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StartseiteKommentare und Themen der WocheDer Bund trägt Verantwortung03.07.2019

Waldbrand bei LübtheenDer Bund trägt Verantwortung

Die Bekämpfung der Brände in Mecklenburg-Vorpommern wird erheblich durch alte Munitionsrückstände erschwert. Größter Flächeneigentümer ist der Bund - und der sollte endlich den Anwohnern zuhören, kommentiert Silke Hasselmann.

Von Silke Hasselmann

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In Mecklenburg-Vorpommern, Hohen Woos, schützen Feuerwehrleute Häuser, deren Bewohner das Gebiet verlassen mussten, während Rauch in den Abendhimmel steigt (picture alliance/dpa/Philipp Schulz)
Waldbrand bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern (picture alliance/dpa/Philipp Schulz)
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Die Bundeswehr pachtet kein Land, um darauf Truppenübungsplätze zu errichten. Die Bundeswehr ist Eigentümerin solcher Flächen. Macht sie einen Truppenübungsplatz dicht und zieht sich von dort zurück, fallen Grund und Boden dem Bundesfinanzministerium zu. Das lässt in der Regel eine solche Fläche von der ihr unterstellten Bundesanstalt für Immobilienaufgaben managen. So auch die 6.200 Hektar des ehemaligen militärischen Übungsplatzes bei Lübtheen.  

Das muss man wissen, um zu verstehen, warum der verantwortliche Koordinator des jetzigen Großlöscheinsatzes, Landrat Stefan Sternberg, gestern Nachmittag fast – nun ja – explodierte. Dass sich auch am Tag drei dieser beispiellosen Gefahrenlage bis dahin noch kein Vertreter vom Flächeneigentümer Bund hatte blicken oder von sich hören lassen – für den SPD-Mann  "unbegreiflich". Dabei steht dem Bundesfinanzministerium mit Olaf Scholz ein Parteifreund vor. Als immerhin gestern Nachmittag Finanzstaatssekretär Gatzer im Schlepptau von SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig einflog, mochte er sich öffentlichen Fragen leider nicht stellen.

Die Verantwortlichen im Bund schweigen

Es bleibt deshalb unklar, wie der Eigentümer derartige Gefahrenlagen und in jeder Hinsicht kostspielige Löscheinsätze künftig verhindern will.

Die Politiker und Beamten sollten auch in diesem Fall ruhig jenen Anwohnern zuhören, die teils seit Jahrzehnten am Rand des Truppenübungsplatzes Lübtheen leben und das jährliche Feuer erlebt haben. Sie würden zweierlei zu hören bekommen:

1. Dass diese Fläche mit der Mischung aus Kiefernwald, Sanddüne, unzerschnittener Gras- und Heidelandschaft mittlerweile zum Biosphärenreservat "Flusslandschaft Elbe" und zudem vor zwei Jahren dem Nationalen Naturerbe zugeschlagen wurde, ginge völlig in Ordnung, gäbe es da nicht einen brandgefährlichen Haken. Denn per Definition muss dieses Gebiet weitgehend der Natur  überlassen bleiben. Ein Kernbereich sogar vollends. Der Mensch darf nicht mehr eingreifen, weshalb nicht zuletzt einst genutzte, munitionsfreie Wege zugewuchert sind.

2. Es war ein Fehler, die Berufsfeuerwehr auf dem Truppenübungsplatz mit dem Abzug der Bundeswehr aufzulösen und fortan die Brandbekämpfung den kleinen Freiwilligen Feuerwehren ringsum zu überlassen.

3. Die noch im Boden liegende explosive Munition vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg zu räumen, wäre wünschenswert. Eigentümer Bund müsste es freilich wollen und bezahlen können. Unrealistisch, glauben die meisten Leute hier. Besser wäre es aus ihrer Sicht, sich auf die Gefahr einzustellen – dann aber konsequent. Womit wir bei den Punkten 1 und 2 wären: Wald- und Wegepflege gestatten beziehungsweise vorantreiben, Berufsfeuerwehr installieren. Denn gegen Munition, Wind und Wetter ist vorerst nichts zu machen. 

Silke Hasselmann wuchs in Vorpommern auf. Von 1985 bis 1991 arbeitete sie für das DDR-Jugendradio DT64 und begann ein Fernstudium der Kultur- und Theaterwissenschaften in Berlin. Später war sie als Chefredakteurin von Rockradio B und freie Journalistin für den ORB tätig. Für den Mitteldeutschen Rundfunk berichtete Hasselmann ab 1999 als bundespolitische Hörfunkkorrespondentin aus dem ARD-Hauptstadtstudio und zwischen 2009 und 2014 als Korrespondentin aus den USA. Seit April 2015 ist sie Landeskorrespondentin von Deutschlandradio in Mecklenburg-Vorpommern.

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