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StartseiteCampus & KarriereWanted: Fach- und Führungskräfte12.09.2007

Wanted: Fach- und Führungskräfte

Die Messe "Zukunft Personal 2007" in Köln

Fach- und Führungskräftemangel in Deutschland ist eines der zentralen Themen auf der Messe für Personalmanagement "Zukunft Personal" in Köln. Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern setzen vielen Unternehmen auf neue Strategien, um die guten Leute zu finden - und zu binden.

Von Svenja Üing

Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass der Fachkräftemangel das Land jährlich 20 Milliarden Euro kostet.  (Stock.XCHNG / Giuseppe C)
Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass der Fachkräftemangel das Land jährlich 20 Milliarden Euro kostet. (Stock.XCHNG / Giuseppe C)
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Zukunft Personal

"Machen sie sonst Sport? - In letzter Zeit nicht. - Okay, was haben sie davor gemacht vor der letzten Zeit? - Ich habe Handball gespielt. - Das ist schon mal gut. Gehen sie mal drauf, bitte, einfach draufstellen. Und ich stelle das jetzt mal ein ..."

Was hier eingestellt wird, nennt sich Power Plate und sieht aus wie ein Gerät im Fitnessstudio. Zwei Griffe für die Hände, ein kleines Podest für die Füße - und schon wird dieser Messe-Besucher kräftig durchgeschüttelt.

"Die Fersen nehmen sie mal ein ganz kleines Stück hoch. Und ohne dass ich ihnen was sage, spannt Muskulatur an, dass liegt daran, dass wir einen Reflex nutzen. "

97 Prozent aller Muskeln sollen hier angeregt werden, fürs Training genügen zehn Minuten. Das ideale Gerät fürs Büro. Und das steht nicht zufällig steht am "Messe-Forum Demographie". Deutschlands Belegschaft wird älter, es mangelt an jungen Fachkräften. Wo früher Mitarbeiter über 50 in die Frühverrentung geschickt wurden, will man die Älteren heute halten - und die jungen durch attraktive Extras anlocken, sagt Jürgen Pfister, Bereichsleiter Personal und Soziales bei der Metro AG in Düsseldorf. Gesundheitsmanagement heißt das Zauberwort:

"Wir haben kein Power Plate, aber wir haben in der Metro inzwischen ein Metro Activity Centre, das ist ein Raum, wo wir verschiedene Gesundheitsangebote, auch Yoga, Meditation, Entspannungstechniken, Stressbewältigung anbieten können, das ist ein Raum, den wir unseren Mitarbeitern am Standort zur Verfügung gestellt haben, und das ist jetzt ein halbes Jahr alt und wird ausgiebig genutzt."

Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass der Fachkräftemangel das Land jährlich 20 Milliarden Euro kostet. Doch viele Unternehmen lenken erst jetzt gegen. Viel zu spät, meint Christian Scholz, Professor für Organisations-, Personal und Informationsmanagement an der Universität des Saarlandes:

"Das heißt, das Umdenken hätte viel früher einsetzen müssen, indem wir sagen müssen, unsere Aufgabe muss es sein, gute Mitarbeiter zu halten, unsere Aufgabe muss es sein, zu motivieren etc."

Und so spiegelt sich der Fach- und Führungskräftemangel stärker als in den vergangenen Jahren auch im Programm der diesjährigen Zukunft Personal wider. Im Mittelpunkt die Frage: Wie gewinne - und halte - ich gute Leute. Es geht um familienfreundliche Personalpolitik, um lebenslange Weiterbildung und um erfolgreiche Rekrutierungsstrategien. Ein Beispiel: Auf die Stelle eines Volljuristen bei der Axa haben sich noch vor drei oder vier Jahren Hunderte von Absolventen beworben, heute sind es höchstens 25, und die meisten sind nicht gut genug, sagt Ralf Kurschildgen, Personalleiter der Axa in Köln. Bei der Rekrutierung müsse er deshalb umdenken:

"Weg vom klassischen Posting einer Anzeige, wo im Moment der Rücklauf nur bedingt gut ist, hin zu einer aktiveren Ansprache, Begeisterung vielleicht für eine Aufgabe, für ein Unternehmen, also die Leute eher abzuholen, früher abzuholen."

Manche Firmen versuche das zum Beispiel durch so genanntes Employer Branding, das heißt dadurch, dass sie in Print-Anzeigen präsentieren, was sie ihren Mitarbeitern bieten können. Das reicht von einer hohen Vergütung bis zur familiären Unternehmenskultur, sagt Sabine Vockrodt, Leiterin Stellenmarkt beim Europa-Fachpresse-Verlag:

"Ich beobachte seit einem halben, dreiviertel Jahr sehr viel verstärkter als früher, dass die Unternehmen in Richtung Personal-Image-Anzeigen gehen, und zwar ganz bewusst, um eben entsprechend bei den Bewerbern aufzufallen, ja, würde ich absolut sagen, geht ein Trend hin."

Da ist zum Beispiel die Anzeige eines Unternehmens, das speziell Frauen für Führungspositionen sucht:

"Das ist eine sehr softe Anzeige, da kann ich Kinder und Karriere in Einklang bringen, das geht mit Farben, das geht mit Gestaltung, das geht mit Sprache weiter."

Für Absolventen sind die Zeiten rosiger als noch vor wenigen Jahren. Zumindest in bestimmten Branchen. Doch auch sie sollten sich nicht nur von Hochglanzbroschüren beeindrucken lassen, sondern ihrem Wunsch-Arbeitgeber genau auf den Zahl fühlen, sagt Christian Scholz von der Universität des Saarlandes:

"Die sollen sich nicht jeden Werbegag als bare Münze verkaufen lassen, die sollen richtig nachfragen, nachfassen, sagen, okay, ihr hab ein Talent-Förderprogramm, wie lange dauert das? Wer war schon drin? Wie sind die letzten verlaufen? Das heißt, hier viel konkreter nachfassen und sich nicht mit irgendeinem bunten Kugelschreiber, Notizblock und irgendwelchen schönen Sprüchen abspeisen lassen."

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