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StartseiteVerbrauchertippBeim Versicherungsschutz kommt es auf den Chef an28.11.2018

WeihnachtsfeiernBeim Versicherungsschutz kommt es auf den Chef an

Die Kneipen sind voll besetzt - kurz vor den Festtagen haben viele Betriebe und Firmen ihre Weihnachtsfeiern. Wenn bei einer solchen Feier ein Unfall passiert, stellt sich schnell die Frage nach dem Versicherungsschutz. Auf den Alkoholkonsum sollten Beteiligte aber auch achten.

Von Ursula Reinsch

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Ein festlicher gedeckter Tisch mit weihnachtlicher Dekoration, darüber hängt ein Kerzenleuchter (picture alliance / dpa / Kristiina Kurronen)
Betriebliche Weihnachtsfeiern sind in vielen Betrieben beliebte Rituale. (picture alliance / dpa / Kristiina Kurronen)
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Verhaltensregeln Ohne Fauxpas durch die Weihnachtsfeier

Knigge Küssen auf der Weihnachtsfeier erlaubt

Betriebliche Weihnachtsfeiern sind in der Regel gut für das Betriebsklima: Die Mitarbeiter können ungezwungen mal privat miteinander reden, oder auch mal mit dem Chef ins Gespräch kommen. Doch es kann auch anders kommen. Harald S. erinnert sich daran:

"Wir hatten eine sehr schöne Weihnachtsfeier, die vom Unternehmen finanziert und auch organisiert war. Es gab zum Beispiel eine Tombola. Wie immer und üblich gab es natürlich auch Alkohol. Leider kam dann doch ein unglückliches Ende. Eine Kollegin stürzte beim Gang auf die Toilette, die im Untergeschoss war. Sie verletzte sich am Fußgelenk und fiel dann wochenlang als Arbeitskraft aus. In der Folge gab es dann lang anhaltende Schwierigkeiten mit der Berufsgenossenschaft."

Betriebliche Veranstaltung?

Immer stellt sich hier diese Frage: Wer kommt für die finanziellen Folgen des Unfalls auf? Das Entscheidende ist, ob die Weihnachtsfeier – oder auch andere Betriebsfeiern - "betriebliche Veranstaltungen" sind. Stefan von der Linde, Fachanwalt für Arbeitsrecht:

"Von einer betrieblichen Veranstaltung spricht man bei einer Weihnachtsfeier, wenn sie vom Arbeitsgeber oder von der Betriebsleitung organisiert wird für den ganzen Betrieb oder auch für abgrenzbare Betriebsteile… Also muss vom Arbeitgeber organisiert, finanziert, oder sonst wie gesponsert sein."

Die Weihnachtsfeier muss also von der "Autorität des Unternehmens" getragen sein, wie das Bundessozialgericht dies ausgedrückt hat. Auch wenn es manchmal lustiger und ungezwungener ohne den Chef sein könne - damit berufsgenossenschaftlicher Unfallschutz besteht, gilt dies:

"Prinzipiell muss der Chef oder die Betriebsleitung anwesend sein. Er kann sich natürlich auch vertreten lassen, wenn er persönlich nicht anwesend sein kann, also es muss jedenfalls mal die Arbeitgeberseite vertreten sein."

Versicherungsschutz und Alkohol?

Wenn sich die Arbeitgeberseite bereits verabschiedet hat und der offizielle Teil der Weihnachtsfeier beendet ist, endet auch der berufsgenossenschaftliche Versicherungsschutz. Das führt in der Praxis immer wieder zu Problemen bei Lohnfortzahlung, Verletztengeld und Verletztenrente. Generell, so Rechtsanwalt Stefan von der Linde, hängt der Versicherungsschutz auch vom Alkoholkonsum ab:

"Natürlich wird auf Weihnachtsfeiern Alkohol getrunken und deshalb kann Alkoholkonsum kein Ausschlussgrund sein, also eine Haftung der gesetzlichen Unfallversicherung ausschließen, aber es kommt natürlich auf das Ausmaß an. Wenn jemand so betrunken ist, dass er nicht mehr gerade gehen kann und deshalb stürzt, und sich deshalb verletzt, dann wäre sicher davon auszugehen, dass da kein Versicherungsschutz besteht. Das ist aber von Einzelfallentscheidungen der Gerichte abhängig."

Kritisch ist es mit dem Versicherungsschutz für Arbeitnehmer auch in anderen Situationen:

"Wenn er Kollegen mitnimmt von der Weihnachtsfeier oder zur Feier hin, da ist es in der Tat umstritten, das wäre dann auch eine Frage des Einzelfalles. Es gibt Gerichte die sagen, dass der Umweg um einen Kollegen mitzunehmen, nicht mehr versichert ist und es gibt genauso Meinungen und Gerichte, die sagen, dass das noch zum versicherten Weg gehört."

Bei einem Unfall dem Arzt direkt sagen, dass es sich möglicherweise um einen Arbeitsunfall handelt und darauf achten, dass der Arbeitgeber den Unfall der Berufsgenossenschaft meldet.

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