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StartseiteThemaWie die Trinkwasserversorgung in Deutschland funktioniert18.08.2020

WasserknappheitWie die Trinkwasserversorgung in Deutschland funktioniert

Zu jeder Zeit Trinkwasser aus dem Wasserhahn, daran sind wir in Deutschland gewöhnt. Doch wenn es immer weniger regnet und schneit, wird die Wasserversorgung auch hierzulande unsicherer. Wo das Trinkwasser in Deutschland herkommt - ein Überblick.

Ein Tropfen Wasser kommt am 21.03.2013 aus einem Wasserhahn in Frankfurt (Oder) (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Kein Tropfen kommt mehr aus der Leitung - das kann selbst in Deutschland passieren, ist dann aber die große Ausnahme. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
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Deutschland ist ein wasserreiches Land. Dennoch ist das Trinkwasser aktuell an einzelnen Orten in Deutschland knapp geworden. Die Bürgerinnen und Bürger wurden aufgerufen, ihren Verbrauch zu reduzieren. Das liegt an Dürre- und Hitzeperioden, aber auch an regionalen Unterschieden in der Struktur der Wasserversorgung. Denn sowohl Niederschlagsmengen als auch Grundwasservorkommen sind regional unterschiedlich verteilt.

Wie funktioniert die Wasserversorgung in Deutschland?

Rund zwei Drittel des Trinkwassers in Deutschland stammen aus dem Grundwasser. Der Rest kommt vor allem aus Talsperren, großen Seen wie dem Bodensee und aus Uferfiltrat, also aus Wassergewinnungsanlagen an Flüssen. Woher das Trinkwasser hauptsächlich bezogen wird, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. 

Die öffentliche Wasserversorgung stellt Trinkwasser für Haushalte, kommunale Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser sowie kleinere Unternehmen bereit. In Wasserwerken wird das Wasser je nach Quelle mit verschiedenen chemischen und physikalischen Verfahren aufbereitet.

Den größten Wasserbedarf hat in Deutschland aber die Industrie. Sie fördert ihr benötiges Wasser fast ausschließlich mit eigenen Gewinnungsanlagen – hauptsächlich aus Oberflächenwasser, also aus Seen und Flüssen. Die mit Abstand größten Wassernutzer sind Wärmekraftwerke, die das Wasser vor allem zu Kühlzwecken einsetzen und anschließend wieder in den Wasserkreislauf einspeisen.

Grafik zu den Quellen der Wassergewinnung in Deutschland im Jahr 2016 (Statista)Struktur der öffentlichen Wassergewinnung nach Quellen im Jahr 2016 (Statista)

Ist die öffentliche Trinkwasserversorgung gefährdet?

Von den verfügbaren Wasserressourcen in Deutschland wird nur ein kleiner Teil für die Trinkwasserversorgung genutzt – etwa 12 bis 15 Prozent. Erst wenn die Wasserentnahme 20 Prozent des verfügbaren Wasserdargebotes übersteigt, spricht man von "Wasserstress", womit ein steigendes Risiko für Umweltprobleme und wirtschaftliche Schwierigkeiten gemeint ist. In Deutschland herrscht also generell kein Wasserstress, doch es gibt regionale und saisonale Unterschiede, weil der Niederschlag sehr ungleich verteilt ist. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt regnet es zum Beispiel besonders wenig, das Alpenvorland ist hingegen niederschlagsreich. 

Bei starker Hitze ist der Wasserverbrauch in den vergangenen Jahren tagesbezogen oft deutlich angestiegen – etwa um 40 bis 60 Prozent bei 36 Grad Celsius, wenn viele Leute gleichzeitig ihren Garten bewässern und Pools befüllen, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aktuell mit. Zur Hitze kam in diesem Sommer noch hinzu, dass coronabedingt möglicherweise mehr Leute zu Hause sind, die sonst verreist wären. 

