Montag, 10.08.2020
 
Seit 17:30 Uhr Nachrichten
StartseiteGesichter EuropasSelbstbewusst im Vereinigten Königreich07.12.2019

WalesSelbstbewusst im Vereinigten Königreich

"Wir sind die erste und letzte Kolonie der Engländer." Der Satz fasst zusammen, wie sich viele Waliserinnen und Waliser fühlen, wenn es um das Verhältnis ihre Landes gegenüber dem Vereinigten Königreich geht: als Spielball einer großen Nation - und auch ein bisschen trotzig.

Von Ann-Kathrin Jeske

Die walisische Flagge weht vor dem Gebäude der Nationalversammlung in Cardiff.  (AFP / Damien Meyer)
Wales - eine unterdrückte Nation? (AFP / Damien Meyer)

In der walisischen Bevölkerung hält sich hartnäckig das Narrativ einer unterdrückten Nation. Dabei liegt die Eroberung und Eingliederung von Wales in das damals englische Königreich Jahrhunderte zurück. Stimmt es also, dass Wales im Vereinigten Königreich bis heute keine Stimme hat? Was macht die Identität der Waliser aus? Und in welchem Spannungsfeld bewegen sich die Waliser kurz vor der Wahl zum britischen Unterhaus - haben sie einerseits für den Brexit gestimmt und sind andererseit ein Land, das fest in der Hand linker Parteien ist. 

Eine Reportage in fünf Teilen:

Der Slogan Cofiwch Dryweryn als Grafitti auf einem Steingebäude in Wales (Deutschlandradio/ Ann-Kathrin Jeske) (Deutschlandradio/ Ann-Kathrin Jeske)Der Nationalismus der Unterdrückten
Die Anhänger der walisischen Unabhängigkeitsbewegung fühlen sich von der Regierung in London fremdgesteuert und vernachlässigt. Als Symbol dafür steht noch immer die alte Geschichte, dass einst das walisische Dorf Dryweryn geflutet wurde, um die Engländer mit Wasser zu versorgen.

Richard Taylor ist Kandidat der Brexit-Partei im walisischen Ex-Kohlerevier Blaenau Gwent (Deutschlandradio/ Ann-Kathrin Jeske) (Deutschlandradio/ Ann-Kathrin Jeske)Ein Arbeiter für die Brexit-Partei
Nirgendwo in Wales haben so viele Wähler für den Brexit gestimmt wie im Ex-Kohlerevier Blaenau Gwent. Dabei ist die Region eine Labour-Hochburg. Der Kandidat der Brexit-Partei hofft nun auf einen Sieg bei den Neuwahlen in Großbritannien. Und er kann damit werben, dass er selbst Arbeiter ist. 

Das Pierhead-Gebäude (links) und der moderne Senedd sind beides Standorte der walisischen Nationalversammlung in Cardiff (picture alliance / Photononstop/ Tibor Bognar) (picture alliance / Photononstop/ Tibor Bognar)Wo Labour immer siegt 
In der walisischen Landespolitik gibt es einen klaren Gewinner und einen eindeutigen Verlierer: Die Labour-Partei regiert seit 20 Jahren, während die Konservativen keine einzige Wahl je gewinnen konnten. Vor dem Brexit rebelliert die walisische Regierung gegen London.

Blick auf das Örtchen Fairbourne in Wales direkt am Meer (Deutschlandradio/ Ann-Kathrin Jeske) (Deutschlandradio/ Ann-Kathrin Jeske)Wo der Klimawandel die Menschen vertreibt
Die Bewohner von Fairbourne könnten Großbritanniens erste Klimaflüchtlinge werden. Denn die Kommunalregierung hat beschlossen, langfristig kein Geld mehr in Schutzmaßnahmen gegen den steigenden Meeresspiegel zu investieren. Ab 2045 will sie das Dorf evakuieren. 

Zweisprachiger Wegweiser auf Englisch und Walisisch zu Restaurant, Laden und Toiletten in Wales (Imago) (Imago)Labour-Regierung will mehr Walisisch hören
Bis 2050 sollen eine Million Menschen in Wales Walisisch sprechen. Dieses Ziel hat die Labour-Regierung ausgegeben und lässt sich einiges dafür einfallen. Viele Waliser finden nun zurück zu ihrer Sprache, die lange als verpönt galt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk