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StartseiteKultur heuteFeigheit vor der Kunst?10.09.2019

Weiße Wand im KanzleramtFeigheit vor der Kunst?

Nachdem Emil Noldes Werke wegen der NS-Begeisterung des Malers nicht mehr ins Kanzleramt zurückkehren, ist die Wand im Büro der Kanzlerin immer noch leer. "Diese Chance nicht zu nutzen, ist verwunderlich", so Felix Krämer, Direktor des Museums Kunstpalast in Düsseldorf, im Dlf.

Felix Krämer im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Seit inzwischen sechs Monaten gähnt eine große leere Wand die Besucherinnen und Besucher des politisch wahrscheinlich wichtigsten Büros der Republik an. So lange ist es nämlich her, dass die Bundeskanzlerin zwei Werke von Emil Nolde in ihrem Amtszimmer abhängen ließ: Offiziell, weil sie zu einer Ausstellung ausgeliehen wurden. Tatsächlich, weil einfach nicht mehr zu bestreiten war, dass Nolde ein Nazi und Rassist war. Also ließ Angela Merkel auch gleich wissen, dass die Bilder danach auch nicht mehr ins Kanzleramt zurückkehren müssten.

Eine weiße Wand ist keine Antwort

Ersatz gibt es seither nicht. Felix Krämer, Direktor des Museums Kunstpalast in Düsseldorf, hat vor fünf Jahren im Frankfurter Städel mit seiner Nolde-Ausstellung die Debatte öffentlich gemacht. Schon damals wurde Emil Noldes "Der Brecher" im Kanzleramt problematisiert. "Das hat damals niemanden wirklich interessiert", so Krämer. Dass Nolde ein Anhänger der Nationalsozialisten war, sei für viele so neu gewesen, dass es weitergehende Diskussionen überlagert habe.

Es sei gut und richtig, dass Angela Merkel nun reagiert und Nolde zurückgegeben habe, aber eine weiße Wand könne nicht die Antwort sein, so der Kunsthistoriker: "Die Prominenz einer solchen Stelle gibt der Kanzlerin ja auch Möglichkeiten, Künstlerinnen und Künstler, die vergessen sind, die nie gezeigt wurden, die aber auch ganz großartige Bilder gemalt haben - denen eine Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen." Er sei doch sehr verwundert, dass die Kanzlerin eine weiße Wand der Kunst vorziehe, so Krämer, der als mögliche Alternativen Werke von Lotte Laserstein, Jankel Adler oder Felix Nussbaum nannte.

Der Bundespräsident als gutes Beispiel

Ein so symbolhafter Ort wie das Kanzleramt böte schließlich eine einmalige Chance: "Wie das geht, kann man wunderbar gerade beim Bundespräsidenten beobachten, der letzte Woche im Schloss Bellevue den Künstlern aus der DDR einen Raum gewidmet hat, die sich 1989 sehr stark für die Einheit engagiert haben." Diese Kraft der Kunst solle man unbedingt positiv nutzen, meint Felix Krämer.

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