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WDRNach Kritik an neuer Moderatorin - Nemi El-Hassan wird "Quarks" vorerst nicht moderieren

Porträt der Ärztin und Journalistin Nemi El-Hassan (Alexander Probst)
Die Ärztin und Journalistin Nemi El-Hassan (Alexander Probst)

Die Journalistin Nemi El-Hassan wird vorerst nicht das Wissenschaftsmagazin "Quarks" des Westdeutschen Rundfunks moderieren.

Hintergrund ist die Teilnahme El-Hassans an einer israelfeindlichen Al-Kuds-Demonstration im Jahr 2014. "Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer", teilte der Sender in Köln mit. Es wiege aber auch schwer, "einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren". Daher sei nun eine sorgfältige Prüfung geboten. Der Zentralrat der Juden forderte, objektiv zu klären, ob die 27-Jährige für die Moderation der Sendung geeignet sei.

Nemi El-Hassan selbst hat sich von ihrer Teilnahme an der Al-Kuds-Demo nachträglich distanziert und nach Angaben ihres Managements von einem Fehler gesprochen. Keinesfalls habe sie während der Demo antisemitische Parolen von sich gegeben noch Menschen jüdischen Glaubens körperlich angegriffen.

Bei den alljährlichen Al-Kuds-Demos in Berlin waren in der Vergangenheit immer wieder antisemitische Parolen gerufen und Symbole der pro-iranischen libanesischen Hisbollah-Bewegung gezeigt worden. Gegen die Hisbollah hat Bundesregierung ein Betätigungsverbot erlassen. Am Al-Kuds-Tag, der am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan liegt, ruft der Iran jedes Jahr zur Eroberung Jerusalems auf. Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.

Vor mehreren Tagen hatte der Westdeutsche Rundfunk El-Hassan als neue Moderatorin für "Quarks" angekündigt. Ihre erste Sendung wäre eigentlich für November geplant.

Weitere Vorfälle mit Nemi El-Hassan in der Kritik

El-Hassan steht zudem in der Kritik wegen einer persönlichen Erklärung des Begriffs "Dschihad" für die Bundeszentrale für politische Bildung 2015. Ihre Äußerung, "Dschihad" stehe in seiner Grundbedeutung für "freundlich sein", "arbeiten" und "geduldig sein", wurde ihr von der "Bild"-Zeitung als Verharmlosung ausgelegt. Ferner teilte der Chefredakteurt der "Welt am Sonntag", Johannes Boie, auf Twitter ein Video, das El-Hassan bei einem Poetry Slam zeigt, bei dem sie Palästina preist. Inzwischen ist das Video nicht mehr verfügbar - lediglich ein Ausschnitt, den der Journalist Andreas Hallaschka geteilt hat.

El-Hassan ist Journalistin, Medienmacherin und Ärztin. Ihr Medizinstudium absolvierte sie an der Berliner Charité. Sie gehört auch zum Gründungsteam des Youtube-Kanals "Datteltäter", der sich zur Aufgabe gemacht habe, in satirischen Videos mit Vorurteilen gegenüber Musliminnen und Muslimen aufzuräumen. Die Clips sind Teil des Angebotes Funk von ARD und ZDF für jüngere Leute.

Diese Nachricht wurde am 15.09.2021 im Programm Deutschlandfunk gesendet.