Feuer in San Bernadino, Kalifornien (AFP / Josh Edelson)
Feuerwehrleute während eines Einsatzes in San Bernadino, Kalifornien (AFP / Josh Edelson)
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Der PC, das Internet, das iPhone, der Onlinehandel, Sharing-Economy - all das ist Kalifornien. Ein Bundesstaat, mit der stärksten Wirtschaft der USA, mit einem unerschütterlichen Glauben an sich, Innovation und Zukunft. Hier, denken sich viele Menschen, ist doch alles möglich. Doch dann kommen in jedem Jahr die Waldbrände.

Und Kalifornien fühlt sich für viele Menschen auf einmal nicht mehr nach moderner Glitzerwelt, dem Geburtsplatz der Zukunft an, sondern teilweise wie das Mittelalter. Wenn tausende Menschen auf einmal vor Feuern fliehen müssen und millionen Menschen plötzlich keinen Strom mehr haben, und das für Tage. Weil die Stromversorger Angst vor Schadenersatzklagen haben -  weil die Stromkabel noch immer überirdisch verbaut sind, weil diese marode sind, bei Stürmen umknicken und Feuer auslösen können.

Die Feuer vor allem in diesem Jahr zeigen überdeutlich, dass Kalifornien nichts gelernt hat aus den vergangenen Jahren. Nicht nur die Gier der Stromkonzerne und deren Misswirtschaft ist daran schuld. Zwar haben die es deutlich verpasst, das Netz zu modernisieren. Aber die Politik hat, was den Umbau der Infrastruktur angeht, einfach geschlafen. Da lässt sich nichts beschönigen.

Versagen der Politik

Und auch der Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, kann so viel auf die Stromkonzerne schimpfen, wie  er will. Auch die demokratische Partei hat es verpasst, Druck auszuüben und dem ach so modernen Staat Kalifornien nicht nur ein strahlendes Äußeres zu verpassen, sondern auch ein stabiles Skelett. Klar, das Problem liegt tiefer. Wo man die Kontrolle über wichtige Dinge wie die Stromversorger privaten Monopolisten überlässt, muss man sich kaum wundern.

Doch die Probleme gehen weiter: Die anhaltende Dürre der letzten Jahre hat ebenso den Boden für die Feuer bereitet. Jahrelang hat man sich wenig um die Wasserreserven im Boden gekümmert. Das Land vertrocknet. Statt nachhaltig Wasserspeicher aufzubauen, wurde bei der nächsten längeren Regenperiode schnell wieder das Thema Wassersparen vergessen.

Und noch ein anderes Problem wird noch deutlich sichtbarer: die Wohnungskrise. Die Menschen in Kalifornien lieben es, viel Platz um sich herum zu haben: ein Garten, ein Pool, eine große Veranda - wenn möglich. Lieber wird in die Fläche als in die Höhe gebaut. So breitet sich der Mensch aus - und kommt dem Feuer in die Quere. 

Kalifornien würde gut daran tun, wenn es nun echten Innovationsgeist zeigen würde – und den Feuern mit einer cleveren, nachhaltigen und durchdachten Strategie entgegentritt. So jedenfalls ist auf lange Sicht, kein Fortschritt zu machen.

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