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StartseiteSportgespräch"Die olympische Idee hat mit der Kommerzialisierung ihre Unschuld verloren"28.01.2018

Walther Tröger"Die olympische Idee hat mit der Kommerzialisierung ihre Unschuld verloren"

20 Jahre war Walther Tröger Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee. Kurz vor seinem 89. Geburtstag blickt er auf die olympische Bewegung zurück. Im Dlf-Sportgespräch erzählt er, warum er sie mittlerweile "mit Bauchschmerzen" sieht und wieso er sich für die Kommerzialisierung des Sports mitverantwortlich fühlt.

Walther Tröger im Gespräch mit Astrid Rawohl und Matthias Friebe

Der ehemalige Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Walther Tröger (dpa/picture alliance/Oliver Berg)
Der ehemalige Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Walther Tröger (dpa/picture alliance/Oliver Berg)
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Er sei mit der Olympischen Bewegung und dem IOC aufgewachsen, sagte Tröger. "Ich fühle mich dem IOC immer noch verbunden. Solange ich der Meinung bin, es verdient noch zu existieren und seine Arbeit zu machen, will ich mich gerne daran beteiligen."

Die Erfinder der olympischen Idee seien treuherzig und naiv gewesen, so Tröger. Allerdings habe die olympische Idee "seit der Kommerzialisierung, schon vor [Juan Antonio] Samaranch" ihre Unschuld verloren. Selbstkritisch gibt er zu: "Ich habe das erfunden leider. Ich habe mit drei Kollegen für die europäischen NOKs und mit Adidas das auf Sponsorship beruhende Modell gemacht, weil ich der Chef der Marketinggruppe war."

Allerdings sei das IOC zu diesem Zeitpunkt pleite gewesen und daher "war die Konzentration auf das Thema Geldgewinnung nicht verkehrt, aber sie war nicht aufzuhalten. Sie war im Sport in einigen Ländern ja vorhanden. Die Basis hat das gemacht, nicht das IOC von sich aus zuerst. Das IOC hat nur daraus Ideen und Möglichkeiten geschöpft, wie man das auf die Olympischen Spiele einwirken lassen könnte."

Walther Tröger im Dlf-Sportgespräch (Dlf/Matthias Friebe)Walther Tröger im Dlf-Sportgespräch (Dlf/Matthias Friebe)

Dass jetzt die russischen Sportler als "Olympische Athleten aus Russland" an Olympia teilnehmen können, bereite ihm Bauschmerzen: "Meine Version ist die: 'Lasst die nicht zu, die in Sotschi aktiv waren.'  Das ist denen, die in Sotschi mit den aktiven Russen gekämpft haben – ganz egal, ob sie überführt wurden oder nicht – nicht zuzumuten, wenn sie in Pyeongchang antreten und glauben müssen, sie haben wieder die gleichen Gegner. Das wäre eine Geschichte, die nicht Tabula rasa macht, sondern Leute, die da mit reingeraten sind, aus der Öffentlichkeit gezogen werden."

Thomas Bach trägt nicht alleinige Schuld

Man könne allerdings nicht alle Schuld auf Thomas Bach abwälzen. Zwar sei er als IOC-Präsident verantwortlich und müsse über Fälle wie dem des russischen Staatsdopings Bescheid wissen - allerdings trage auch seine Exekutive eine Verantwortung. Sie müsse ihm deutlich machen, dass er seine Verantwortung nicht gut genug genutzt habe, und dass sie ihn nicht mehr wollten. Es könne keine Revolution von unten geben. Die Entscheidung über Bach müsse in der Spitze getroffen werden. Die Kritik der Athleten an Bach könne er allerdings nachvollziehen: "Alles, was sie vorbringen, ist plausibel und hat Hand und Fuß", so Tröger.

Sie sehen IOC-Präsident Bach, er gestikuliert mit den Händen. (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)IOC-Präsident Bach. (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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