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StartseiteKommentare und Themen der WocheAufmerksamkeit allein ist nicht nachhaltig21.01.2020

WEF DavosAufmerksamkeit allein ist nicht nachhaltig

Zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums hat Donald Trump vor allem seine eigene Politik gelobt. Doch statt kritischer Nachfragen wird der US-Präsident als Stargast gefeiert, kommentiert Michael Watzke. Denn er garantiert dem Weltwirtschaftsforum Aufmerksamkeit. Doch die allein reicht nicht.

Von Michael Watzke

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US-Präsident Donald Trump und WEF-Chef und Gründer Klaus Schwab am 21.1.2020 in Davos, Schweiz (imago / Xinhua)
Der Auftritt des US-Präsidenten belegt die Oberflächlichkeit der Konferenz, kommentiert Michael Watzke (imago / Xinhua)
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Nachhaltig. Sustainable. Kein anderes Wort nimmt der Davos Man, die Davos Woman häufiger in den Mund. Es gibt hier Nachhaltigkeits-Panels. Nachhaltigkeits-Versprechen. Sogar ein eigenes Sustainability-Zelt gibt es, beheizt mit nachhaltigem Strom. Wie oberflächlich das ist, zeigt das Beispiel Donald Trump. Der US-Präsident und seine Entourage kommen mit acht riesigen Flugzeugen und neun eigenen Helikoptern in die Schweiz. Sie bringen sogar ihre eigenen gepanzerten Autos mit.

Und wofür? Damit Donald Trump hier mit anderen Staatenlenkern und Wirtschaftsvertretern redet, von Angesicht zu Angesicht? Natürlich nicht: der einzige Zweck von Donald Trumps Übersee-Trip in die Davoser Berge ist, zehntausende Kilometer von den USA entfernt einen riesigen Lautsprecher aufzubauen und ihn dann Richtung Heimat auszurichten.

Keine kritische Nachfrage von WEF-Gründer Schwab

Eine halbe Stunde lang spricht der US-Präsident zu seinen Landsleuten in Amerika, lobt sich und seinen Wirtschaftskurs und lenkt vom Amtsenthebungsverfahren im US-Senat ab. Allein dafür dieser unfassbare Aufwand. Und Klaus Schwab, der greise Gründer des WEF? Lässt es Trump durchgehen. Nicht eine kritische Nachfrage – zum Beispiel dazu, wie nachhaltig Trumps zügelloser Shareholder-Kapitalismus mit seinen absurden Steuersenkunken ist. Oder wie sustainable Trumps Entscheidung ist, die USA von jeglichen Klimazielen zu befreien? Davos ist gut im Ankündigen. Das Weltwirtschaftsforum liebt es, wohlklingende Initiativen mit viel Tamtam zu starten. Aber das Umsetzen, das viel schwierige Implementieren, Dranbleiben, Durchhalten – das ist nicht die Stärke von Davos. Im Gegenteil: das WEF hat schon so manche vielversprechende Initiative ruiniert.

Aufmerksamkeit zu etwas Nachhaltigem nutzen

Klaus Schwab kämpft gegen dieses Bild: Er erwähnt das erfolgreiche Impf-Projekt Gavi, das weltweit gegen Malaria kämpft. Er stellt heraus, dass er schon vor 50 Jahren für einen Stakeholder-Kapitalismus kämpft, von dem alle profitieren sollen, nicht nur Aktienbesitzer.  Aber es reicht nicht, nur darüber zu reden. Man muss auch dafür einstehen, wenn’s weh tut. Schwab hätte heute die Gelegenheit gehabt, als er neben Donald Trump stand. Stattdessen feierte er den Stargast aus Washington, weil er weiß: Trump garantiert ihm Aufmerksamkeit. Aber Aufmerksamkeit allein ist nicht nachhaltig. Man muss sie zu etwas Nachhaltigem nutzen. Etwa zu deutlichen, belastbaren Schritten bei der Co2-Reduzierung. Es reicht nicht, Bäumchen zu pflanzen.

Wie nachhaltig ist Davos? Das Weltwirtschaftsforum wird es auch noch nächstes und übernächstes Jahr geben. Vielleicht kommt sogar Donald Trump wieder vorbei. Die Wirtschafts-Elite wird hier oben Deals machen und sich feiern. Aber das Versprechen, die Hoffnung, die von dieser kleinen Stadt am Zauberberg ausgeht, nutzt sich ab. Da hilft auch kein Sustainability-Zelt.

 

Michael Watzke  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

 

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