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WeißdornArzneipflanze des Jahres 2019

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Als Frühlingsblüher, der den Frühling einläutet, kommt dem Weißdorn schon immer eine symbolische Bedeutung zu. Studien zeigen aber, dass er auch ein gutes Mittel bei ersten Anzeichen von Herzschwäche und Atemlosigkeit ist sowie bei leichten Herz-Rhythmusstörungen.

Von Renate Rutta

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Eingriffeliger Weißdorn oder Hagedorn (Crataegus monogyna) (picture alliance/imageBROKER / Christian Hütter)
Früchte des eingriffeligen Weißdorns oder Hagedorns (Crataegus monogyna) (picture alliance/imageBROKER / Christian Hütter)

"Bei der Teezubereitung nimmt man auf eine Tasse Tee ein bis zwei Teelöffel von der Mischung Blüte und Blatt, übergießt das mit kochendem Wasser und lässt das zehn Minuten ziehen und trinkt es dann langsam. Der Weißdorn war auch wegen seinem leuchtenden Weiß und als Frühlingsbote eine positive Pflanze. Er galt als ein Wohnort für gute Feen. Z.B. auch das Dornröschen soll bei seinem hundertjährigen Schlaf von einer Weißdornhecke umgeben gewesen sein", so Dr. Johannes Mayer vom Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg.

Mythenumrankte Heilpflanze

Viele Mythen ranken sich um die Arzneipflanze des Jahres 2019, den Weißdorn:

"Es gibt auch eine Legende, dass sogar die Dornenkrone in der Passion Christi, dass die auch aus Weißdornästen zusammen geflochten war."

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg wählt jedes Jahr die Arzneipflanze des Jahres, diesmal den Weißdorn:

"Er hat eine starke symbolische Rolle, weil er einer der Frühlingsblüher ist, der den Frühling mit einläutet. Das sind wunderschöne weiß leuchtende Blüten, das hat die Menschen wohl immer fasziniert. Der Weißdorn blüht Ende April bis Anfang Mai, ist ein Rosengewächs und hat wunderschöne rote Früchte dann, die man verwenden kann für Gelee aber auch als Arzneimittel. Wobei normalerweise für die Arzneimittelherstellung eigentlich die Blüten und Blätter verwendet werden", sagt Mayer.

Oligomere Prozyanidine und Flavonoide

Der Weißdorn ist in ganz Mitteleuropa heimisch. Seine leuchtend weißen Blüten und die Blätter enthalten wichtige sekundäre Pflanzenstoffe.

 "Ganz wichtig sind die oligomeren Prozyanidine und die Flavonoide, die zwei wichtigsten Inhaltsstoffe, die auch für die Wirkung am Herzen verantwortlich sind."

Im Jahre 2016 wurde der Weißdorn als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Angewandt werden kann er bei leichten Stresssymptomen und als Schlafhilfe sowie bei nervösen Herzbeschwerden.

"Neue Studien haben ergeben, dass es ein gutes Mittel ist bei allerersten Anzeichen einer Herzschwäche, so leichte Atemlosigkeit bei Belastung, Herz-Rhythmusstörungen, dass hier auch der Weißdorn sinnvoll ist, ganz am Anfang bei allerersten Anzeichen einer Herzschwäche einzusetzen"

Weissdornbluetentee, Deutschland tea of hawthorn flowers, Germany BLWS417824 Copyright: xblickwinkel/F.xHeckerx  Germany Tea of hawthorn Flowers Germany  Copyright xblickwinkel F xHeckerx (imago stock&people)Weißdornblütentee (imago stock&people)

Einsatz bei beginnender Herzschwäche

Weißdornextrakte werden seit langem zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Auch Prof. Peter Gündling verschreibt ihn seinen Patienten als Heilmittel. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Naturheilverfahren und Professor an der Hochschule Fresenius, wo er den Masterstudiengang für Naturheilkunde leitet. Er schätzt am Weißdorn, dass er die Herzkraft stärkt und die körperliche Belastbarkeit der Patienten verbessert:

"Ein Beispiel wäre der alternde Patient, der anfängt und die Treppe nicht mehr richtig hochkommt, stehen bleiben muss, weil ihm die Puste ausgeht, wenn er in den zweiten, dritten Stock hoch muss, also dieses beginnende Altersherz, die beginnende Herzschwäche ist ein gutes Einsatzgebiet für Weißdorn."

Doch der Weißdorn kann weit mehr als nur die körperliche Belastbarkeit erhöhen.

"Es gibt eine Menge neuer Forschungsdaten, die zum Beispiel belegen, dass die Erregungsleitung innerhalb des Herzens besser wird, dass die Erregungsschwelle höher wird, d. h es gibt selten Herz-Rhythmusstörungen, es schützt also vor Herz-Rhythmusstörungen. Das ist das eine und das andere setzt auch direkt an den Gefäßen an, dass die Herzdurchblutung sich verdoppeln kann unter der Zufuhr von Weißdorn. Es dichtet Gefäße ab. Bei Herzschwäche gibt es häufig dicke Beine, Ödeme, Wassereinlagerung in den Beinen, auch das geschieht weniger durch die Abdichtung von den kleinen Gefäßen von den Venen zum Beispiel", sagt Gündling.

Kombinierbar mit vielen anderen Medikamenten

Die Heilpflanze des Jahres setzt also auf vielen verschiedenen Ebenen an und – ein weiterer Vorteil – er lässt sich auch mit vielen anderen Medikamenten kombinieren.

"Es gibt große Studien, eine mit über 2 500 Patienten, wo er an Herzkranke gegeben wurde im Vergleich zu Placebo und diese Herzkranken hatten alles querbeet an Herzkrankheiten, Zuckerkrankheit oder chronische Bronchitis und Rheuma und waren entsprechend mit Medikamenten behandelt und die haben zusätzlich Weißdorn bekommen, um zu sehen, ob sich ihr Herz-Kreislauf-System verbessert und es gab keine Hinweise auf Wechselwirkungen, man kann es praktisch zu allem dazu nehmen, es verträgt sich mit allem was wir wissen hervorragend", so Gündling.

Der Weißdorn gehört zu seinen Lieblingsheilpflanzen, die Professor Gündling gerade bei Patienten mit leichten Herzbeschwerden gerne einsetzt:

"Zusammengefasst kann man sagen, Weißdorn hat den großen Vorteil, dass er gut verträglich ist, hat so gut wie keine Nebenwirkungen. Er verträgt sich mit allem anderen, was es an Medikamenten so gibt und er hat ein breites Wirkspektrum sowohl was die Wirkung am Herzen angeht als auch was die Wirkung am Herz-Kreislauf-System angeht und damit ist er nahezu universell bei Herz-Kreislauf-Patienten einsetzbar."

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