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StartseiteCampus & KarriereWarum Enis Ersü der TU Darmstadt Geld gibt09.02.2004

Warum Enis Ersü der TU Darmstadt Geld gibt

Türkischer Unternehmer sponsert deutsche Hochschule

<strong>Diese Kooperation ist ein Glücksfall für jede Hochschule: Ein Absolvent türkischer Herkunft wird in Deutschland erfolgreicher Unternehmer. Nun will er seiner alten Lehrstätte eine Professur finanzieren. Nicht nur als Dankeschön, sondern auch, weil er an die Qualität der Hochschulforschung glaubt und sich davon wiederum etwas für seine Firma verspricht. Ein Beispiel, das Schule machen könnte.</strong>

Von Ludger Fittkau

Bitteschön! (AP)
Bitteschön! (AP)

Das ist ja eine ganz außergewöhnliche Karriere, die der Unternehmensgründer Ersü da hat und ich freue mich sehr, dass es jetzt gelungen ist, diese Kooperation zu verstärken.

Johannes Buchmann, Informatiker und Vizepräsident der Technischen Universität Darmstadt, spricht über Enis Ersü. Als er aus Istanbul zum Studieren nach Darmstadt kam, war Ersü 19 Jahre alt: Heute ist er 51, Chef eines weltweit operierenden Software-Unternehmens mit 30 Millionen Euro Jahresumsatz und Hauptsitz in Darmstadt – und der Universität immer noch verbunden:

Ich hänge sehr an der Hochschule, die einen auch mit Wissen angereichert hat und einen dann ins Berufsleben geschickt hat. Und das man dann in Darmstadt weitergemacht hat, ist natürlich ein Glück, mit der Hochschule weiter in Kontakt zu bleiben.

Und es sind inzwischen nicht mehr nur freundschaftliche Kontakte, die den Unternehmer mit der Hochschule verbinden. In einem Kooperationsvertrag hat sich Enis Ersü jetzt verpflichtet, der Darmstädter Uni 100.000 Euro für Forschung an so genannten ”Sehenden Maschinen” zu zahlen:

Ich weiß es nicht, ob Sponsoring das richtige Wort ist. Es ist eher unsere Pflicht als Unternehmen, auch der Wissenschaft und auch der Ausbildung Impulse zu geben, um die zukünftige Ausrichtung der Hochschule zumindest mit zu motivieren. Weil das, was in der Zukunft gebraucht wird, wissen wir unter Umständen besser, weil wir an der Front sind

Unternehmer wie Enis Ersü sind für Hochschulen ein Glücksfall. Sie fühlen sich einerseits der Universität, an der sie studiert haben, verpflichtet, sie kennen aber andererseits auch die großen Innovations-Potentiale der akademischen Forschung. Der Darmstädter Uni-Vizepräsident Johannes Buchmann hat die so genannte "strategische Allianz” mit Isra Vision Systems, so heißt Ersüs Unternehmen, geschlossen:

Die Idee der Sache ist: Untenehmen haben interessante Forschungsprobleme, wir haben interessante Ansätze, Theorien, Lösungen. Wir werden von den neuen Fragen befruchtet, wir können neue Theorien und neue Lösungen machen, Unternehmen haben dann Lösungen, die sie vielleicht am Markt voranbringen. Diese Kooperationen müssen wir noch sehr stark intensivieren in Deutschland, wir haben mit den strategischen Allianzen angefangen, das systematisch zu tun.

Ob sehende Roboter oder High-tech-Qualitätskontrolle bei der Glasscheiben-Produktion - die Felder, auf denen die Firma von Enis Ersü aktiv ist, seien auch für die Forschung an einer Technischen Universität hochinteressant, so der Darmstädter Vizepräsident. Der Kooperationsvertrag mit der Firma des türkisch-stämmigen Unternehmers könne möglicherweise mittelfristig zu einer eigenen Professur für "Sehende Maschinen” führen. Eine Perspektive, die Firmenchef Ersü gefällt:

Ich hoffe, dass man durch die Kooperation sehen wird: Es ist ein reizvolles Thema, es ist eine sehr interessante Schlüsseltechnologie, die heute fast über 6 Milliarden Euro Weltmarktanteile hat, und das man dann motiviert wird an der TU Darmstadt, auch eine Professur in diese Richtung einzurichten.

Doch so sehr sich Enis Ersü auch für die langfristige Kooperation mit seiner deutschen Hochschule einsetzt - das Land, in dem er geboren ist, vergisst er ebenfalls nicht. Auch in der Türkei will er für mehr Forschung in zukunftsträchtigen Bereichen sorgen:

Wir versuchen, gerade unsere Kooperation auch mit den türkischen Forschungsstellen zu optimieren. Das ist auch ein Beitrag in die andere Richtung, dass man technologisch etwas in die Türkei bringt und nicht unbedingt durch Greencard die jungen Leute nach Deutschland einlädt, sondern das wir hier Kooperationen in der Türkei eingehen. Das ist jetzt ein Modellversuch, ich hoffe, das wird erfolgreich.

Für Johannes Buchmann aus der Darmstädter Hochschulleitung ist das Beispiel von Enis Ersü äußerst ermutigend. Denn Immerhin 20 Prozent der Studierenden an der Technischen Universität kommen aus dem Ausland:

Es zeigt, dass diese Initiative, wie holen Leute von draußen rein, wir machen uns offen, dass das auch funktionieren kann, auch längerfristig funktionieren kann. Dass die Leute wirklich erfolgreich sein können, hier und da und das dann die Verbindungen auch international bleiben.

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