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StartseiteInformationen am MorgenKritik an brasilianischen Megaprojekten wächst17.06.2016

Wasserkraft am Amazonas Kritik an brasilianischen Megaprojekten wächst

Die jahrelangen Proteste gegen den Staudamm Belo Monte in der brasilianischen Amazonasregion waren vergeblich, seit Mai ist er in Betrieb. Eröffnet wurde das gigantische Wasserkraftwerk noch von der inzwischen abgesetzten Präsidentin Dilma Rousseff. Die Folgen für die Umwelt sind erheblich. Und das nächste Megaprojekt ist schon in Planung.

Von Anne Herrberg

Menschen protestieren am 8.2.2011 gegen das Staudamm-Projekt Belo Monte am Rio Xingu in Brasilien (picture-alliance / dpa / Joedson Alves)
Die Demonstration gegen das Staudamm-Projekt Belo Monte am Rio Xingu in Brasilien waren vergeblich. Seit Mai ist er in Betrieb. (picture-alliance / dpa / Joedson Alves)

Immer wieder haben sie protestiert gegen dieses Megaprojekt mitten in der brasilianischen Amazonasregion – sie haben Straßen besetzt, Umwelt-Studien präsentiert, Baustopps erzwungen. Die Gegner des Staudammes von Belo-Monte – umsonst.

Am 5. Mai durchschneidet eine schrille Sirene die schwüle Mittagshitze am Xingú-Fluss – sie markiert die Inbetriebnahme des weltweit drittgrößten Stauwerkes Belo Monte. Nach sechs Jahren Bauzeit durfte Dilma Rousseffs das Vorzeigeprojekt ihrer Regierung doch noch eröffnen – es war einer ihrer letzten offiziellen Auftritte vor der Suspendierung vom Präsidentenamt. 

"Mit Belo Monte vermeiden wir die Verschmutzung der Umwelt, nicht nur hier in der Region Pará und im Amazonasgebiet. Sondern in ganz Brasilien. Wenn alle 24 Turbinen in Betrieb gehen, werden sie garantieren, dass für das Wachstum in unserem Land ausreichend Energie zur Verfügung steht."

Bei voller Auslastung, die im Jahr 2019 erreicht werden soll, werde Belo Monte mehr als 11.200 Megawatt Strom erzeugen – für 60 Millionen Menschen in 17 Bundesstaaten. Auch die deutsche Siemens war an dem Megaprojekt beteiligt, das umgerechnet rund 6,3 Milliarden Euro gekostet hat – viel mehr als zunächst veranschlagt. Gegner wie Padre Edilberto Sena sehen darin eine Katastrophe für das sensible Ökosystem des Amazonas: 

"40 Spezialisten haben in einer umfassenden Studie aufgezeigt, dass das Projekt großen Schaden anrichtet. Doch die Regierung ist da einfach darüber hinweggegangen. Dazu kommt, dass der Xingu in der Trockenzeit kaum Wasser führt und damit weniger Energie produziert werden kann. Es wurden hier Milliarden für ein Projekt ausgeben, das nicht mal wirtschaftlich Sinn macht. Das hier ist eine Gaunerei der Politiker."

Die neue Regierung hat ihre Pläne noch nicht ofengelegt

Brasilien bezieht 70 Prozent seines Stromes aus Wasserkraft – doch die Megaprojekte in der Amazonasregion geraten immer mehr in Kritik. Es wurden Tausende Hektar Wald gerodet, Menschen umgesiedelt, Flüsse verschmutzt. Belo Monte taucht außerdem auch bei den Ermittlungen im aktuellen Korruptionsskandal auf. Viele der Versprechen, die den Anwohnern der angrenzenden Stadt Altamira gemacht wurden, sind dagegen Versprechen geblieben – weder ist das neue Krankenhaus in Betrieb, noch die Kanalisation fertiggestellt. Die Verantwortlichen stellen sich taub, sagt Marilene Ramos von der Umweltbehörde IBAMA. 

"Norte Energie, das Betreiberkonsortium, müsste laut Vertrag die Infrastruktur stellen, schiebt die Verantwortung aber auf die Stadtregierung. Die hat aber keine Mittel und so fließt alles in den Stausee, der immer mehr verschmutzt."

400 Kilometer weiter westlich. Krisentreffen am Tapajós Fluss. Sandstrände, kristallklares Wasser, dahinter der dichte Urwald – es ist eines der letzten unberührten Zuflüsse des Amazonas und Heimat von rund 11.000 vom Volk der Munduruku. Doch hier soll das nächste Megaprojekt entstehen: Ein gigantisches Stausystem aus insgesamt 40 Kraftwerken – die Munduruku haben Kriegsbemalung aufgelegt: 

"Wenn der Fluss aufgestaut wird, werden wir alles verlieren, unsere Fisch- und Jagdgründe. Der Fluss ernährt uns. Wir wollen keinen toten Fluss."

Werden ihre Proteste Erfolg haben? Die derzeitige Interimsregierung von Michel Temer hat ihre Pläne in puncto Wasserkraft am Amazonas noch nicht offengelegt – es ist ein brenzliges Thema.

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