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StartseiteSport am WochenendeWas würden Olympische Spiele in München 2018 wirklich kosten?21.03.2010

Was würden Olympische Spiele in München 2018 wirklich kosten?

Bewerbungschef Bogner verbreitet offenbar Unwahrheiten zur Finanzierung

In dieser Woche mussten die Bewerber für die Olympischen Winterspiele 2018 erste umfassende Unterlagen beim IOC abgeben - darunter auch München. Willy Bogner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Olympia GmbH, argumentiert jedoch augenscheinlich mit falschen Zahlen.

Von Jens Weinreich

Logo der Bewerbungsgesellschaft München 2018. (Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH)
Logo der Bewerbungsgesellschaft München 2018. (Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH)

Warum verbreitet Willy Bogner, Chef-Geschäftsführer der Bewerber-GmbH, wiederholt falsche Informationen über die Finanzierung Olympischer Spiele?

Bogner behauptete in dieser Woche nicht zum ersten Mal, die Organisationskosten der Winterspiele 2018 würden komplett vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) übernommen.

Eines von etlichen Beispielen. Bogners Argumentation in einer Diskussionsrunde des ARD-Hörfunksenders Bayern2:

""Diese Kosten, also das sogenannte Organisationskomitee-Budget, das den Löwenanteil der Kosten ausmacht, wird uns vom IOC erstattet. Das heißt, das müssen die Gemeinden und die Bürger nicht bezahlen, sondern das bekommt man bezahlt durch die Fernsehrechte, die das IOC weltweit einnimmt. Also, es ist wirklich kein großes finanzielles Risiko für die Gemeinden und die Bürger des Staates, diese Olympischen Spiele durchzuführen.”"

Bogners Behauptungen entsprechen nicht der Wahrheit. Darauf wurde der Geschäftsführer von Journalisten und Olympia-Kritikern hingewiesen. Er wiederholt dennoch stets seine Falschaussagen.

Korrekt ist: Das IOC bezahlt das Budget nicht komplett! Es hat noch nie einen Etat komplett bezahlt und wird es auch künftig nicht tun. Die Organisatoren sind Lizenznehmer des IOC – sie tragen das volle finanzielle Risiko des Joint Ventures. Für sämtliche Zusatzkosten und eventuellen Verluste im Organisationsetat kommen die jeweiligen Regierungen auf.

Der sogenannte OCOG-Etat, der nur die reinen Organisationskosten für das 17 Tage währende Wintersportfest beinhaltet, ist immer exorbitant kleiner als der zweite Etat, der sogenannte Non-OCOG-Etat – in dem fast alle Infrastrukturkosten gebündelt werden.

Kürzlich in Vancouver betrug der Organisationsetat 1,75 Milliarden Dollar – der Infrastrukturetat je nach Rechnung bis zu sieben Milliarden. Allein die Sicherheitskosten, komplett vom Steuerzahler beglichen, betrugen rund eine Milliarde.

Drastischer wird das Verhältnis von OCOG zu Non-OCOG-Etat 2014 in Sotschi sein. Viel extremer war es zuletzt bei den Sommerspielen in Athen und Peking.

Wobei man entlastend sagen kann, dass die Infrastrukturkosten in München voraussichtlich relativ gering ausfallen werden. Eine saubere Kosten-Nutzen-Analyse aber liegt bislang nicht vor. Sport, Politik und damit die Olympiabewerber haben trotz gegenteiliger Versprechen bislang nur rudimentäre Angaben gemacht.

Im Mini-Bidbook, das Willy Bogner am Montag in Lausanne beim IOC einreichte, wird gar kein Infrastrukturetat aufgeführt. Dort wird nicht einmal ein sauberer Organisationsetat genannt – denn: Die Bewerber listen keine Summen auf, die das IOC überweisen würde, sollte München die Spiele erhalten.

Sie wissen es einfach nicht, denn die IOC-Überweisungen sind Verhandlungssache. Es gibt keine Regeln, nur etwa jene Anteile, die auch für Vancouver gezahlt wurden: Zum OCOG-Etat von 1,75 Milliarden Dollar steuerte das IOC aus seinen Fernsehverträgen 447 Millionen und aus seinen weltweiten Marketingverträgen 196 Millionen bei – also insgesamt rund ein Drittel.

Gemäß Bogner bezahlt das IOC aber alles.

Als er im Hörerforum auf Bayern2 vom Salzburger Olympiakritiker Willi Rehberg auf seine Falschaussagen hingewiesen wurde, kam er ins Stottern.

""Also das ist jetzt, das geht sehr in die Details. Man muss da wirklich drin sein, wo was her kommt, und das uns das und die Ausgaben sind dieselben, wie sie jetzt begriffen werden, sei es vom Staat oder eben woanders her, ist ja auch von Land zu Land verschieden, also das kann man nicht so ganz vergleichen. Aber wir sind absolut der Meinung, dass wir alles, oder fast alles, das kann man jetzt noch nicht so genau sagen, eben durch die Leistungen des IOC abdecken werden, was wirklich Organisationskomitee-Kosten sind.”"

Das Problem aber ist: Die Bewerber gehen bislang nicht öffentlich in die Details. Nachprüfbar sind ihre Behauptungen folglich nicht. Die Angaben zum Organisationsetat im Mini-Bidbook beruhen vor allem auf der Analyse vergangener Spiele.

Die Bewerber gehen nicht einmal bei den Bewerbungskosten bis zur IOC-Entscheidung im Juli 2011 ins Detail:

Sie hatten versprochen, die 30 Millionen Euro für die Bewerbungsphase komplett aus der freien Wirtschaft zu generieren. Dass noch zehn Millionen im Etat fehlen, wurde in dieser Woche nach parlamentarischer Anfrage vom Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bestätigt. Wie viele der bisher 20 Millionen tatsächlich aus der Wirtschaft kommen – und wie viel Millionen offen oder verdeckt vom Steuerzahler, wird der Öffentlichkeit verschwiegen.

Es gibt auch dazu keine saubere Etat-Auflistung.

In Garmisch-Partenkirchen sorgen sich nun Gemeindevertreter, dass die hoch verschuldete Gemeinde auch für das Etat-Loch der Bewerber haften muss.

Ein anderes Beispiel: Gerade hat der Haushaltsausschuss des Bundestages 1,5 Millionen Euro für das Kulturprogramm der alpinen Ski-WM 2011 genehmigt. Eine klare Subvention der Olympiabewerbung, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière in dieser Woche im Bundestag einräumen musste:

""Aber die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen findet im Winter 2011 statt. Im Sommer 2011 entscheidet das Olympische Komitee, ob die Olympischen Winterspiele 2018 in München, Garmisch-Partenkirchen und Umgebung stattfinden. Deswegen, ich sage: Und nur deswegen, weil die Veranstaltung exakt dort stattfindet, wo wir uns um die Olympischen Spiele bewerben, sind in diesem Fall diese Mittel gerechtfertigt und gut ...”"

Im Bewerbungs-Etat aber tauchen diese 1,5 Millionen aus der Staatskasse selbstverständlich nirgends auf.

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