Der besonders hohe Wasserverbrauch stellt vor allem kleinere kommunale Wasserversorger vor Probleme. In Borgholzhausen im Kreis Gütersloh etwa lieferten die Brunnen nicht mehr genug Wasser, das Freibad musste geschlossen werden. Auch in Lauenau in Niedersachsen leerten sich die Wasserspeicher. Dort hatte sich der Wasserverbrauch durch einen enormen Temperatursprung verdreifacht, erklärte Bürgermeister Georg Hudalla im Deutschlandfunk-Interview. Es gebe aber keine Möglicheit, Wasser für solche Fälle vorzuhalten. "Alles Wasser, was wir in unseren Behältern haben, muss innerhalb von 48 Stunden verbraucht sein, wenn wir die Trinkwassernormen garantieren wollen", so Hudalla. 

Lauenau: Eine Einsatzkraft der Freiwilligen Feuerwehr Lauenau befüllt einen Wasserbehälter mit Brauchwasser. Nach dem Zusammenbruch der Wasserversorgung in Lauenau im Landkreis Schaumburg hat die Gemeinde die Lage in den Griff bekommen.  (dpa/ Moritz Frankenberg) (dpa/ Moritz Frankenberg)Bürgermeister von Lauenau: Verbraucher sollten Verhalten hinterfragen 
In Lauenau in Niedersachsen drohte die Wasserversorgung zusammenzubrechen. Bürgermeister Georg Hudalla appelliert an die Bevölkerung, sparsamer mit Wasser umzugehen. 

Die aktuelle Situation überfordere die Wasserversorgung in Deutschland jedoch nicht, sagt Professor Dietrich Borchardt vom Department Aquatische Ökosystemanalyse und Management am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg. Deutschland habe eine der am besten funktionierenden Trinkwasser-Infrastrukturen weltweit. Es gebe regionale Hotspots, die immer wieder mit Wasserknappheit zu tun hätten – etwa wegen generell geringer Niederschlagsmengen. Gebiete wie die Region um den größten Trinkwasserspeicher Deutschlands, den Bodensee, hätten dagegen keine Probleme mit der Wasserversorgung, erklärte Borchardt.

Blick von oben auf die Ennepetaler Talsperre im Ruhrgebiet (Imago/ Hans Blossey ) (Imago/ Hans Blossey )Schwindender Wasserschatz
Der Klimawandel macht's notwendig: Im vierten Dürrejahr in Folge haben die Talsperren an der Ruhr die Wasserabgabe vorsorglich gedrosselt, damit die gespeicherten Wasservorräte länger reichen.

Auch Talsperren funktionierten in der Regel zuverlässig – wobei auch hier Knappheiten deutlich werden: Das Wassermanagement der Talsperren in Dürreperioden wird immer schwieriger. Die Ruhr in Nordrhein-Westfalen etwa versorgt mehr als viereinhalb Millionen Menschen mit Trink- und Brauchwasser. In Trockenzeiten wird Wasser aus den Staubecken des Flusses abgelassen, um die Versorgung im Ruhrgebiet sicherzustellen. Doch der Wasserschatz in den Talsperren regeneriert sich längst nicht mehr jedes Jahr auf natürliche Weise durch Niederschläge. Einige Staubecken sind kaum mehr halbvoll. Deshalb lässt der Ruhrverband nun erneut – wie schon in den vergangenen Dürresommern – weniger Wasser daraus ab als vorgesehen. Für die Trinkwasserversorgung könnte es dadurch irgendwann eng werden.

Was sollten Verbraucher beachten?

Lauenau und andere Gemeinden haben ihre Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, Wasser zu sparen – durch weniger Bewässern von Gärten, Befüllen von Pools oder Autowaschen beispielsweise. "Es gibt Dinge, da bräuchte man eigentlich keine Trinkwasserqualität", sagt Bürgermeister Hudalla. Die Technik entwickele sich dahingehend, dass auf einem Gebiet gewonnenes Brauchwasser auch in einem zweiten Kreislauf im Haus für die Toilettenspülung und das Wäschewaschen verwendet werden könne.

Verbrauch von Trinkwasser in deutschen Haushalten nach Verwendungsart im Jahr 2018 (statista)Verbrauch von Trinkwasser in deutschen Haushalten nach Verwendungsart im Jahr 2018 (statista)

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