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StartseiteSprechstundeWege aus der sozialen Isolation12.03.2013

Wege aus der sozialen Isolation

Mit Multiple-Sklerose-Patienten im Museum

Multiple-Sklerose-Patienten können oft nur noch eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Um sie aus der schleichenden Isolation zu befreien, bietet die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft eine Vielzahl von Aktivitäten an wie etwa Museumsbesuche.

Von Mirko Smiljanic

Oft ziehen sich Multiple-Sklerose-Patienten in ihr Schneckenhaus zurück. (AP-Archiv)
Oft ziehen sich Multiple-Sklerose-Patienten in ihr Schneckenhaus zurück. (AP-Archiv)
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Genetische Ursache ausgeschlossen

Köln, Wallraf-Richartz-Museum. Langsam füllt sich das prächtige Foyer mit Menschen aller Altersstufen, die sich an diesem Abend ausgewählte Objekte mittelalterlicher Malerei anschauen möchte. "Nur das Beste: Von Lochner bis Cranach" – unter diesem Motto steht die Schau. Inmitten der Besucher hat sich eine kleine Gruppe von MS-Patienten gebildet, einige noch gut zu Fuß, andere sitzen im Rollstuhl.

"Für unsere Mitglieder ist es immer auch eine Überlegung, wie komme ich überhaupt dahin, das ist so die Teilnahme am kulturellen Leben, gehe ich abends zum Beispiel noch mal aus dem Haus, dann muss man sehen, dass ja einige auch berentet sind, ich muss mein Leben ja auch neu strukturieren, ich habe Zeit für neue Interessen."

Erzählt Marie-Luise Esser, Sozialarbeiterin bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Köln. Langsam schiebt sich die Gruppe in einen schmalen Flur, dorthin, wo die Fahrstühle sind, zu Fuß die Treppen hoch, nein, das geht natürlich nicht, aber wozu gibt es auch Technik? Wobei einer Besucherin dazu durchaus in der Lage wäre. Auch sie leidet an MS, glücklicherweise aber nicht sonderlich ausgeprägt:

"Also am Anfang meinem inneren Kreis habe ich es sehr schnell gesagt, die waren auch geschockt, ja, wie geht es weiter, den ging es genauso wie mir selber ja auch, inzwischen denke ich haben das ganz viele auch wieder vergessen, weil ich so normal wirke, außer, wenn man mal direkt darauf zu sprechen kommt, ist es so, dass es für meine Umgebung kaum eine Rolle spielt."

Mittlerweile stehen alle vor einem großen Cranach-Gemälde, das die Geschichte des Hl. Sebastian erzählt, sein Leiden, sein Sterben – alles erläutert von einer jungen Kunsthistorikerin, die auf jedes noch so unscheinbare Detail eingeht, eine prächtige Kunst.

"Ja, beeindruckend, auch wenn es nicht die meine, meine ist eher die Zeitgenössische, wenn ich ehrlich bin (lacht), aber auch dafür kann man sich interessieren, von der Handwerkskunst auf jeden Fall."

Sie kann es beurteilen, immerhin versteht sie sich als Künstlerin, weiß um die Mühen ihrer Passion, die ihre MS-Erkrankung sie noch intensiver leben und erleben lässt. Es mag seltsam klingen, aber ihre Krankheit beschert ihr nicht nur Defizite, sondern auch einen bewussteren Blick auf ihr Leben:

"Ja, es wird einem bewusster, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man die Treppen rauf und runter gehen kann, auch wenn ich das jetzt Gott sei Dank jetzt wieder kann, es könnte ein Vorteil sein, dass man bewusster lebt, trotzdem würde ich diese Krankheit natürlich lieber nicht haben."

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